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„Fortschrittlichere Raketensysteme“: USA liefern neue Waffen - Putins Armee vor Einnahme von Sewerodonezk

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Von: Patrick Mayer, Franziska Schwarz

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Die russischen Truppen rücken weit in die umkämpfte Stadt Sewerodonezk vor. Präsident Selenskyj will die Befreiung besetzter Gebiete noch abwarten. Der News-Ticker zur militärischen Lage.

Update vom 1. Juni, 6.35 Uhr: Die US-Regierung liefert der Ukraine im Rahmen eines neuen Sicherheitspakets moderne Mehrfachraketenwerfer zur Verteidigung gegen den russischen Einmarsch. Aus dem Weißen Haus hieß es, die Ukraine habe zugesichert, mit dem in den USA hergestellten Artilleriesystem HIMARS keine Ziele auf russischem Territorium anzugreifen. Das System sei Teil eines Pakets im Wert von 700 Millionen Dollar (652 Millionen Euro), das daneben unter anderem Geschosse, Radarsysteme, Panzerabwehrwaffen vom Typ Javelin, Hubschrauber, Fahrzeuge und Ersatzteile beinhalte.

US-Präsident Joe Biden schrieb in einem Gastbeitrag für die New York Times, mit den modernen Raketensystemen solle das angegriffene Land in die Lage versetzt werden, „wichtige Ziele auf dem Schlachtfeld in der Ukraine“ präziser zu treffen. Biden versicherte zugleich: „Wir wollen keinen Krieg zwischen der Nato und Russland.“ Die USA versuchten auch nicht, den russischen Präsidenten Wladimir Putin zu stürzen. Wenn Russland aber keinen hohen Preis für den Angriff auf die Ukraine bezahlen müsse, könnte das zum Ende der regelbasierten internationalen Ordnung und zu katastrophalen Folgen weltweit führen.

„Solange die Vereinigten Staaten oder unsere Verbündeten nicht angegriffen werden, werden wir uns nicht direkt in diesen Konflikt einmischen, weder durch die Entsendung amerikanischer Truppen in die Ukraine noch durch einen Angriff auf russische Streitkräfte“, betonte der US-Präsident und fügte hinzu: „Wir ermutigen oder ermöglichen der Ukraine nicht, jenseits ihrer Grenzen zuzuschlagen. Wir wollen den Krieg nicht verlängern, nur um Russland Schmerzen zuzufügen.“

Ukraine-Krieg: Heftige Gefechte in Luhansk - Sewerodonezk vor russischer Einnahme

Update vom 1. Juni, 06.30 Uhr: In der ostukrainischen Region Luhansk stehen die russischen Truppen kurz davor, die letzte Bastion der ukrainischen Streitkräfte zu stürzen. Fällt die umkämpfte Gebietshauptstadt Sjewjerodonezk, hätte Russland eines seines Kriegsziele erreicht: die komplette Kontrolle des Gebiets Luhansk. Von dort aus könnten die russischen Truppen und die moskautreuen Separatisten weiter nach Westen vorrücken, um im Gebiet Donezk die strategisch wichtigen Städte Slowjansk und Kramatorsk einzunehmen.

Bei Gefechten in Sjewjerodonezk kam es in einer Chemiefabrik für Salpetersäure zu einem Zwischenfall. Die ukrainischen Behörden sprachen von einem russischen Luftangriff auf das Werk. Die prorussischen Separatisten teilten dagegen mit, es sei dort zu einer Explosion gekommen. Auf Fotos, die der ukrainische Gouverneur des Gebietes Luhansk, Serhij Hajdaj, in seinem Nachrichtenkanal bei Telegram veröffentlichte, war eine große Rauchwolke zu sehen.

Hajdaj sagte außerdem, der Großteil von Sjewjerodonezk sei inzwischen unter russischer Kontrolle. Trotzdem gäben die ukrainischen Verteidiger nicht auf. 90 Prozent der Gebäude in der Stadt seien beschädigt, bei 60 Prozent lohne sich der Wiederaufbau nicht, sagte er. Von den einmal 100 000 Einwohnern sollen dort noch 12 000 geblieben sein.

