Merkel, Steinbrück, Seehofer, Ude

Körpersprache: Experte analysiert die Kandidaten

+
Am Rednerpult oft kämpferisch: Angela Merkel

München - Wie stehen sie am Rednerpult? Welche Gesten sind typisch? Ein Experte hat sich die Körpersprache von Angela Merkel, Peer Steinbrück, Horst Seehofer und Christian Ude vorgenommen.

"Viel wichtiger als alle Worte, die gesprochen werden, ist die Körpersprache“ – das gelte nicht zuletzt für die Spitzen­kandidaten der politischen Parteien. Michael Moesslang hat mehrere Bücher mit Ratschlägen darüber verfasst, wie man „Bühnen mit Persönlichkeit erobert“. Am Montag knöpfte er sich im Münchner Presseclub Angela Merkel (CDU) und ihren SPD-Herausforderer Peer Steinbrück sowie die bayerischen Kontrahenten Horst Seehofer (CSU) und Christian Ude (SPD) vor. Wie stehen sie am Rednerpult? Welche Gesten sind typisch? Werden auch mal die Zähne gezeigt?

Die tz stellt die Analysen des Experten vor.

Angela Merkel

Angela Merkel kennt der Bürger seit langem, ihre „Wahrzeichen“ sind: Blazer in verschiedenen Uni-Farben und die berühmte „Merkel-Raute“, die sie mit ihren Händen formt. Neu wird in diesem Wahlkampf ihr Mienenspiel eingesetzt, hat Moesslang beobachtet, was oft ihre Schlagfertigkeit und ihren trockenen Humor unterstreicht. Dass sie den hat, sei lange völlig unbekannt gewesen: „Bei Neujahrs- und anderen Ansprachen hat man ja das Gefühl, sie liest Verlautbarungen vor.“ Bei Interviews zeige sie zudem stärker als früher ihre menschliche Seite in diesem Wahlkampf. Dass sie sich am Rednerpult kämpferisch geben kann, räumt der Experte ein. Aschermittwochsreden mit „zustechendem Finger“ und lauten Worten seien aber untypisch für die Kanzlerin. Merkel habe in ihren Politikerjahren viel gelernt: „Hören Sie sich mal eine Rede von ihr als Familienministerin aus dem Jahr 1991 an, das war fast peinlich!“

Merkels Mimik

Bundeskanzlerin Angela Merkels Mimik
Angela Merkel ist seit dem 22. November 2005 unsere Bundeskanzlerin. © dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkels Mimik
Sie ist nicht nur eine mächtige Politikerin, ... © dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkels Mimik
... sondern auch eine sympathische Frau. © dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkels Mimik
Sie weiß, wie sie sich optisch in ein gutes Licht rückt. © dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkels Mimik
Das war nicht immer so. © dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkels Mimik
Doch in den letzten Jahren hat sie es nicht zuletzt mit Hilfe fähiger Stilberater geschafft, ihr Image aufzuhübschen. © dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkels Mimik
Sie ließ sich eine pfiffige Frisur schneiden ... © dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkels Mimik
... und trug immer wieder schicke Klamotten. © dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkels Mimik
Politisch konzentriert sie sich dennoch aufs Wesentliche. © dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkels Mimik
Frau Dr. Merkel ist keine Frau großer Sprüche. © dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkels Mimik
Ihr Mundwerk entgleitet ihr eigentlich nie. © dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkels Mimik
Nur die Gesichtszüge das eine oder andere Mal. © dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkels Mimik
Aber ab und zu eine unfreiwillige Grimasse ... © dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkels Mimik
... macht Frau Dr. Merkel doch nur noch sympathischer. © dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkels Mimik
... macht Frau Dr. Merkel doch nur noch sympathischer. © dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkels Mimik
Außerdem: So ein Blick sagt doch manchmal mehr als 1000 Worte. © dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkels Mimik
Oder was sagen Ihnen diese Blicke? © dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkels Mimik
Eine geheime Botschaft für die Opposition? © dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkels Mimik
Eine Beschwerde über die Getränkeauswahl? © dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkels Mimik
Tolle Skulptur? © dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkels Mimik
Ein bisschen Langeweile? © dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkels Mimik
Man kann auch mal beide Augen zudrücken? © dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkels Mimik
Der politsche Alltag ist nicht nur dröge? © dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkels Mimik
Sondern manchmal auch sehr lustig? © dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkels Mimik
Und die eine oder andere Lachträne wert? © dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkels Mimik
Sind die Schuhe geputzt? © dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkels Mimik
Verhalten sich die Hintermänner unruhig? © dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkels Mimik
Was stand da noch gleich? © dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkels Mimik
Darf man Äpfel mit Birnen vergleichen? © dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkels Mimik
Muss man beim Gähnen immer eine Hand vor den Mund halten, oder tut's manchmal auch ein Mikro? © dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkels Mimik
Wie lange redet der denn noch? © dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkels Mimik
Manche Gedanken sollte man nicht aussprechen? © dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkels Mimik
Wonach riecht das nur? © dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkels Mimik
Darf nicht auch eine Kanzlerin mal durchschnaufen? © dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkels Mimik
Ist immer wieder schön hier in Bayern? © dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkels Mimik
Wer ist hier hinter Glas? Der Fisch oder die Kanzlerin? Alles eine Frage der Perspektive? © dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkels Mimik
Die Kanzlerin ist da, und keiner schaut sie an? © dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkels Mimik
Ein schlauer Plan? © dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkels Mimik
Huch? © dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkels Mimik
Genug der Gedankenspielereien! © dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkels Mimik
Der Fairness halber: Wer auf Schritt und Tritt verfolgt und so oft fotografiert wird, ... © dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkels Mimik
... der wird natürlich auch oft in unvorteilhaften Gesichtsausdrücken für die Nachwelt festgehalten. © dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkels Mimik
Am liebsten haben wir Deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel natürlich nicht, wenn sie Grimassen zieht, ... © dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkels Mimik
... sondern wenn die Bundeskanzlerin als starke Frau Deutschlands unsere Nation im In- und Ausland würdig vertritt. © dpa

