OB-Interview zur Adam-Affäre

Ude: "Frust nicht ins Netz stellen"

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OB Christian Ude

München - Nach dem Facebook-Wutausbruch der SPD-Nachwuchshoffnung Michael Adam ("Nur Speichellecker und Jasager erwünscht") bezieht OB Christian Ude im tz-Interview Stellung. 

Waren Sie geschockt von dem Frustausbruch von Michael Adam?

SPD-Spitzenkandidat Christian Ude: Ich war sehr verwundert, weil ich den tieferen Sinn und Nutzen nicht erkennen konnte. Es muss sich bei Adam irgendein Groll aufgestaut haben. Listenaufstellungen sind allerdings immer mit Türenschlagen einhergegangen, das weiß ich aus eigener Erfahrung. Aber man sollte seinen Frust tunlichst nicht ins Internet stellen, weil es dafür keinen Radiergummi gibt.

Welchen Schaden fügt diese Episode Ihrer Kandidatur zu?

Ude: Mir hat er ja überhaupt nichts getan, außer Mitleid geschenkt. Aber natürlich ist es nicht nützlich, wenn es zwischen einem Nachwuchstalent der Partei und einem jungen Landesvorsitzenden so offensichtlich scheppert. Wenn Michael Adam aber ernsthaft Kritik vorzutragen hätte, hätte er es als Bezirksvorsitzender weiß Gott wie oft tun können.

Davon war nie etwas zu hören?

Ude: Nie. Ich jedenfalls lasse mich in meinem positiven Urteil über Adam und Pronold, der die Bayern SPD auf Trab gebracht hat, durch nichts erschüttern.

Adam schrieb, junge Talente wie er seien von den Führungsleuten kleingehalten worden.

Ude: Wenn ausgerechnet er sich zurückgesetzt fühlt, finde ich das grotesk. Noch niemand ist in so jungen Jahren so kraftvoll auf den Schild gehoben und massiv unterstützt worden, um eine ungewöhnlich frühe Blitzstartkarriere hinlegen zu können.

Sie haben Gespräche mit ihm geführt, ob er Ihrem Schattenkabinett angehören will?

Ude: Er gehörte zu den Ersten, deren Unterstützung ich mich vergewissert habe. Er hat auch Unterstützung zugesagt – wobei ich mir das ein bisschen anders vorgestellt hatte.

Wie sind derzeit die Aussichten der SPD?

Ude: Dieser kleine Krach wird unsere Chancen nicht schmälern, in allen Parteien ist derzeit Hauen und Stechen zu besichtigen. Die Staatsregierung macht einen Fehler nach dem anderen, praktisch täglich: am Freitag der Schlingerkurs beim Mietrecht, am Wochenende in Sachen Autobahn-Südring, vorher das mehrmalige Umfallen bei den Studiengebühren – man kann und muss sich zur Zeit täglich mit der CSU auseinandersetzen und sollte nicht den eigenen Leuten gegen das Knie treten.

Interview: Barbara Wimmer

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