Die Moderatoren-Duos im tz-Check

Will/Raab trumpfen auf - Illner/Kloeppel zu brav

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Die Moderatoren des Kanzerlduells (v.li.): Stefan Raab, Anne Will, Maybritt Illner und Peter Kloeppel

München - Das Kanzlerduell lockte Millionen Menschen vor den Fernseher. Doch wie schlugen sich eigentlich die vier Moderatoren Stefan Raab, Anne Will, Maybrit Illner und Peter Kloeppel? Der tz-Check:

Stefan Raab: Befreit und emotional

Über ihn wurde im Vorfeld der Sendung am meisten diskutiert. Kann Stefan Raab TV-Duell? Die Antwort nach den 90 Minuten am Sonntagabend ist: Ja, der Pro7-Entertainer kann es. Raab münzte seinen vermeintlichen Nachteil, dass er unerfahren mit Diskussionen dieser Art ist, zu seinem Vorteil um: Er agierte befreit. Er fragte so direkt wie keiner seiner Moderations-Kollegen. Man merkte ihm an, dass er seine persönliche Wahlentscheidung auch von diesem TV-Duell abhängig machen möchte. Er kommentierte stellenweise frech („Frau Merkel, das hätten wir auch kürzer haben können“), was die Runde auflockerte.

Anne Will: Souverän und kernig

Anne Will (ARD) gelang es als einziger, von einem der „Duellanten“ eine echte Neuigkeit herauszukitzeln. Als es im Rahmen der Rentendiskussion auch um die Pensionen ging, ließ sich Peer Steinbrück dazu hinreißen, dass er durchaus – für den Fall, dass er an die Regierung kommt – darüber nachdenkt, an die Höhe der Pensionen heranzugehen. Will ließ nicht locker, fragte hartnäckig nach und brachte Steinbrück in Bedrängnis. Insgesamt formulierte sie ihre Fragen klar und auf den Punkt. Sie war so souverän wie einst, als sie noch kernige Interviews in den Tagesthemen führte.

Maybrit Illner: Erstaunlich brav

Verglichen mit der Art und Weise, wie forsch Maybrit Illner den Politikern in ihrem eigenen ZDF-Talk begegnet, wirkte sie im TV-Duell erstaunlich brav. An mehreren Stellen, gerade, als es um die Euro-Krise ging, wollte sie sowohl Peer Steinbrück als auch Angela Merkel mehrfach unterbrechen, kam aber nicht durch. Manchmal blitzte ihre Schärfe durch; etwa, als sie Angela Merkel fragte, warum sie sich als die mächtigste Frau der Welt beim Betreuungsgeld eigentlich von Horst Seehofer über den Tisch ziehen ließ. Von Fragen dieser Art hätte man sich mehr gewünscht.

Peter Kloeppel: Unauffällig, ohne Erfolg

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RTL-Chefredakteur Peter Kloeppel war der mit Abstand unauffälligste der vier Moderatoren. Was mutmaßlich seriös rüberkommen sollte, wirkte mitunter fast gelangweilt. Seltsam, wie er seine Arme vor dem Körper verschränkte, wenn er eine Frage formulierte. Man hatte den Eindruck, Kloeppel fühlte sich nicht sehr wohl in seiner Haut. Er ließ Angela Merkel und Peer Steinbrück insgesamt zu lange antworten, ging zu selten dazwischen, erklärte keine Fachbegriffe (was sind „prekäre Arbeitsverhältnisse“?). Wenn er einmal versuchte, nachzufragen, hatte er wenig Erfolg.

tz

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