Steinbrücks Stinkefinger-Foto

München diskutiert: Darf der das?

München - Einer, der Kanzler werden will, zeigt auf einem Magazin-Titel den Stinkefinger: Peer Steinbrücks Geste polarisiert die Münchner. Wir haben uns umgehört.

Die Union nutzt die Steilvorlage am Wochenende der Bayern-Wahl natürlich: „Ein deutscher Bundeskanzler ist nicht Bushido“, meint CDU-Vize Armin Laschet zu Steinbrücks Stinkefinger. SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier nahm Steinbrück in Schutz: „Ich finde, die Ironie in dem Bild ist klar erkennbar.“

In der Interview-Reihe des SZ-Magazins dürfen Prominente die Fragen nur mit Mimik und Gestik beantworten. Die Steinbrück-Foto­serie war bereits Ende Juli entstanden – das Bild war die Antwort auf die Frage: „Pannen-Peer, Problem-Peer, Peerlusconi – um nette Spitznamen müssen Sie sich keine Sorgen machen, oder?“

Laut SZ habe Steinbrücks Pressesprecher Rolf Kleine davon abgeraten, das Bild veröffentlichen zu lassen, doch Steinbrück sagte: „Das ist okay so.“ Dass das Foto auf die Titelseite kommt, wusste Steinbrück aber nicht.

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Der Münchner Kommunikationsexperte Stephan Lermer glaubt, dass das Foto der SPD Stimmen kosten werde: Die „unappetitliche Pose“ werde vor allem ältere, konservative Wähler abschrecken. Der Politologe Oskar Niedermayer sagte, mit der Aktion habe Steinbrück alte Vorurteile gegen ihn bestätigt.

Das denken die tz-Leser

Peer Steinbrück mit dem Stinkefinger auf dem Cover des SZ-Magazins – darf ein Kanzlerkandidat so auftreten? Die tz hat sich in München umgehört – und dabei ausgerechnet auch Schweizer Touristen getroffen. Die Eidgenossen sind ja auf Steinbrück wegen dessen Kavallerie-Vergleich ohnehin nicht gut zu sprechen…

Wir haben gefragt: Darf Steinbrück das?

Manuela Fellmann (30), Evaluierungsexpertin, Zug (Schweiz): "Ich finde ein solches Foto zu provokativ. Ich denke nicht, dass das in der Schweiz jemand machen würde."

Andrew G. (31), Student, München: "Nein, es ist zu aggressiv. Auch in anderem Zusammenhang, also nicht als Cover, wäre ein solches Foto schlecht."

Christoph Helbieg (35), Lokomotivführer, München: "Es steht mir nicht zu, das zu beurteilen. Da müssen Sie ihn schon selbst fragen – oder seine Mutter."

S. Schmidt (31), Marketingexperte, München: "Ja. Mir würde nichts einfallen, warum er es nicht dürfte. Er kommentiert ja nur seine „Kosenamen“. Er zeigt so, dass er offen und ehrlich ist und sich nicht verbiegen lässt."

Lisa F. (27), Management Consultant, München: "Nein. Es ist nicht höflich, sondern einfach nur grob. Der Auftritt ist mir zu angriffslustig."

Der Satire-Blick von Kabarettist Wolfgang Krebs (47), Kaufbeuren: "Unglaublich! Das ist doch eine billige Fotomontage. Peer Steinbrück hat sich im Wahlkampf alle Finger abgearbeitet! Und jetzt will er keinen Finger mehr krumm machen!"

Rubriklistenbild: © dpa

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