Regionale Corona-Hotspots

Corona-Ausbruch: Österreich verhängt Warnstufe fünf für NRW - Laschet pikiert

Österreich hat für NRW eine Reisewarnung verhängt. Ministerpräsident Armin Laschet zeigt sich pikiert - und erinnert an Ischgl.

  • Der Fall Tönnies beschert Deutschland einen massiven Zuwachs an Corona-Infektionen.
  • Folgen hat die Misere im Fleischkonzern auch für die Menschen in und um Gütersloh - ihr Sommerurlaub in Deutschland ist in Gefahr.
  • Bayern hat am Dienstag ein Beherbergungsverbot erlassen. Zwischen Söder und Laschet könnte der nächste Zwist drohen.

Update vom 24. Juni, 18.45 Uhr: Kurz vor Beginn der Sommerferien in Nordrhein-Westfalen ist das Corona-Chaos – fast – perfekt. Schadensbegrenzung war das Thema des Mittwochs.

Auch der Tourismusverband hat sich mittlerweile zu einer Wortmeldung bemüßigt gefühlt mit dem (frommen) Wunsch nach einer einheitlichen Regelung in Deutschland. Es wäre das erste Mal in der Corona-Epidemie, dass die Bundesländer das schaffen. Zugleich folgt nun auch Österreich mit einer Reisewarnung der Stufe 5, das ist die zweithöchste Stufe, und zwar für ganz Nordrhein-Westfalen.**

Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) veranlasste das zu indirekter Kritik: „Als in Ischgl mal etwas passiert ist, haben wir nicht eine Reisewarnung für ganz Österreich ausgesprochen“, sagte der CDU-Politiker am Mittwoch bei Bild live. „Ich glaube nicht, dass Gütersloh schlimmer ist als Ischgl.“ Man versucht nun, die Wogen zu glätten: Der Landkreis Gütersloh machte schon mal öffentlich, dass von den ersten 300 Testergebnissen des Massentests unter den Einwohnern, 299 negativ und nur eines nicht eindeutig sei.

Corona-Hotspot NRW: Seehofer appelliert an die Österreich

Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) wiederum rief die Bürger der Kreise Gütersloh und Warendorf nun doch mehrfach auf, die Kreise nur in besonderen Fällen zu verlassen. Menschen mit Reiseplänen empfahl er: „Lassen Sie sich testen".

Und Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) wandte sich in diplomatischer Mission an Österreich. Bei einem Treffen in Berlin bat er seinen österreichischen Kollegen Karl Nehammer, Reisewarnungen nicht pauschal für ganze Bundesländer auszusprechen, sondern auf „regionale Hotspots" zu beschränken.

Der Hoffnungsschimmer für reisende Nordrhein-Westfalen: Nehammer äußerte Vertrauen in die deutschen Behörden. „Sie unternehmen nun alles, damit man rechtzeitig und schnell die Infektionsketten durchbricht", sagte er.

Corona-Hotspot NRW: Laschet verteidigt Krisenmanagement seiner Landesregierung

Update vom 24. Juni, 11.35 Uhr: Armin Laschet (CDU) hat das Krisenmanagement der CDU/FDP-Landesregierung nach dem massiven Corona-Ausbruch in der Tönnies-Fleischfabrik verteidigt. Mit dem Lockdown in Gütersloh und im Kreis Warendorf mute man den Menschen viel zu, sagte Laschet im Landtag in Düsseldorf. Durch die breite Streuung der Wohnorte und der Belegschaft berge der Ausbruch aber ein „enormes Pandemie-Risiko“. Wie weit sich das Virus in der Bevölkerung ausgebreitet habe, könne noch niemand sagen. Die Tests würden am Mittwoch noch einmal massiv ausgeweitet.

NRW sei aber bundesweit „das erste Land“, das aus Vorsicht eine Region „komplett zurückführt“, sagte der Regierungschef mit Blick auf den Lockdown. Angesichts der Kritik, die Landesregierung habe das Leben in den betroffenen Kreisen zu spät heruntergefahren, sagte Laschet: „Es ist eine Abwägung erforderlich.“ Ihn wundere es immer wieder, wie schnell manche bereit seien, Einschränkungen der Grundrechte vorzunehmen.

Corona-Hotspot NRW: Spahn warnt - „Wenn man es diesem Virus zu leicht macht...“

Update vom 24. Juni, 9.39 Uhr: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat vor der bundesweiten Gefahr durch regionale Corona-Hotspots gewarnt. "Wenn man es diesem Virus zu leicht macht, dann breitet es sich auch ganz schnell wieder aus", sagte er am Mittwoch im ARD-"Morgenmagazin" . Er verstehe die Enttäuschung in den NRW-Landkreisen Gütersloh und Warendorf, für die Corona-Lockerungen nach dem massiven Ausbruch beim Fleischkonzern Tönnies wieder weitgehend zurückgenommen wurden.

Gesundheitsminister Jens Spahn äußerte sich in der ARD zu den derzeitigen Corona-Geschehnissen in Nordrhein-Westfalen.

Es sei jetzt wichtig, auch deutlich zu machen, dass dies zum Schutz sowohl für die Bürger vor Ort wie auch aller Menschen im Bundesgebiet erforderlich sei, mahnte Spahn. Nach dem Ausbruch in Heinsberg etwa habe man gesehen, "wie schnell aus lokalem Geschehen dann auch bundesweites werden kann".

In Folge des Skandals um die Tönnies Holding sind Freizeitaktivitäten in geschlossenen Räumen nicht mehr gestattet, Ausstellungen und Museen müssen wieder schließen, ebenso Bars, Fitnessstudios und Saunen. Geschäfte sowie Restaurants und Speisegaststätten können dagegen geöffnet bleiben, letztere aber nur noch für Menschen aus einem Hausstand.

