Was er vom TV-Duell erwartet

Raab im Interview: "Noch nie versagt"

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Im Vorfeld umstritten: Schlägt der Raab seine Kritiker?

Köln - Stefan Raab ist Teil des Moderatorenteams beim TV-Duell am Sonntag. Im Interview erklärt er, wie das Treffen mit den Kollegen ablief und welchen Anspruch er an das Event hat.

Der? Die? Schwarz? Rot? Gelb oder Grün? Ja, es ist wieder Wahlendspurt – und auch heuer gibt’s deshalb natürlich ein großes TV-Duell. Am Sonntag (20.30 Uhr) in der ARD, im ZDF, auf RTL und bei ProSieben – zeitgleich. Mit gleich vier Moderatoren: Anne Will (ARD), Peter Kloeppel (RTL), Stefan Raab (ProSieben) und Maybrit Illner (ZDF). Das erwecke ja den Anschein von „Zwei-plus-vier-Verhandlungen“, krittelte Illner jetzt. Und schon seit Längerem gibt es immer wieder skeptische Stimmen, weil Paradiesvogel und Unterhalter Stefan Raab für ProSieben mit von der Partie ist. Letzterer nimmt es eher leicht und gibt sich im Interview ganz souverän und staatsmännisch:

Herr Raab, wie war das erste Arbeitstreffen mit Ihren Moderatorenkollegen?

Stefan Raab: Angenehm, wie ich’s auch aus der Unterhaltungsbranche kenne. Wir waren uns schnell einig, wie wir den Ablauf des Abends gestalten werden.“

Wie sehen Sie grundsätzlich die Rolle des Moderators eines TV-Duells?

Raab:„Es geht darum, die wesentlichen Standpunkte der beiden Politiker herauszuarbeiten, nicht darum, Fragen zu stellen, die noch nie ein Mensch gestellt hat. Die Sendung wird auch für Leute gemacht, die sich vielleicht an diesem Abend das erste Mal mit den verschiedenen Standpunkten auseinandersetzen. Deshalb ist es die Aufgabe der Moderatoren, die Fragen so zu stellen, dass die inhaltlichen Unterschiede klar werden. Der journalistische Tiefgang wird sich wahrscheinlich sogar in Grenzen halten. Die Sendung ist für ein sehr breites Publikum gedacht und nicht für Journalisten oder andere Politik-Experten, die sich mit allen Themen schon intensiv beschäftigt haben und sämtliche Einzelheiten kennen. Das Duell sollte die Themen breit gefächert abdecken und dem Zuschauer zu Hause die Chance geben, sich eine eigene Meinung zu bilden. Das ist in der kurzen Zeit nicht einfach und deswegen werden natürlich manche Details unter den Tisch fallen.“

Welchen Anspruch haben Sie an sich selbst an diesem Abend?

Raab: „Ich werde mannschaftsdienlich und sachdienlich arbeiten. Das mache ich sicher auf meine eigene Art, da mir der journalistische Jargon ein wenig fremd ist. Aber die Art und Weise, wie man Themen in Worte fasst, ändert ja nichts am Inhalt.“

Wie viel eigene Handschrift kann man da einbringen?

Raab: „In erster Linie geht es nicht darum. Ich bin neugierig und deswegen dabei. Ich versuche es so gut wie möglich zu machen. Mein Bestreben ist nicht, einem Kanzlerduell, in dem es selbstverständlich um die Protagonisten geht und nicht um mich oder meine Kollegen, meine persönliche Note aufzudrücken. Das ist nicht mein Ziel und das ist, so glaube ich, auch nicht das Ziel der Mitmoderatoren.“

Im Vorfeld gab’s viel Kritik an Ihrer Nominierung Hat Sie das gewurmt?

Raab: „Das hat mich eher gleichgültig gelassen, weil es keine Grundlage für diese Kritik gab. Ich habe schließlich noch nie in so einer Sendung versagt – weil ich auch noch nie so eine Sendung gemacht habe. Insofern würde ich sagen, erst mal abwarten und mit der Kritik hinterm Berg halten, bis das Duell gelaufen ist.“

Welches Potential sehen Sie in diesem Aufeinandertreffen Merkel gegen Steinbrück?

