Merkel contra Steinbrück

Rentner und Erstwähler geben TV-Duell-Zeugnis

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Interessant: Beim Pensionist punktete Peer Steinbrück, der Erstwähler favorisiert Angela Merkel.

München - Die tz hat einen Rentner und einen Erstwähler gebeten, den Auftritt von Kanzlerin Merkel und Herausforderer Steinbrück beim TV-Duell zu bewerten - mit Schulnoten.

Das sagt der Pensionist

Früher hat Günter Gareiß als Polizeibeamter in München gearbeitet, heute ist der 65-Jährige im wohlverdienten Ruhestand. Peer Steinbrück kam im TV-Duell bei ihm besser an als Angela Merkel, gänzlich überzeugt haben ihn aber beide nicht: Steinbrück Schulnote 3, Merkel 4.

Auftreten

Frau Merkel hat immer wieder zu Steinbrück hinübergeschaut, als wolle sie sich für irgend etwas entschuldigen. Ihr Lächeln wirkte gequält, als wisse sie, dass sie Peer Steinbrück unterlegen ist. Der SPD-Kandidat hat Merkel aber auch in eine Rolle gedrängt, in die sie nicht wollte. Das hat Steinbrück geschickt gemacht.

Redegewandheit

Obwohl ich ihn wahrscheinlich nicht wählen werde: Peer Steinbrück hat seine Argumente klarer formuliert, sie besser herübergebracht. Er hat einfach verständlicher gesprochen. Angela Merkel fühlte sich phasenweise sichtlich unwohl. Gelogen haben aber beide; in Wahrheit geht es nur um Geld und Macht.

Inhalt

Günter Gareiß (65)

Beide haben zum Beispiel beim Thema Euro-Krise dasselbe gesagt, beide wollen Ländern wie Griechenland und Portugal helfen. Bei der Arbeitslosigkeit und der Rentenpolitik kam von beiden so gut wie nichts, zumal man ganz genau weiß: Die Zahlen sind geschönt, in Wahrheit gibt es in unserem Land sechs Millionen Arbeitslose. Deshalb galt beim TV-Duell doch das Motto: Wer besser lügt, gewinnt. Ich habe mich im Verlauf des Duells gefragt, warum Frau Merkel vieles nicht schon längst besser gemacht und wa­rum Steinbrück über seine SPD so vieles im Bundesrat blockiert hat. Angela Merkel konnte mir nicht erklären, warum unser Land so hohe Schulden hat, Peer Steinbrück aber auch nicht!

Das sagt der Erstwähler

Der 18-jährige Lorenz Schmid aus Puchheim hat gerade sein Abitur gemacht und darf am 22. September zum ersten Mal den Bundestag wählen. „Ich fand das Duell interessant – es hat meine Tendenz zu Merkel bestärkt, weil sie souveräner aufgetreten ist und mehr Fakten präsentiert hat.“

Auftreten

Merkels Auftreten erschien mir solider. Gut fand ich, dass sie auch mal die Moderatoren unterbrochen hat und aggressiver war. Steinbrück hingegen ließ sich seine Redezeit einfach von den Moderatoren zuteilen – von einem künftigen Kanzler erwarte ich aber, dass er sich durchsetzen kann, wenn er zu selten das Wort bekommt.

Redegewandheit

Beide haben weitgehend verständlich geredet. Selbst bei komplizierteren Fragen, etwa zur Finanzpolitik,konnte man insgesamt gut folgen. Stefan Raab hat – von einem Oliver-Kahn-Vergleich abgesehen – auch nicht anders gefragt als die anderen Moderatoren – jugendnäher wurde die Sprache der Politiker dadurch sicher nicht.

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Lorenz Schmid (18)

Die Themen, die mich als Erstwähler besonders interessieren wie Ausbildung, Arbeitsplätze, Familienpolitik oder Bildung kamen mir zu kurz – dafür wurde nach meinem Geschmack über den Euro, der ja schon seit langem breit diskutiert wird, zu ausführlich gerdet. Die derzeit besonders aktuellen Themen wie Syrien und der NSA-Skandal bekamen ebenfalls zu wenig Platz. Merkel ist beim Thema Bespitzelung durch die USA ausgewichen – aber das liegt wohl auch daran, dass sie als Kanzlerin nicht so frei reden kann wie der Oppositionsmann. Steinbrück hat zwar immer wieder gesagt, dass er als Kanzler alles anders machen würde – aber wirkliche Lösungsansätze habe ich nicht gesehen.

tz

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