Ukraine-Krieg: Selenskyj wartet auf neue Waffen - erst dann sollen besetzte Gebiete befreit werden

Update vom 31. Mai, 22.41 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj will die Lieferung weiterer Waffen abwarten, bevor seine Armee mit der Befreiung der von Russland besetzten Gebiete beginnt. Es brauche entsprechende Waffen, „um die maximale Zahl unserer Menschen zu retten“, sagte Selenskyj in Kiew am Dienstag bei einem Treffen mit der slowakischen Präsidentin Zuzana Caputova. Die Ukraine werde sich nicht beeilen mit der Befreiung ihrer Territorien, wenn das Zehntausende von Opfern fordere, sondern vielmehr auf die nötigen Waffen warten.

Selenskyj sagte nicht, was das für Waffen sein sollen. Er fordert vom Westen seit Wochen die Lieferung schwerer Waffen, um die russischen Angriffe im Osten des Ukraine abzuwehren und die Truppen zurückzudrängen.

Seine Kollegin Caputova sicherte ihm Hilfe zu. Die Slowakei unterstützt das Nachbarland unter anderem mit der Lieferung ihres Raketenabwehrsystems, für das sie nun von NATO-Partnern Ersatz bekommen soll. In einem ähnlichen Ringtausch bereitet sie die Übergabe ihrer Kampfflugzeuge des sowjetischen Typs MiG-29 vor und will ihren eigenen Luftraum dafür von Polen schützen lassen.

Ukraine-Krieg: US-Generalstabchefs warnt vor „hochriskantem Militäreinsatz“ in Odessa

Update vom 31. Mai, 19.20 Uhr: US-Generalstabschef Mark Milley hält eine Beendigung der Blockade des Hafens von Odessa mit militärischen Mitteln für eine „hochriskante“ Option. „Derzeit sind die Seewege durch Minen und die russische Marine blockiert“, sagte Milley am Dienstag bei einem Besuch in London. „Um diese Seewege zu öffnen, wäre eine sehr große militärische Anstrengung eines Landes oder einer Gruppe von Ländern nötig.“ Ein solcher Einsatz wäre „ein hochriskanter Militäreinsatz“, betonte der US-General.

Die Ukraine und Russland gehören zu den weltweit wichtigsten Getreideproduzenten. Der Export aus beiden Ländern ist wegen des Krieges in der Ukraine, der russischen Blockade von Schwarzmeer-Häfen und der Sanktionen gegen Russland eingebrochen. Der Schiffsverkehr im Schwarzen Meer wird zudem durch Minen gefährdet, die von ukrainischen Einheiten zur Abwehr russischer Angriffe gelegt wurden.

Ukraine-Krieg: Sjewjerodonezk wohl in russischer Hand

Update vom 31. Mai, 15.10 Uhr: Bei ihrer Offensive in der Ostukraine haben die russischen Truppen die Stadt Sjewjerodonezk nach Behördenangaben zur Hälfte erobert. „Leider teilt die Front die Stadt in zwei Hälften“, sagte Bürgermeister Olexander Stryuk. Die ukrainische Armee leiste aber weiterhin Widerstand. Sjewjerodonezk werde weiterhin von der ukrainischen Armee verteidigt, sagte Bürgermeister Stryuk. „Die Stadt ist immer noch ukrainisch“, so Stryuk. Der Gouverneur der Region Luhansk, Serhij Gajdaj, hatte die Lage in Sjewjerodonezk zuvor als „äußerst kompliziert“ bezeichnet. Er räumte ebenfalls ein, dass ein Teil der Stadt von der russischen Armee kontrolliert werde.

Ukraine-Krieg: Russland meldet Leichenfund in Azovstal - 152 ukrainische Leichen in Containern

Update vom 31. Mai, 11.31 Uhr: Mehr als 150 Leichen will das russische Militär nun in unterirdischen Bunkern gefunden haben, und zwar im Asowstal-Stahlwerk in Mariupol. „In einem Container mit nicht mehr funktionierender Kühlung wurden 152 Leichen von gefallenen Kämpfern und Soldaten der ukrainischen Streitkräfte gelagert“, sagte ein Verteidigungsministeriums-Sprecher.

