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Der geheime Kanzler-Kampf: Söder sendet unterschwellige Botschaften - und hat eine Option mehr als Laschet

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Von: Sebastian Horsch

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Wer führt die Union an? CDU-Chef Armin Laschet oder CSU-Chef Markus Söder.
Wer führt die Union an? CDU-Chef Armin Laschet oder CSU-Chef Markus Söder. © Guido Kirchner/dpa

Nach den CDU-Pleiten könnten Söders Chancen steigen. Noch gibt es nichts Neues zu berichten, heißt es. Doch hinter den Kulissen wird taktiert.

München - Offiziell gilt weiter der vereinbarte Zeitplan. Zwischen Ostern und Pfingsten soll geklärt werden, wen CDU und CSU ins Rennen schicken, um bei der Bundestagswahl am 26. September das Kanzleramt zu verteidigen.

Auch nach den verheerenden CDU-Pleiten am Sonntag in den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz will Parteichef Armin Laschet bloß keine Hektik aufkommen lassen. Und auch CSU-Chef Markus Söder sagt am Montag: „Bei der Kanzlerkandidatenfrage gibt‘s nichts Neues zu berichten.“ Man werde das „zu gegebener Zeit“ klären. Entscheidend sei nun die Geschlossenheit der Union, betont Söder.

Söder oder Laschet - Wer hat die besseren Karten?

Doch hinter den Kulissen wird selbstverständlich längst taktiert – und zwar in beiden Lagern. Söder oder Laschet – einer von beiden soll Angela Merkels Nachfolger im Kanzleramt werden, so viel steht in der Union bereits fest. Naturgemäß hat Laschet dabei als Vorsitzender der größeren CDU die besseren Karten. Doch Söder hat die besseren Umfragewerte. Und je größer die Angst in der Union wird, die Bundestagswahl am Ende sogar zu verlieren, desto höher steigen seine Aktien. Das weiß auch Laschet. „Wir müssen kämpfen“, fordert er gestern im CDU-Vorstand von seiner Partei.

Am Tag nach dem CDU-Debakel tritt CSU-Chef Söder noch vor Armin Laschet vor die Kameras. Seine Ansagen sind gespickt mit unterschwelligen Botschaften. Die Erfolge von Winfried Kretschmann (Grüne) und Malu Dreyer (SPD)in den Ländern zeigten „dass Personen eine wichtige Rolle spielen bei Wahlen. Und zwar nicht nur bei Kommunal-, auch bei Landtagswahlen, sicherlich dann auch im Bund“, sagt Söder, der als größerer Charismatiker gilt als Laschet. Sicher kein Zufall. Zudem zeichnet er ein Schreckensszenario auf.

„Es gibt theoretisch Mehrheiten jenseits der Union“, sagt Söder. Wer glaube, CDU und CSU würden auf jeden Fall den nächsten Bundeskanzler stellen, sei widerlegt. „Wir werden nicht mit dem Schlafwagen im September die Bundestagswahl gewinnen können“, sagt Söder. Auch das kann als Zweifel an Laschets Eignung als Kandidat gedeutet werden. Eine weitere Ansage: Die Schuld für die Pleiten suchte Söder am Montag auch im CDU-dominierten Corona-Management auf Bundesebene – gemeint sein dürften die Minister Jens Spahn (Gesundheit) und Peter Altmaier (Wirtschaft). Söder fordert deshalb frische Köpfe in der Union für den Bundestagswahlkampf. „Um das Kabinett herum müssen die beiden Unionsparteien noch einmal Teams für die Zukunft bilden.“

Immer offener ist allerdings, bis zu welchem Punkt Söder selbst dem Ruf der Union überhaupt folgen würde. Sinken die Umfragewerte von CDU und CSU so weit, dass die Siegchancen kleiner werden, könnte er auch dankend ablehnen – und sich auf das berufen, was er immer gesagt hat: „Mein Platz ist in Bayern.“ Eine Option, die Laschet nicht hat. Er muss als neuer CDU-Chef antreten, selbst wenn die Wahl für die Union aussichtslos wäre – so weit ist es aber noch nicht.

SPD will Ampel auch auf Bundesebene

Während die CDU ihre Wunden leckt, wurde in den anderen Parteien über mögliche neue Regierungsoptionen nach der Bundestagswahl diskutiert. SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil sprach sich im BR für eine sogenannte Ampel-Koalition mit Grünen und FDP aus. „Die Ampel ist möglich, und dafür kämpfen wir jetzt.“ Die Grünen drückten derweil auf die Bremse: „Es ist ein völlig offenes Jahr“, sagte Parteichef Robert Habeck. Es sei „absurd zu früh“, sich jetzt auf eine Konstellation im Bund festzulegen. Auch FDP-Chef Christian Lindner sagte, für Spekulationen sei es zu früh. Entscheidend sei, welche Inhalte zusammenpassen.“

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