Raab: „Naja, wenn Frau Merkels Temperament dem von Herrn Steinbrück ähneln würde, dann würde das Aufeinandertreffen mit Sicherheit etwas mehr hergeben. Aber man kann den Kandidaten ja nicht vorschreiben, wie sie zu sein haben und deswegen vermute ich, dass es relativ absehbar ist, wie der Abend verlaufen wird.“

Bundestagswahl: Diese Koalitionen sind möglich

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SCHWARZ-GELB: Trotz aller Probleme streben Union und FDP eine Fortsetzung ihrer Koalition an - zumindest offiziell ist das für beide das alleinige Ziel. Die Chancen sind zuletzt gestiegen: Die lange schwächelnde FDP hat die Fünf-Prozent-Hürde erreicht, und beide zusammen liegen bei 45 bis 47 Prozent - in einigen Umfragen reicht das, allerdings nur knapp. Anders als 2009 kann die Union nach einer Wahlrechtsreform nicht mehr auf zusätzliche Überhangmandate hoffen. © dpa
ROT-GRÜN: SPD und Grüne haben sich ebenfalls klar zueinander bekannt, auch wenn eine rot-grüne Aufbruchstimmung wie 1998 nicht zu spüren ist. Die Chancen stehen derzeit aber schlecht: In den Umfragen liegen beide zusammen bei 35 bis 41 Prozent, was bei weitem nicht reicht. Allerdings sind viele Wahlberechtigte noch unentschlossen. Vor allem das Potenzial der SPD sehen Wahlforscher noch nicht ausgeschöpft. Sie hofft, die Unentschlossenen noch zu mobilisieren. © picture alliance / dpa
GROSSE KOALITION: Sie ist die von einer Mehrheit der Deutschen gewünschte Koalition - und derzeit die wahrscheinlichste. Bisher gab es dieses Bündnis 1966 bis 1969 und 2005 bis 2009. Beim letzten Mal hat die Zusammenarbeit der großen Parteien vor allem die SPD Sympathien gekostet, weshalb sie nun heftig gegen diese Variante wettert. Sie hat ein solches Bündnis aber auch nicht eindeutig ausgeschlossen. Nur Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat klar erklärt, nicht Minister unter einer Kanzlerin Angela Merkel zu werden. © dpa
SCHWARZ-GRÜN: Dieses Bündnis hätte derzeit eine Mehrheit. Aber nach dem Scheitern in Hamburg ist die Faszination dafür verflogen. In Energiefragen und bei der Bekämpfung der Euro-Krise liegen Welten zwischen den Parteien, wie vor allem die Grünen immer wieder betonen. Falls es aber für Rot-Grün oder eine Ampel nicht reicht, könnte diese Option für die Grünen interessant werden, um eine große Koalition zu verhindern. Doch würde ihre Basis mitmachen? © dpa
AMPEL: Sie galt zeitweise als einziger Weg, um Steinbrück ins Kanzleramt zu verhelfen. Inzwischen sehen die Umfragen aber nicht einmal für dieses Dreierbündnis eine Mehrheit. Ohnehin gilt es als sehr unwahrscheinlich. Denn FDP und Grüne können sich nicht riechen - in den Bundesländern sind solche Bündnisse auch immer gescheitert. Noch wichtiger: Die FDP will eine Ampel kurz vor der Wahl voraussichtlich mit einem offiziellen Beschluss ausschließen. © picture alliance / dpa
ROT-GRÜN-ROT: Nach den Umfragen wäre dies derzeit das einzige Bündnis, mit dem die SPD vielleicht den Kanzler stellen könnte - zumindest nach einigen Erhebungen. Die Spitzen von SPD und Grünen haben eine solche Koalition jedoch strikt ausgeschlossen - auch wenn der linke SPD-Flügel die Option gern offen gehalten hätte. Die Linke wiederum plädiert für ein rot-rot-grünes Bündnis, lehnt eine Tolerierung von Rot-Grün aber ab. © dpa

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