Die ukrainische Führung habe bis heute keine Anfrage gestellt, die Toten zu überführen. Im Gegenteil, die russischen Truppen hätten unter den Leichen Minen entdeckt, mit denen der Container wohl auf Anweisung Kiews in die Luft gesprengt werden sollte, um Moskau anzuschwärzen, behauptete der Sprecher. Russland werde die Toten in Kürze Vertretern der Ukraine übergeben, erklärte er. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig prüfen.

Die Hafenstadt Mariupol mit vormals mehr als 440.000 Einwohner ist inzwischen fast völlig zerstört. Sie liegt im Süden der Ukraine und wurde bereits in den ersten Kriegstagen von russischen Truppen eingekreist. Die ukrainischen Verteidiger, von denen ein Teil zum Asow-Regiment zählte, verschanzten sich schließlich im Asowstal-Stahlwerk. Mitte Mai ergaben sich dort die letzten Soldaten.

Ukraine-Krieg: Zerstörte Anlagen des Asowstal-Stahlwerks in Mariupol
Aufnahme vom 22. Mai: Zerstörte Anlagen des Asowstal-Stahlwerks in Mariupol © Victor/XinHua/dpa

Ukraine-Krieg: Moskau geht laut Geheimdienst mit Luhansk-Offensive Risiken ein

Update vom 31. Mai, 11.19 Uhr: Der Fokus auf Luhansk bedeutet, dass Putins Truppen in anderen besetzen Gebieten ihre Kontrolle riskieren - so schätzt es der britische Geheimdienst aktuell ein. Allerdings: Moskau habe in der Region langsame, aber größere Fortschritte gemacht als in früheren Phasen des Krieges, warnen die Geheimdienstler. Grund sei, dass es seine Truppen und Waffen in einer relativ kleinen Region konzentriert habe.

Um die Regionen Luhansk und Donezk vollständig zu besetzen, wie es Moskau wohl anstrebe, müssten sie neben Sjewjerodonezk auch die wichtige Stadt Kramatorsk und die Hauptverkehrsader zwischen Dnipro und Donezk unter ihre Kontrolle bringen, hieß es im jüngsten Ukraine-Krieg-Update des britischen Verteidigungsministeriums, das die Nachrichtenagentur dpa zusammenfasste.

Ukraine-Krieg-News: Selenskyj warnt vor „maximaler Kampfkraft“ der Putin-Truppen

Update vom 31. Mai, 9.18 Uhr: Die „maximale Kampfkraft der russischen Armee“ sieht Wolodymyr Selenskyj inzwischen in der Ostukraine versammelt. Es ist der 97. Tag des Krieges. Nach Sjewjerodonezk sind nach ukrainischen Angaben bereits am 30. Mai russische Truppen vorgedrungen. Der Feind führe im Raum Sjewjerodonezk „Sturmaktivitäten“ durch, teilte der ukrainische Generalstab mit.

Die Großstadt ist seit Monaten Ziel russischer Angriffe. Sie gilt als letzter Punkt, den das ukrainische Militär in der Region Luhansk noch kontrolliert. Selenskyj nannte in seiner jüngsten Videobotschaft aber noch diese wichtigen Ziele von Putins Truppen:

Russland hatte den Angriffskrieg auf das Nachbarland am 24. Februar begonnen. Die Ukraine rechnet derzeit mit einem Großangriff auf das Zentrum ihrer Verteidigungskräfte im Donbass im Osten des Landes. Der Raum Slowjansk-Kramatorsk ist der größte Ballungsraum, der noch unter Kontrolle Kiews steht. Hier ist auch das Oberkommando der Streitkräfte im Osten des Landes stationiert.

Ukraine-Krieg: Wolodymyr Selenskyj besucht die schwer betroffene Region Charkiw
Aufnahme vom 29. Mai: Selenskyj in der Region Charkiw © --/Ukrainian Presidential Press Office/AP/dpa

Ukraine-Krieg-News: Kiew meldet russische Sturmversuche von Sjewjerodonezk

Update vom 31. Mai, 7.35 Uhr: Im Osten der Ukraine gehen die Kämpfe um die frühere Großstadt Sjewjerodonezk in die entscheidende Phase. Der Feind führe „im Raum Sjewjerodonezk Sturmaktivitäten im Bereich der Ortschaften Sjewjerodonezk und Toschkiwka durch, die Kampfhandlungen halten an“. Das teilte der ukrainische Generalstab in seinem Lagebericht am Dienstag mit.

