Ampel hätte parlamentarische Mehrheit

Umfrage-Kracher vor Bundestagswahl: Scholz auf einmal mit guten Kanzler-Chancen

Olaf Scholz kann sich freuen: Der SPD-Kandidat hat plötzlich deutlich verbesserte Chancen, Bundeskanzler zu werden. Das geht aus einer neuen Umfrage hervor.

Berlin - Die SPD ist in der wöchentlichen Insa-Umfrage für die Bild am Sonntag mit den Grünen gleichgezogen. Die Sozialdemokraten kommen in dieser Woche auf 18 Prozent, wie die Zeitung berichtete. Die Grünen halten mit 18 Prozent ihren Wert aus der Vorwoche, die FDP kommt auf zwölf Prozent (minus ein Prozent). Eine Ampel-Koalition mit diesen drei Parteien hätte damit 48 Prozent und eine parlamentarische Mehrheit. Olaf Scholz (SPD) oder die Grünen-Kandidatin Annalena Baerbock könnten dann ins Kanzleramt einziehen.

Die SPD gewann mit ihrem Kanzlerkandidaten Olaf Scholz einen Prozentpunkt im Vergleich zur Vorwoche. Die Union verliert einen Punkt und kommt auf 26 Prozent. Die AfD bleibt bei elf Prozent, die Linke gewinnt einen Punkt hinzu und kommt nun auf sieben Prozent.

Kanzler-Frage: Deutsche favorisieren Olaf Scholz

In der Kanzler-Frage liegt Scholz laut Insa inzwischen mit deutlichem Abstand vorne. Ihn würden in dieser Woche 27 Prozent zum Kanzler wählen. Das sind fünf Prozentpunkte mehr als in der Vorwoche und die höchsten Werte, die von dem Umfrageinstitut in diesem Wahlkampf für einen Kandidaten gemessen wurden, so der Bericht.

Olaf Scholz hat Grund für Optimismus.

Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock, die vor 14 Wochen mit einer Zustimmung von 26 Prozent in den Wahlkampf gestartet ist, kommt wie in der Vorwoche auf 13 Prozent. Für den Unionskandidaten Armin Laschet (CDU) sprachen sich 14 Prozent der Befragten aus. 36 Prozent gaben an, keinen der drei Kandidaten wählen zu wollen.

Kanzler oder Kanzlerin werden in Deutschland nicht direkt gewählt. Wahlumfragen sind generell immer mit Unsicherheiten behaftet. Unter anderem erschweren nachlassende Parteibindungen und immer kurzfristigere Wahlentscheidungen den Meinungsforschungsinstituten die Gewichtung der erhobenen Daten. Grundsätzlich spiegeln Umfragen nur das Meinungsbild zum Zeitpunkt der Befragung wider und sind keine Prognosen auf den Wahlausgang.

Bundestagswahl: Wahlkampf der Union soll laut Laschet noch Fahrt aufnehmen

Der Wahlkampf der Union wird nach den Worten von Kanzlerkandidat Laschet noch Fahrt aufnehmen, zunächst haben aber die Hilfen für die Hochwassergebiete Vorrang. Der Bild am Sonntag sagte der CDU-Chef auf die Frage, ob bald Hauruck-Reden und harter Wahlkampf von ihm zu erwarten seien: „Ja! Genau auf diese Reden freue ich mich. Aber wenn Tausende Menschen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz nach der Unwetterkatastrophe vor dem Nichts stehen, gibt es für mich eine andere Priorität: schnelle Hilfe für die Menschen! Da müssen Bund, Länder und Parteien zusammenstehen. Darum geht es jetzt. Und dann ist Wahlkampf angesagt - mit klarem Profil der Union.“

Er setze auf einen Wahlkampf, der die Unterschiede zwischen den Parteien klar sichtbar mache. Der NRW-Ministerpräsident sprach von einer „historischen Wahl“. Es müsse gelingen, das tägliche Leben und das Industrieland Deutschland klimaneutral zu modernisieren, ohne dass es Wohlstand und Arbeitsplätze koste und darüber der soziale Zusammenhalt verloren gehe. Im Streit um steuerliche Entlastungen kommt Laschet der CSU entgegen. „Bürger entlasten ist richtig. Und wir werden es tun, sobald es finanziell möglich ist“, sagte der Kanzlerkandidat.

Sinkende Umfragewerte für Union: Für Laschet gilt die Bundestagswahl

Die Union sieht sich mit sinkenden Umfragewerten konfrontiert. Laschet sagte zu den Umfragewerten: „Ich erkläre weder gute noch schlechte Umfragen. Am 26. September entscheiden die Wählerinnen und Wähler.“ An diesem Tag findet die Bundestagswahl statt.

In der Union war bereits Unmut über einen zu passiven Wahlkampf laut geworden, vor allem CSU-Chef Markus Söder fordert mehr Angriffslust. Mehrere Unionspolitiker warnten jetzt davor, mit Kritik an Laschet die Wahlchancen der Union zu schmälern. „Die nervöse und überzogene Kritik auch aus den eigenen Reihen an unserem CDU-Kanzlerkandidaten ist weder hilfreich noch konstruktiv“, sagte Niedersachsens CDU-Chef Bernd Althusmann dem Tagesspiegel (Sonntag). Der rheinland-pfälzische CDU-Fraktionschef Christian Baldauf, mahnte in der Zeitung ebenfalls: „Wer den Kanzlerkandidaten jetzt in dieser Weise öffentlich kritisiert, setzt den Wahlsieg der Union aufs Spiel. Gewinnen können wir nur mit Geschlossenheit.“ (dpa/AFP)

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