Verlust eines Ministeriums droht

CSU: Zwischen den Stühlen

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Überlebensgroß oder nur ein Scheinriese? Horst Seehofer am Montag vor einem CSU-Wahlplakat

München - Die CSU feierte am Sonntag ein tolles Wahlergebnis. Trotzdem könnte es auf Bundesebene sogar für Horst Seehofer und seine Partei Berg abgehen. Sogar der Verlust eines Ministeriums droht.

Horst Seehofer hat eine fabelhafte Woche hinter sich. Erst erobert seine CSU die absolute Mehrheit in Bayern zurück – und jetzt hat die Partei mit ihren 49,3 Prozent, die sie in Bayern errungen hat, das Fundament für Angela Merkels Erfolg gelegt. Kurzzeitig sah es am Sonntag aus, als könnte die Union gar die absolute Mehrheit erreichen. Sechs Ministerien für die CSU? Am Ende kommt alles anders – blaues Wunder im goldenen September.

Der Parteichef kann zwar vor Kraft kaum noch gehen – trotzdem macht er eine beinahe tragische Figur. Ausgerechnet im Moment des größten Triumphs muss Seehofer um seinen Einfluss in Berlin bangen. Denn in einer möglichen großen Koalition mit der SPD hilft der CSU ihr Traumergebnis kaum. Mit bundesweit 7,4 Prozent wäre Seehofers Partei in einer solchen Koalition trotz allem die kleinste Nummer. Sogar der Verlust eines Ministeriums stünde im Raum – auch bei der letzten großen Koalition unter Angela Merkel hat es nur für zwei Kabinettsposten gereicht.

Seehofer wischt solcherlei Überlegungen rigoros vom Tisch: „Um unseren Einfluss in Berlin müssen Sie sich keine Sorgen machen. Den können Sie nicht aus der Mathematik ableiten. Der leitet sich aus anderen Faktoren ab.“ Ob die SPD allerdings bereit wäre, extra für die CSU die Regeln der Mathematik außer Kraft zu setzen, scheint mehr als fraglich. Und Merkel? Die muss eine Mehrheit organisieren – dafür braucht sie die SPD oder die Grünen.

Die bange Frage in der CSU lautet: Was wird jetzt aus Seehofers Wahlkampfschlager Nummer Eins – der Pkw-Maut für Ausländer. Kein Koalitionsvertrag ohne Maut, hatte der CSU-Chef getönt. Er könnte zu hoch gepokert haben. Die Begeisterung der Kanzlerin für das Projekt hielt sich schon immer in Grenzen – für die SPD käme die Zustimmung zur Ausländer-Maut dem völligen Gesichtsverlust gleich.

Wer könnte was in einer Großen Koalition werden?

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Und was wäre mit Schwarz-Grün? Immerhin wäre die CSU mathematisch fast auf Augenhöhe mit den Grünen. Während die Kanzlerin es für unsinnig hält, rote Linien zu ziehen, schließt der CSU-Chef ein solches Bündnis quasi aus und spricht von „keiner Bereitschaft“ in der Spitze seiner Partei.

Der CSU bleibt nichts anderes übrig, als sich auf die Entscheidungen zu konzentrieren, die sie allein von München aus treffen kann. Und so lautet die Nachricht des Tages: Gerda Hasselfeldt bleibt Chefin der CSU-Landesgruppe.

Was für Schwarz-Rot spricht und was für Schwarz-Grün

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Mk.

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