Weitere russische Bodenangriffe werden aus dem etwas weiter westlich gelegenen Raum Bachmut gemeldet. Dort hätten die Russen die Ortschaften Solote, Komyschuwacha, Berestowe, Pokrowske und Dolomitne angegriffen. Im Lagebericht heißt es zwar, die Attacken seien erfolglos verlaufen, gleichzeitig jedoch, dass sie fortgesetzt würden. Die Angriffe rund um Bachmut bezwecken offenbar, den letzten von der Ukraine gehaltenen Ballungsraum in der Region Luhansk, Sjewjerodonezk - Lyssytschansk, abzuschneiden und so die dort stationierten Truppen aufzureiben.

An anderen Frontabschnitten verlief die Nacht auf Dienstag ruhiger. So meldet der ukrainische Generalstab im Raum Slowjansk, der als Zentrum der kiewtreuen Truppen im Donbass gilt, nur vereinzelte Gefechte. Der russische Angriff auf die Ortschaft Dowgenke sei abgewehrt worden. Auch beim Versuch, aus der jüngst vom russischen Militär eroberten Kleinstadt Lyman heraus neue Angriffsrouten zu erkunden, habe der Feind Verluste erlitten und sich zurückgezogen. Unabhängig sind die Angaben nicht zu überprüfen.

Slowjansk wurde nach Angaben des Chefs der Militärverwaltung von Donezk, Pawlo Kyrylenko, in der Nacht von einem Raketenschlag getroffen. Dabei seien eine Schule und sieben Wohnhäuser getroffen worden, teilte er am Dienstag mit. Seinen Angaben nach wurden drei Menschen getötet und sechs verletzt.

Ukraine-Krieg: „Maximale Kampfkraft der russischen Armee“ im Donbass

Update vom 31. Mai, 6.40 Uhr: Die Lage im Osten der Ukraine bleibt am 97. Tag des Krieges äußerst schwierig. Im Donbass sei nun die „maximale Kampfkraft der russischen Armee“ versammelt, sagte Präsident Wolodymyr Selenskyj in einer Videobotschaft in der Nacht zum Dienstag. In derselben Nacht einigte sich die EU auf einen Kompromiss beim Öl-Embargo. Auch weitere Sanktionen gegen Russland sowie Finanzhilfen für die Ukraine sollen kommen.

In die umkämpfte Großstadt Sjewjerodonezk im Osten des Landes waren nach ukrainischen Angaben bereits am Montag russische Truppen vorgedrungen. Die Stadt ist seit Monaten Ziel russischer Angriffe. Sie gilt als letzter Punkt, den das ukrainische Militär in der Region Luhansk noch kontrolliert (siehe vorheriges Update). Am Montagmorgen hatten die russischen Truppen nach Angaben des Generalstabs zunächst noch am Stadtrand und in den Außenbezirken gekämpft.

Update vom 30. Mai, 22.43 Uhr: Am späten Montagabend berichten ukrainische Medien von Angriffen im Norden und Süden des Landes: Laut Kyiv Independent habe die russische Armee innerhalb einer Stunde von der Grenze Shostka aus 20 Raketen auf die Region Sumy abgefeuert. Es gäbe keine Berichte über Schäden. Die Angaben konnten nicht unabhängig überprüft werden.

Außerdem gebe es weitere Versuche der russischen Armee, in der Region Saporischschja vorzurücken, die Region liegt im Süden des Landes. Der Gouverneur sprach von Angriffen auf die Dörfer Orikhiv und Hryhorivka.

Ukraine-Krieg: Russische Truppen - Straßenkämpfe in Sewerodonezk

Update vom 30. Mai, 21.32 Uhr: Sewerodonezk im Osten der Ukraine wird zu einem schwer umkämpften Schauplatz im Ukraine-Krieg: Russische Truppen waren am Montag in Richtung Zentrum von Sewerodonezk vorgedrungen.

Am Montagabend meldet die Ukraine, dass es einen Straßenkampf gebe. Dies schrieb der Gouverneur des Gebietes Luhansk, Serhij Hajdaj, am Montagabend in seinem Telegram-Kanal. Er empfahl Bewohnern der Stadt, in Notunterkünften zu bleiben.

