Erstmals nicht im Bundestag

Historische Pleite: FDP geht unter

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Wolfgang Heubisch und Martin Zeil sind nicht erfreut über das FDP-Ergebnis.

München - Traumatisch! Undenkbar! Katastrophal! Mit drastischen Worten wie diesen kommentieren FDP-Politiker Sonntagabend den abgrundtiefen Fall ihrer Partei.

 Bei der Bundestagswahl 2009 hatten sich die Liberalen durch attraktive Versprechungen auf ihr Rekordergebnis von 14,6 Prozent hochgeschraubt. Vier Regierungsjahre später folgt das historische Desaster: Erstmals fliegt die frühere „Pünktchenpartei“ aus dem Bundestag!

4,7 Prozent zeigen die ersten Prognosen um 18 Uhr, und mehr wurde es nicht. Die Noch-Minister Philipp Rösler, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und Daniel Bahr und Dirk Niebel müssen sich bald nach einer Anschlussverwendung umsehen. Spitzenkandidat Rainer Brüderle zeigte sich betroffen: Die Menschen stünden der liberalen Idee positiv gegenüber, „aber wir haben sie nicht erreicht“.

„Ein weiterer äußerst bitterer Abend“, kommentierte der scheidende bayerische Wirtschaftsminister Martin Zeil. Dem außenpolitischen Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Rainer Stinner, fiel nur das Wort „Schock“ ein.

Die Wahlergebnisse aus Ihrer Region!

Bei den FDP-Wahlpartys im Münchner Hofbräukeller und im Berliner Congresszentrum sind die Szenen identisch: Schreckensstarre, Schweigen. Bayerns Liberale hätten nach dem 3,3-Prozent-Abgang aus Landtag und Regierung in München eine Woche zuvor vielleicht ein wenig besser auf das Erdbeben Nummer zwei vorbereitet sein müssen. Andererseits setzten sie ja auf eine machtvolle Zweitstimmenkampagne! Landtagskandidatin Gabriele Weishäupl hatte allerdings schon wenig optimistisch geseufzt: „Ja, mei…“ Die Aktion hat nicht gezündet. „Aus meiner Sicht ist von der Union her verlautbart worden: Die FDP schafft die fünf Prozent nicht, deshalb gebt uns gleich die Stimme“, so Noch-Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch. „Es war eigentlich aus meiner Sicht eine Negativ-Kampagne, die im Hintergrund lief.“

Dem Münchner FDP-Stadtrat Jörg Hoffmann fallen mehrere Gründe ein, die im Bund für das unterirdische Abschneiden seiner Partei verantwortlich sein könnten. „Es wurden Erwartungen geweckt, die nicht erfüllt wurden – nicht nur Steuererleichterungen.“ Das Spitzenpersonal in Berlin habe sich zwischendurch überlegen gebärdet, „als habe man Angela Merkel in die Knie gezwungen“.

Jubel und Entsetzen: Die Bundestagswahl 2013

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Ein wenig verbrämter formulierte es wenig später der FDP-Vize Christian Lindner in Berlin. Er bedauere, dass „die Chance von 2009 nicht genutzt worden ist“. Auf die Frage, ob er nach dem wahrscheinlichen Rücktritt von Parteichef Philipp Rösler nun als „Heilsbringer“ zur Verfügung stünde, wich Lindner erwartungsgemäß aus. Er hatte durch sein respektables Ergebnis mitz 8,6 Prozent bei der Wahl in NRW 2012 eine Schwächephase beenden können.

„Rösler muss weg“, findet Stadtrat Hoffmann, und der erschütterte Parteichef deutete Sonntagabend seinen Rückzug ja schon an. Er werde „persönlich und politisch dafür die notwendige Verantwortung übernehmen“ und Konsequenzen ziehen. „Was nützt das schon?“ fragt Hoffmann frustriert. Man müsse ganz von unten anfangen, „wir haben ja als Partei auch kein Geld mehr“.

Der Niederbayer Dietrich von Gumppenberg forderte als erster in Bayern den schnellen Rücktritt der FDP-Spitze. „Da müssen neue Menschen her“, sagt Gumppenberg. „Das ist so traumatisch, was da passiert ist. Ich bin fassungslos.“ Auch in Bayern sei ein Neuanfang nötig. „Jetzt muss es einen radikalen Schnitt geben ohne Ansehen der Person.“

Bei Twitter äußerten die meisten Nutzer Spott und Hohn über die FDP: „Hoteliers machen keine fünf Prozent aus“ und „Bye bye Philipp“.

Barbara Wimmer

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