Kleine Parteien bei der Bundestagswahl

Wahl-Serie: AfD macht Kampfansage

Weiß-rot-blaue Überzeugung: Carina Baur verbringt ihre Samstage an Infoständen – weil sie mit der AfD endlich eine Partei gefunden hat, die sie wählen will.

München - Die Sache entscheidet sich nicht nur zwischen CSU und SPD. Bei den Wahlen im September tritt auch eine ganze Reihe kleiner Parteien an. Wir stellen sie in unserer Serie vor. Heute: die Alternative für Deutschland.

Carina Baur kann nicht einmal schätzen, wie viele weiß-rot-blaue Luftballons sie die vergangenen Wochen aufgeblasen hat. Viele waren es, das steht fest. Ein bisschen hat sie vielleicht unterschätzt, wie viel Puste so ein Wahlkampf kostet. Es ist ihr erster Sommer, in dem sie sich politisch engagiert. Seit Wochen verbringt die 28-Jährige ihre Samstagvormittage bei Infoständen der AfD – der Alternative für Deutschland. In ihrem Keller in München lagern kistenweise weiß-rot-blaue Flugblätter, weiß-rot-blaue Gummibärchen-Packungen – und weiß-rot-blaue Luftballons. „Aufsteiger des Jahres“ steht auf ihnen.

Parteienforscher Michael Weigl von der LMU München ist weniger zuversichtlich, dass das Thema Euro für genug Wählerstimmen ausreicht. „Die AfD braucht Wähler, für die der Euro entscheidend dafür ist, wem sie ihre Stimme geben“, sagt er. Protestwähler allein reichen nicht, um die fünf Prozent zu bekommen, vermutet er. „Piraten oder Grüne haben ein Lebensgefühl mit ihrer Politik verbunden und es so in die Parlamente geschafft – so etwas bietet die AfD allerdings nicht.“ Dadurch werde es schwer werden, sich unter den Großen zu behaupten.

AfD-Mitglieder betreten Neuland

Es ist ein Kampf David gegen Goliath, sagt Endner. Und der geht schon am Infostand los. Die AfD muss die Wahlwerbung allein mit Spenden und Mitgliedsbeiträgen finanzieren, sie bekommt keine Wahlkampferstattung wie die Parteien, die schon einmal angetreten sind. „Für die meisten unserer Mitglieder ist ein Wahlkampf Neuland“, sagt Wächter. Das will die AfD mit Überzeugungskraft ausgleichen. Denn überzeugt ist man, wenn man selbst plakatiert, wochenlang jeden Samstag an Infoständen steht, Unterschriften sammelt, Flyer und Luftballons verteilt und Passanten anspricht, findet Wächter. „Das macht den Charme der AfD aus“, glaubt er. „Das macht uns sympathisch.“

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Genau wie die kleinen Pannen, die eben passieren, wenn man es mit Goliath aufnehmen will. Der erste Landesparteitag der AfD ist im Frühjahr im Chaos geendet, Stimmzettel lagen während der Wahl des Parteivorsitzenden offen herum, es brodelte innerhalb der Partei, es gab Gerüchte von Parteiausschlussverfahren und Hausverboten. Knapp fiel damals die Entscheidung aus, nicht bei der Landtagswahl zu kandidieren. Dafür gab es mehrere Gründe, sagt Wächter. Einige Mitglieder fürchteten negative Folgen für die Bundestagswahl, wenn die AfD in Bayern eine Woche vorher schlecht abschneidet. Andere argumentierten, dass die Euro-Thematik auf Landesebene wenig Gewicht habe. „Es ist eben ein Wahnsinnsprojekt, in so kurzer Zeit in den Bundestag einziehen zu wollen“, sagt Wächter. „Wir versuchen in wenigen Wochen das, wofür die Grünen viele Jahre gebraucht haben.“

Selbst wenn die Alternative für Deutschland die Hürde nicht nimmt, sie macht den Wahlkampf ungemein spannender, glaubt Parteienforscher Weigl. „Denn die Wähler sind heutzutage viel bindungsärmer.“ Die AfD könnte die großen Parteien wichtige Prozente kosten. Und sie mobilisiert Nicht-Wähler wie Carina Baur. Die 28-Jährige gibt offen zu, dass sie früher keiner Partei ihre Stimme gegeben hat – heute pustet sie weiß-rot-blaue Luftballons auf und tritt für ihre Überzeugung ein. Für sie gibt es endlich eine Alternative zur Politikverdrossenheit.

Katrin Woitsch

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