Er war schon im "Damenprogramm"

Joachim Sauer: Der Mann hinter Merkel

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Angela Merkel und ihr Mann Joachim Sauer bei den Festspielen in Bayreuth.

Berlin - Joachim Sauer hat Michelle Obama durch Berlin begleitet, mit George W. Bush gegrillt, mit dem Papst geplaudert. Und er ist stets seinen eigenen Weg gegangen. Nicht nur an der Seite der Kanzlerin.

Wenn Angela Merkel am Wahlabend in der CDU-Zentrale vor ihre Anhänger tritt, wenn sich die Anspannung löst und die Gefühle aufwallen, wird die Kanzlerin wohl wieder allein im Rampenlicht stehen. Joachim Sauer an ihrer Seite, winkend, jubelnd oder tröstend? Schwer vorstellbar. Als Merkel 2005 und 2009 zur Kanzlerin gewählt wurde, war ihr Mann nicht einmal im Bundestag dabei. Außer jedes Jahr bei den Bayreuther Opern-Festspielen sieht man sie selten zusammen.

Joachim Sauer und Angela Merkel sind seit 15 Jahren verheiratet, beide in zweiter Ehe. Kennengelernt haben sie sich 1984 an der Ostberliner Akademie der Wissenschaften, wo Sauer die junge Physikerin bei ihrer Doktorarbeit betreute. Heute zählt der 64-Jährige zu den besten Quantenforschern der Welt. Der renommierte Chemiker hat in Prag geforscht und in Kalifornien gearbeitet, in Berlin ist er seit 20 Jahren Professor an der Humboldt-Universität.

In all den Jahren, in denen Merkel zur mächtigsten Frau der Welt aufstieg, ist Sauer seinen eigenen Weg gegangen. Als „First Husband“ hat sich „Achim“, wie Merkel ihn nennt, stets im Hintergrund gehalten. Selbst dann, wenn er Michelle Obama samt Töchtern durch Berlin führte oder das „Damenprogramm“ beim G8-Gipfel bestritt.

Diese Parteien sind bei der Bundestagswahl dabei

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Und Merkel respektiert das. Ohne viel Worte, wie es ihre Art ist. Welchen Einfluss Sauer auf ihre Entscheidungen hat, ist nie nach draußen gedrungen. Bei einer Talkrunde sagte sie kürzlich, natürlich spreche sie mit ihrem Mann über Politik. „Manchmal sagt er von selbst was.“ Und: „Die Tatsache, dass er dann was sagt, deutet darauf hin, dass ein Problem im Raum steht.“

Sauers Standardantwort auf Interviewwünsche lautet, seine Person stehe in keinem Verhältnis zur politischen Arbeit von Angela Merkel. Biografen der Kanzlerin jedoch berichten, dass der Professor als politischer Kopf mehr Einfluss ausübt als gemeinhin angenommen.

Merkels Mimik

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In der DDR-Zeit war die kritische Einstellung des Wissenschaftlers aus der Niederlausitz bekannt. Die Wohnung, die er mit seiner ersten Frau teilte, habe die Stasi verwanzt, hat Merkel-Biograf Gerd Langguth einst berichtet.

„Wenn man von den wirklich Überzeugten absieht, waren wir alle, die 1989 eine Stelle in der Akademie oder in der Universität innehatten, Opportunisten unterschiedlichen Grades“, berichtete Sauer 2010 der Zeitschrift der Alexander-von-Humboldt-Stiftung, „Kosmos“. „Die Kunst war, morgens noch in den Spiegel schauen zu können, aber nicht von der Oberschule verwiesen zu werden, den Studienplatz oder wissenschaftliche Arbeitsmöglichkeiten zu verlieren.“

An Merkels Seite hat Sauer einen Weg gefunden, der allseits respektiert wird. Gertrud Steinbrück hat gesagt, sollte ihr Mann Kanzler werden, werde sie es genauso machen. Doch im Wahlkampf hat die Frau des SPD-Kanzlerkandidaten einen anderen Weg gewählt, sich offensiv an die Seite von Peer Steinbrück gestellt, ihn gar zu Tränen gerührt, als sie über die Zumutungen der Kandidatur sprach.

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Dass Sauer öffentlich für seine Frau in die Bresche springt - undenkbar. Aber: Den Wert kleiner Einblicke ins Privatleben hat auch das Ehepaar Sauer-Merkel erkannt. Sauer hat zwei Söhne und zwei Enkel, die völlig abseits des Scheinwerferlichts leben. Trotzdem tauchten im Frühjahr Urlaubsfotos auf, die Merkel und Sauer beim Wandern mit Sohn, Schwiegertochter und Enkeln auf Ischia zeigten.

Dazu passen Merkels wohlkalkulierte Enthüllungen im Wahlkampf, über ihre Rouladen und die Kartoffelsuppe, die sie gern kocht, und über den Gatten, dem auf dem Kuchen immer zu wenig Streusel sind. Und vor ein paar Tagen hat sie eine Liebeserklärung abgegeben, die für ihre Verhältnisse fast leidenschaftlich ist. Gefragt nach einem Politiker, den sie auf eine einsame Insel mitnehmen würde, antwortete sie: „Keinen Politiker - meinen Mann.“

dpa

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