Sewerodonezk gilt als letzter Punkt, den das ukrainische Militär in der Region Luhansk noch kontrolliert. Am Montagmorgen hatten die russischen Truppen nach Angaben des Generalstabs noch am Stadtrand und in den Außenbezirken gekämpft.

Ukraine-Krieg: Französischer Journalist bei Beschuss getötet

Update vom 30. Mai, 16.50 Uhr: Ein französischer Journalist ist in der Ukraine getötet worden. Frédéric Leclerc-Imhoff sei in einem Bus mit Zivilisten unterwegs gewesen, schrieb Frankreichs Präsident Emmanuel Macron auf Twitter. „Ich teile das Leid seiner Familie, Angehörigen und Kollegen“, betonte Macron. Er sprach allen, die in Krisengebieten im Einsatz seien, um über das Geschehen dort zu berichten, die Unterstützung Frankreichs aus.

Die Umstände seines Todes waren zunächst unklar. Leclerc-Imhoff, der für den Sender BFM-TV arbeitete, sei mit Zivilisten unterwegs gewesen, die vor dem Krieg fliehen wollten. Er sei „tödlich getroffen“ worden, schrieb Macron.

Ukraine-Krieg: Kiew startet Gegenoffensive in der Region Cherson

Update vom 30. Mai, 15.55 Uhr: Bei Kämpfen in der Region Cherson in der Südukraine drängten ukrainische Streitkräfte die russische Armee unterdessen in der Nähe der Dörfer Andrijiwka, Losowe und Bilohirka zurück, wie die ukrainische Armee mitteilte. „Cherson, bleib standhaft, wir sind nah“, erklärte der Generalstab auf Facebook. Zur Abwehr der Gegenoffensive errichteten russische Truppen den Angaben zufolge Verteidigungslinien rund um Cherson. Ins benachbarte Mykolajiw seien zudem russische Spezialeinheiten entsandt worden, „um verlorene Stellungen zurückzuerobern“.

Der Großraum um die Hafenstadt Cherson war gleich nach Kriegsbeginn Ende Februar von russischen Truppen erobert worden. Die Lage der Stadt an der Mündung des Dnjepr und in unmittelbarer Nähe zur von Russland annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim ist von großer strategischer Bedeutung.

Ukraine-Krieg: Plant Russland einen zweiten Angriff auf Kiew?

Update vom 30. Mai, 14.15 Uhr: Moskau frohlockt über Gebietsgewinne im Donbass. Jetzt soll der Kreml wieder Kiew ins Visier nehmen. Doch erlaubt der Zustand der russischen Armee das? Es ist von Meutereien die Rede. Aber auch die Ukrainer haben große Verluste zu beklagen - ein Überblick.

Update vom 30. Mai, 13.18 Uhr: Allem Anschein nach haben russische Truppen die strategisch wichtige Hafenstadt Mariupol aktuell unter ihrer Kontrolle. Deren Stadtverwaltung meldet nun, dass bei den Kämpfen deutlich mehr Zivilisten getötet worden sein könnten als bisher angenommen. Demnach hat die russische Seite seit Kriegsbeginn etwa 16.000 Einwohner begraben, während seit Mitte März in der Stadt Lebende zusätzlich etwa 5000 Menschen bestattet hätten.

Ukraine-News: Autobombe explodiert im von Russland kontrollierten Melitopol

Update vom 30. Mai, 12.31 Uhr: Im Süden der Ukraine hat es einen Sprengstoffanschlag gegeben. Unklar war zunächst, wem der Angriff im von russischen Truppen besetzten Melitopol galt. Wladimir Rogow, Chef der russischen Militärverwaltung, sprach von einem Terrorakt.

Eine Autobombe explodierte nahe dem Verwaltungsgebäude im Stadtzentrum und verletzte Freiwillige, die russische Hilfslieferungen an die Bevölkerung ausgeladen hätten - das berichten russische Medien. Die Angaben sind nicht unabhängig zu prüfen.

