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Seehofer-Festspiele gehen weiter

"Horsti" erobert das Herz der CSU

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Horst Seehofer (M.) jubelt mit seiner Kronprinzessin Ilse Aigner (2.v.r.). Die CSU ist in Bayern zurück bei 50 Prozent.

München - Die Horst-Seehofer-Festspiele gehen auch bei der Bundestagswahl weiter: Wie der Parteichef seine neue Liebesbeziehung zur Basis auskostet:

Die absolute Mehrheit in Bayern zurückgeholt, und jetzt auch noch Merkels Macht in Berlin mit ausgebaut: Horst Seehofer (64) hatte seinen Platz in der CSU-Chronik längst sicher, als er Sonntagabend um 18.55 Uhr bei der christsozialen Wahlparty in der Hanns-Seidel-Stiftung einzog. Man könnte fast sagen, er ist eingeschwebt – getragen vom Juchzen und Jauchzen seiner euphorisierten Anhänger.

Erst eine Woche ist verstrichen, seitdem sie Seehofer nach dem erlösenden Abschneiden bei der Landtagswahl mit „Horst, Horst“-Sprechchören hochleben ließen. Das klang nach Respekt. Nicht schlecht für einen „Herzjesu-Sozialisten“, den die bösartigsten unter den CSU-Funktionären noch vor ein paar Jahren am liebsten zur SPD abgeschoben hätten. Sonntag jubelte die schwarze Basis wieder, aber dieser Beifall war mehr als nur eine Zugabe. Statt „Horst, Horst“ skandierte sie leidenschaftlich „Horsti, Horsti“ – das i-Tüpfelchen auf der Woge der Begeisterung. Aus dem Respekt ist echte Zuneigung geworden. „Er hat tatsächlich das geschafft, was viele von uns nie für möglich gehalten hätten“, flüstert ein schwarzer Seehofer-Kritiker der tz. „Er hat das Herz der Partei erobert.“

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Seehofer lässt im Saal spüren, wie sehr er seine neue Rolle als väterlicher Vorsitzender auskostet: „Jetzt sag’ ich mal: O’zapft is! Zeigt’s der deutschen Öffentlichkeit heute mal, dass wir nicht nur hart arbeiten, sondern auch feiern können!“ Und dann gibt er – der vermeintliche Eisklotz und Polit-Egoist – seinen Anhängern die Nähe zurück: „Ich bin heute hier, weil ich glaube, dass ein Parteivorsitzender der CSU an einem solchen Abend in München zu sein hat.“

Um das Mia-san-mia-Gefühl auf die Spitze zu treiben, bemühte „König Horst“ sogar die europäische Königsklasse im Fußball: Die CSU habe die beiden Wahlen nämlich dank einer Champions-League-Strategie gewonnen: „Wir hatten die beste Organisation und Taktik und das beste Management seit Jahrzehnten.“ Bei soviel Lob wurde sein rabenschwarzer Generalsekretär Alexander Dobrindt fast ein bisserl rot im Gesicht.

Jubel und Entsetzen: Die Bundestagswahl 2013

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Zeit für Gefühle bei der CSU. Dobrindts Ehefrau Tanja erzählt der tz schmunzelnd, warum sie sich schon seit sieben Jahren permanent als Wahlsiegerin fühlt: „Ich habe 2006 das Richtige gemacht.“ Da hatte sie ihren Alexander geheiratet. Irgendwie durften sich an diesem emotionalen Abend alle ein bisschen als Sieger fühlen.

Dafür sorgte Seehofer schon zu Beginn der Party mit einer symbolträchtigen Geste: Wie schon nach der Landtagswahl betrat er mit seinem Führungspersonal die Bühne. Teambuilding nennt man das neudeutsch, und so beteten die führenden CSU-ler brav nach, was der Chef vorgegeben hatte: Eine „Riesen-Sache“ sei das Ergebnis der CSU (Kronprinzessin Ilse Aigner), aber auch eine Riesen-Verantwortung (Ludwig Spaenle) und natürlich „ein weiterer Erfolg von Horst Seehofer“ (Alexander Dobrindt).

49,3 Prozent in Bayern (Stand: 22.45 Uhr) – damit hätten auch erfahrene Polithaudegen wie der Münchner Bundestagsabgeordnete Hans-Peter Uhl nicht gerechnet: „Horst Seehofer hat die CSU und die bayerischen Wähler emotional wieder zusammengeführt. Das ist sein Verdienst.“

Andreas Beez

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