Chaos in Tunesien: Neuer Übergangspräsident - TUI fliegt alle Urlauber aus

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Aus der Hauptstadt Tunis wurde von chaotischen Szenen berichtet. Gebäude brannten, es kam zu Plünderungen. Präsident Zine el Abidine Ben Ali (auf dem Poster zu sehen) ist geflüchtet.

Tunis - Der größte deutsche Reiseveranstalter TUI holt alle seine Urlauber umgehend aus dem von Unruhen erschütterten Tunesien zurück.

Wie das Unternehmen am Samstag in Hannover mitteilte, sollen noch am selben Tag alle Touristen aus dem nordafrikanischen Land ausgeflogen werden. “Die Vorbereitungen für eine zügige Evakuierung unserer Gäste laufen auf Hochtouren“, sagte der Leiter des TUI-Krisenstabes, Ulrich Heuer.

TUI hat rund 1.000 Urlauber in dem Land. Erste Transferbusse seien auf dem Weg in die Hotels, um Reisende zu den Flughäfen zu bringen. Alle Urlauber der TUI seien wohlauf, versicherte das Unternehmen. Neben den ohnehin für Samstag geplanten Rückflügen sollten Sondermaschinen von TUIfly und der tunesischen Fluggesellschaft Nouvelair zum Einsatz kommen. Die ersten Flüge sollten aus Djerba kommend gegen 17.30 Uhr in Hannover und 18.30 Uhr in Frankfurt am Main landen.

Der Touristikkonzern entschied zudem, alle geplanten Flüge bis einschließlich 24. Januar abzusagen. Die Kunden würden aktuell informiert. “Wir rechnen nicht mit einer schnellen Stabilisierung der Situation“, sagte Heuer. Es sei daher derzeit nicht zu verantworten, weitere Urlauber nach Tunesien zu schicken.

Bereits am Freitag hatte der Reiseveranstalter Thomas Cook Touristen aus Tunesien zurück nach Deutschland geholt. In Berlin und Düsseldorf landeten die ersten Flugzeuge mit Tunesien-Urlaubern.

Tunesischer Verfassungsrat ernennt neuen Übergangs-Präsidenten

In Tunesien ist nach nur einem Tag ein neuer Übergangs-Präsident ernannt worden. Nach der Flucht von Präsident Ben Ali ins saudische Exil hatte zunächst Ministerpräsident Mohamed Ghannouchi am Freitag die Amtsgeschäfte übernommen. Am Samstag ernannte der Verfassungsrat nun Foued Mbazaa (77) zum Interims- Präsidenten. Die Ernennung des bisherigen Parlamentspräsidenten wurde im Staatsfernsehen bekanntgegeben. Mbazaa soll Neuwahlen vorbereiten.

Zine el Abidine Ben Ali im Exil

Angesichts der blutigen Massenproteste in Tunesien ist Präsident Zine el Abidine Ben Ali zurückgetreten und ins Exil nach Saudi-Arabien geflohen. Zuvor hatte der autoritäre Herrscher nach mehr als einem Vierteljahrhundert an der Macht noch den Ausnahmezustand verhängt und die Regierung abgesetzt. Die Unruhen im Land gingen aber auch in der Nacht zum Samstag weiter. Aus der Hauptstadt Tunis wurde von chaotischen Szenen berichtet. Gebäude brannten, es kam zu Plünderungen.

Nach Angaben von Augenzeugen brannte in der Nacht der Zentralbahnhof in Tunis. In mehreren Supermärkten und Wohngebäuden sei ebenfalls Feuer gelegt und auch ein Krankenhaus angegriffen worden. Unruhen wurden auch aus anderen Landesteilen gemeldet.

Ministerpräsident Mohamed Ghannouchi sprach im tunesischen Staatsfernsehen von einem völligen Chaos. Er riet den Bewohnern von Tunis, sich in Gruppen zusammenzuschließen, um ihre Habe zu schützen. In einem Interview kündigte er an, die Armee verstärkt zur Sicherung der Wohnviertel einzusetzen.

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