Vergleichsportal verdient mit Provisionen

Check24 vor Gericht: Was Sie zu dem Prozess wissen müssen

+
Richter nehmen Preis-Vergleichsportale unter die Lupe.

München - Das Vergleichsportal Check24 steht vor Gericht. Es soll durch Provisionen verdient haben. Nun wird mehr Transparenz gefordert.

Viele Verbraucher haben es sich angewöhnt, bei der Suche nach dem billigsten Anbieter von Versicherungen, Strom oder Reisen erst einmal auf Vergleichsportalen im Internet zu surfen. Ein paar Angaben bei Check24 oder Verivox genügen – und schon erscheint auf dem Bildschirm eine Liste sortiert nach Preis. Dabei handelt es sich bei den Portalen nicht um ehrenamtliche Verbraucherschützer, sondern Unternehmen, die für jeden Vertragsabschluss Provisionen von den Versicherungen oder Reiseanbietern kassieren. Gestern hat vor dem Landgericht München ein Prozess begonnen, der die Portale zu mehr Transparenz zwingen könnte:

Worum geht es bei der Klage? 

Um die Rolle der Vergleichsportale als Versicherungsmakler. Der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute hat das Portal Check24 vor Gericht gezerrt, weil er dem Portal eine Irreführung der Verbraucher vorwirft. 

Wie soll diese Täuschung vonstattengehen?

 Check24 bezeichnet sich als Preisvergleichsportal. Die Kläger werfen dem Unternehmen vor, es arbeite aber wie ein Makler und kassiere Provisionen. Das ist an sich nicht verwerflich – doch könnten die Kunden diese Rolle des Portals nicht auf den ersten Blick erkennen. Die Richter müssen jetzt klären, ob Check24 gegen das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb verstößt.

Ist nur Check24 betroffen?

Nein. Es handelt sich um einen Musterprozess, der auch Auswirkungen auf andere Vergleichsportale haben könnte. 

Hat die Klage Aussicht auf Erfolg? 

Durchaus. Der Besucher der Seite müsse verstehen, dass Check24 ein Makler ist und nicht nur ein Dienstleister, der Preise vergleicht, sagte die Vorsitzende Richterin der 11. Kammer für Handelssachen, Barbara Clementi. Der Hinweis auf die Maklerrolle finde sich bislang nur in der Fußzeile und werde deshalb wohl von vielen Verbrauchern nicht gesehen. Am 11. Mai will das Gericht eine Entscheidung verkünden. 

Von wem kassieren die Vergleichsportale Geld? 

Die Portale haben meist Verträge mit den Versicherern oder Reiseanbietern abgeschlossen, deren Leistungen sie anbieten. Für jeden Kunden, den die Versicherer oder Reiseanbieter über die Portale gewinnen, müssen sie Geld an die Betreiber abdrücken: Bei der Kfz-Haftpflichtversicherung soll die Provision nach Angaben aus Versicherungskreisen rund 50 bis 100 Euro pro Vertrag ausmachen. Da kommt einiges zusammen: Allein in der letzten Wechselrunde für die Kfz-Haftpflichtversicherung vermittelte Check24 rund 950.000 Verträge. Nicht alle Anbieter sind bereit, mit einem Portal zusammenzuarbeiten: Die Online-Tochter des Marktführers Huk-Coburg hat sich vor wenigen Monaten von dem Vergleichsportal Verivox verabschiedet, um Geld zu sparen. 

Was halten Verbraucherschützer von Vergleichsportalen? 

Wenig, schließlich ist für den Kunden kaum nachvollziehbar, ob die Auswahl der angebotenen Produkte von den jeweiligen Provisionen abhängig ist. Der Bund der Versicherten rät Verbrauchern grundsätzlich dazu, sich nicht auf ein Portal zu verlassen. „Vergleichen Sie die Vergleichsportale.“

MK

Auch interessant

Meistgelesen

23 Tote in Manchester: Das sind die ersten Reaktionen
23 Tote in Manchester: Das sind die ersten Reaktionen
AfD-Politiker wünscht sich islamistische Anschläge in Deutschland
AfD-Politiker wünscht sich islamistische Anschläge in Deutschland
Impeachment-Verfahren: Steht die Amtsenthebung Trumps bevor?
Impeachment-Verfahren: Steht die Amtsenthebung Trumps bevor?
SPD-Parteizentrale evakuiert - Polizei gibt Entwarnung
SPD-Parteizentrale evakuiert - Polizei gibt Entwarnung

Kommentare