Die von Russland eingesetzte Bürgermeisterin Melitopols, Halina Daniltschenko, machte die ukrainische Seite für einen „zynischen Terrorakt“ verantwortlich, der den Einwohnern Angst einjagen sollte. Die Regierung in Kiew müsse sich an den Gedanken gewöhnen, dass die Menschen in Melitopol nichts mehr mit ihr zu tun haben wollten, wird Daniltschenko von der russischen Nachrichtenagentur RIA Nowosti zitiert.

Die Stadt Melitopol gehört zur Region Saporischschja, die größtenteils von russischen Truppen besetzt ist. Die Gebietshauptstadt selbst steht noch unter Kontrolle Kiews. In Saporischschja wurden in den vergangenen Wochen schon verstärkte Partisanenaktivitäten der Ukrainer gemeldet - mit Anschlägen auf Infrastruktur, russische Soldaten, aber auch Kollaborateure, die mit den russischen Besatzern zusammenarbeiten.

Ukraine-Krieg-News: Moskau erleidet laut Geheimdienst „verheerende Verluste“ bei Offizieren

Update vom 30. Mai, 11.03 Uhr: Die britische Regierung unter Boris Johnson veröffentlicht regelmäßig Geheimdienstinformationen zum Verlauf des Ukraine-Kriegs. Moskau ärgerte sich deshalb bereits über eine angebliche „Desinformationskampagne“ - die Agenten lagen aber offenbar schon mehrfach richtig. Nun berichten sie von „wahrscheinlich verheerenden Verlusten“ im russischen Offizierskorps.

Dahinter vermuten die Geheimdienstler zwei Gründe: Brigade- und Bataillonskommandeure begäben sich und ihre Einheiten an der Front in gefährliche Situationen, da von ihnen kompromisslos militärische Erfolge gefordert würden. Zudem fehle es generell an qualifizierten Unteroffizieren. Eine Modernisierung werde durch die Verluste weiter erschwert.

Der Abgang jüngerer Offiziere könne die ohnehin als niedrig geltende Moral in der russischen Armee weiter schwächen, so die Einschätzung. Es gebe glaubwürdige Berichte über vereinzelte Meutereien in der russischen Armee. Hier der entsprechende Tweet:

Ukraine-Krieg-News: Kiew meldet Rückeroberung von Gebieten nahe Cherson

Erstmeldung vom 30. Mai: Kiew - Sollte Cherson zurückerobert werden, wäre dies von starker Symbolik. Die ukrainischen Streitkräfte sind in der Region nun zum Gegenangriff übergegangen. In drei Dörfern seien die russischen Truppen zurückgedrängt worden, erklärte der Generalstab auf Facebook. Die Region im Süden des Landes war gleich zu Beginn des Ukraine-Kriegs eingenommen worden.

Von russischer Seite gab es dazu zunächst keine Angaben. Die in Cherson neu ernannten pro-russischen Behördenvertreter hatten bereits den Wunsch geäußert, dass die Region an Russland angeschlossen wird. Kremlchef Wladimir Putin unterzeichnete am 25. Mai einen Erlass, um die dortigen Bewohner vereinfacht mit russischen Pässen auszustatten.

Im Süden der Ukraine habe Moskau auf die Offensive kiewtreuer Truppen reagiert und Einheiten in die Region verlegt, um die jüngsten Gebietsverluste wieder wettzumachen. Unabhängig sind die Angaben nicht zu überprüfen.

Ukraine-Krieg-News: Russische Kampfhubschrauber im Donbass

Allerdings nehmen Putins Truppen wohl nun das Oberkommando der östlichen Streitkräfte von Ukraine-Präsident Wolodymyr Selenskyjs ins Visier: Sie planen einen Großangriff im Raum Slowjansk, so der aktuelle Lagebericht des ukrainischen Generalstabs. Der Raum Slowjansk ist der größte Ballungsraum im Donbass in der Ostukraine, der noch unter Kontrolle Kiews steht.

Zur Vorbereitung seien 250 Militärfahrzeuge in den Raum Isjum verlegt und darüber hinaus eine Eisenbahnbrücke im Gebiet repariert worden, um den Nachschub zu beschleunigen. Darüber hinaus sei auch eine Staffel von Ka-52-Kampfhubschraubern nördlich von Isjum stationiert worden. Die Ka-52 gelten als die modernsten schweren Kampfhubschrauber Russlands. (AFP/dpa/frs)

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