Peer Steinbrück

Sollte Rot-Grün bei der Wahl gewinnen, werde das nicht an Peer Steinbrück liegen, so Moesslang. Der SPD-Kandidat macht fast alles falsch. Seine ohnehin kaum vorhandenen Lippen zeigten meist „ein umgekehrtes Lächeln“. Der Mann lehnt Coaching als Schauspielerei ab. Ein Fehler, sagt Moesslang, der zur Folge habe, „dass selbst 20 Prozent der SPD-Anhänger ihn nicht als Kanzler wollen“. Der zustechende Finger während seiner Reden „drischt auf das Publikum ein“. Das erinnere an den längst nicht mehr praktizierten aggressiven Stil eines Herbert Wehner oder Franz Josef Strauß. Bei Gesprächen mit Bürgern trete Steinbrück nicht in Blickkontakt. Alles keine Pluspunkte für den Ex-Finanzminister. Die meisten Sympathien hat der SPD-Kanzlerkandidat beim Parteikonvent gesammelt, als ihn die Aussage seiner Frau zu Tränen rührte. Das sei authentisch gewesen, ist sich Moesslang sicher, „weil es ihm sichtlich unangenehm gewesen ist“.

Horst Seehofer

CSU-Chef Seehofer lacht gern, zeigt auch oft ein schelmisches, verschmitztes Lächeln. Das gefällt Coach Moesslang: „Damit kommt er bei den Leuten gut an – das Lächeln zeigt Seehofers trockenen Humor.“ Die Körperhaltung des Hünen

findet er nicht ideal: „Er läuft meist mit leicht eingezogenen Schultern, damit macht er sich kleiner.“ Damit verkaufe er sich schlecht. Andererseits habe diese Haltung auch eine sympathische, bescheidene Wirkung. Bei der Gestik könnte der CSU-Chef eine Schippe drauflegen: „Nur manchmal setzt Seehofer bei seinen Reden die Schlaghand ein, er bleibt sehr dezent.“ Moesslang plädiert für die große Geste. „Die signalisiert, dass man überzeugt ist von dem, was man sagt.“ Seehofer präsentiere sich wenig kämpferisch. Im Dialog mit den Bürgern sage er, was er denkt, das wirkt ehrlich. Kleines Manko: „Im Gespräch mit Bürgern konzentriert er sich oft nicht auf eine Person – er hat einen suchenden Blick, scannt die Umgebung.“

Christian Ude

Die Beliebtheit des SPD-Kandidaten Ude liegt nicht zuletzt daran, dass er viel lächelt und lacht. „Das schüttet das Glückshormon Dopamin aus“, erklärt Moesslang, beim Gegenüber und auch bei dem, der selbst lächelt. Lobend erwähnt der Fachmann für Haltungsfragen auch Udes große Gesten, die er zwischendurch bei Reden sehen lässt – allerdings nicht in genügender Zahl. Zu oft klammere er sich am Pult fest. Ein Vorbild für alle sei da US-Präsident Barack Obama, der immer frei und aufrecht steht und zu einem oder anderen Teleprompter schaut – auch Obama habe das lernen müssen. Die typische Ude-Sprache – „abgehackt und immer gepresst“ – wirke einerseits eigenartig, weil jedes Wort betont werde, sei aber andererseits stets gut zu verstehen. Positiv vermerkt Moesslang den Umgang Udes mit den Bürgern: „Er geht unheimlich gut auf die Menschen zu und hält Augenkontakt.“ Bei einer Direktwahl zwischen Seehofer und Ude wäre es ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Auch interessant

Kommentare