TV-Duell: Analyse von Thomas Kausch

Nationalmannschaft gegen Borussia Dortmund

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Thomas Kausch

Berlin - ARD-Journalist Thomas Kausch („Fakt“) war 2005 einer der vier Moderatoren des TV-Duells zwischen Gerhard Schröder und Angela Merkel. Für die tz analysiert er das Aufeinandertreffen von Merkel und Peer Steinbrück.

Angela Merkel und Peer Steinbrück

21 Millionen Zuschauer haben das Champions-League-Finale Dortmund gegen Bayern gesehen. So eine Einschaltquote erreicht man nur mit einem bedeutenden Fußballspiel – oder einem TV-Duell. 21 Millionen Zuschauer haben sich das Duell zwischen Merkel und Schröder 2005 angeschaut. Bayern gegen Dortmund war natürlich besonders reizvoll. Schröder gegen Merkel aber auch – zum ersten Mal Mann gegen Frau, ein Alphamann zudem, wie kann der eine Frau angreifen, ohne zum Unsympathen zu werden? Wie würde Schröder sich im Griff haben?

Andererseits natürlich die Frage, hat Merkel überhaupt eine Chance, bei ihr liegt ja eher in der Ruhe die Kraft? Schröder gegen Merkel, das ist wie Klopp gegen Heynckes. Mit anderen Worten, es kommt schon auch sehr auf die Gegner an. Bei Merkel gegen Steinmeier 2009 sahen nur noch 14 Millionen zu, weil es eben wie Heynckes gegen Heynckes war, oder Bayern gegen Leverkusen.

Welche Partie erwartet uns diesmal? Steinbrück ist ja Mitglied bei Dortmund und Merkel – tja, sie ist irgendwie inzwischen die Nationalmannschaft. Dortmund gegen Deutschland, auch spannend. Aber nicht die gleiche Augen­höhe, das ist das Problem für Steinbrück. Deshalb wird er mehr angreifen müssen als Schröder seinerzeit, der hatte ja den Kanzlerbonus. Zugleich muss er dabei aber sein hitziges Temperament im Griff haben, den Oliver Kahn in sich. Zuschauer und Wähler zücken bei Kung-Fu-Fouls und Beißattacken schnell die Rote Karte.

Die strengen Spielregeln sind übrigens für die vier Unparteiischen, die Moderatoren, auch ein Problem. Sie müssen darauf achten, dass die Duellanten die gleiche Redezeit haben, aber vor allem müssen sie auch aufpassen, sich gegenseitig nicht in die Quere zu kommen beim Verteilen der Bälle, sprich beim Stellen der Fragen. Auch ihre Redezeit soll ja ausgeglichen sein, denn jeder repräsentiert einen Sender.

Welche Fragen werden kommen? Syrien wird natürlich ein aktuelles Thema sein, damit dürfte die Runde beginnen. Vermintes Gelände für den Kanzlerkandidaten, um im militärischen Bild zu bleiben. Den „Ohne-Uns-Joker“, den Schröder beim Einmarsch in den Irak spielte und so die Bundestagswahl 2002 doch noch überraschend gewann, den kann Peer Steinbrück nicht ziehen. Die Situation ist nicht vergleichbar. Die Entscheidung damals war vor allem eine gegen Bush. Heute geht es um eine Entscheidung gegen Assad. Welche Fragen noch? Gesundheit, Arbeit, Bildung sind die traditionellen Themenkreise, in denen man sich dreht. Aber über allem natürlich die Euro­krise.

Die SPD hat über Ex-Stürmer Gerhard „Acker“ Schröder versucht, mit der „Wahrheit“ über mögliche weitere Griechenland-Hilfen, die die Regierung verschleiere, noch mal anzugreifen. Ob Steinbrück die Vorlage verwerten kann oder den Ball über die Latte drischt, wer weiß das schon in so einer wichtigen Partie, wie der am 1. September. Die Kanzlerin wird einfach nur da stehen wie der Kaiser früher in der eigenen Hälfte. Abwarten und möglichst wenig bewegen. Also: Schau‘n mer mal, ein Spiel dauert 90 Minuten. Ein TV-Duell auch.

Thomas Kausch

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