Corona: „Es geht um die klassische Urlaubsreise“ - Reisen in Deutschland wird wohl komplizierter

München/Gütersloh - Die Corona-Krise droht, sich immer mehr zum „Spalter“ zu entwickeln - das galt zuerst für Europa, wie Kanzlerin Angela Merkel beklagte und NRWs Ministerpräsident Armin Laschet (beide CDU) erst vor wenigen Tagen bewies. Und nun droht, wieder einmal, Trouble zwischen München und Düsseldorf. Vielleicht aber auch Tohuwabohu und Reisebeschränkungen quer durch die ganze Republik.

Dass Bayerns Regierungschef Markus Söder (CSU) und sein Amtskollege Laschet* in Fragen der Pandemie einen unterschiedlichen Kurs fahren ist keine Neuigkeit. Doch angesichts des Lockdowns im Landkreis Gütersloh und der bayerischen Sorge um die Corona-Eindämmung könnten die Folgen diesmal noch verwirrender und drastischer für die Bürger ausfallen, als damals bei den Kontaktbeschränkungen*: Es scheint als sei nun die Zeit der Reiseeinschränkungen innerhalb Deutschlands angebrochen.

Fakt ist: Hotels, Pensionen und andere Beherbergungsbetriebe in Bayern dürfen vorerst keine Gäste mehr aus dem nordrhein-westfälischen Landkreis Gütersloh aufnehmen. Hintergrund ist der Massenausbruch beim Fleisch-Konzern Tönnies. „Es geht um die klassische Urlaubsreise“, sagte der bayerische Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU) am Dienstag im Anschluss an eine Kabinettssitzung, bei der diese Maßnahme beschlossen wurde.

Coronavirus: Gütersloh sorgt für „Irritation“ zwischen Söder und Laschet

Herrmann sagte, aus den Erfahrungen nach den Faschingsferien sei die klare Erkenntnis gewonnen worden, dass von Regionen mit so einer hohen Zahl an Infizierten wie im Landkreis Gütersloh eine Gefahr drohe. Dies dürfe sich nicht wiederholen. „Wehret den Anfängen“, lautete sein Kommentar aus Staatskanzlei. Die Regel ist gleichwohl keine reine „Lex Gütersloh“ - sie soll künftig für alle Kreise oberhalb der „Notbremsen“-Marke von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner gelten.

Markus Söder hat sich zu Beginn der Kabinettssitzung die Hände desinfiziert. Hinter ihm sind Staatsrätin Karolina Gernbauer und Florian Herrmann zu sehen.

Herrmann berichtete auch, dass Söder Laschet per SMS Unterstützung angeboten habe - dieser habe sich dafür bedankt. „Die Ministerpräsidenten stehen darüber in einem engen Austausch.“ Weniger freundlich klang ein anderer Satz: Söders Staatsregierung sei „irritiert“, das es keine Ausreisebeschränkung vonseiten NRWs gebe. Genau dieses Wort war auch zur Anwendung gekommen, als es beim Corona-Krisengipfel der Länder zwischen Söder und Laschet knirschte.

Corona in Deutschland: Nun kommen Reisebeschränkungen - Bayern steht nicht alleine da

So oder so: Bayern steht mit seinem Plan nicht ganz alleine. Auch in Mecklenburg-Vorpommern gilt eine Regel, nach der Urlauber aus Corona-Hotspots nicht einreisen und beherbergt werden dürfen. Bereits am Montag war an Usedom-Urlauber aus den Kreisen Gütersloh und Warendorf der Aufruf ergangen, die Insel zu verlassen.

Hinzu kommen Bedenken von Gastwirten ganz unabhängig von Verordnungen und Regelungen der Landespolitik. So seien Menschen aus der Region Gütersloh auch schon von Gastgebern auf Sylt und Nordnerney Absagen erteilt worden, wie unter anderem auf der Webseite owl24.de* zu lesen ist. Denkbar ist, dass Reisewillige künftig sehr genau und kurzfristig überprüfen müssen, welches deutsche Urlaubsziel sie erreichen können - während Auslandstrips nach wie vor problemlos möglich sein könnten. Ein Umstand, der auch Kommentatoren in den sozialen Medien „irritierte“.

Reisen in Zeiten von Corona: Laschet warnt vor „Stigmatisierung“ der Gütersloher - und setzt Appell

Laschet warnte allerdings davor, die Menschen aus dem Kreis Gütersloh nun "unter Generalverdacht" zu stellen. Mit Blick auf "touristische Absagen" für Reisende aus dem ostwestfälischen Kreis sagte Laschet in Düsseldorf: "Dazu gibt es überhaupt keinen Anlass." Die Menschen aus dem Kreis dürften nicht stigmatisiert werden.

Laschet betonte zudem, ein zuvor für den Kreis Gütersloh angekündigter Lockdown umfasse "keine Reiseeinschränkung". Man könne nur dringend an die Menschen appellieren, "jetzt im Kreis zu bleiben" und die verfügten Kontakteinschränkungen zu befolgen.

Sommerurlaub wegen Corona vor dem Aus? Grüne sehen klaren Verlierer

Die Grünen sehen die Menschen aus der Gegend um Gütersloh als Hauptverlierer. Ihre Fraktionschefin im Düsseldorfer Landtag, Monika Düker, warf der schwarz-gelben Landesregierung daraufhin vor, sie lasse "die Menschen mit verwirrenden Aussagen allein". "Kurz vor den Sommerferien ist den Menschen in der Region erneut völlig unklar, wie sie ihre Erholungszeit gestalten können, wie sie sich verhalten müssen, welche Einschränkungen ihnen drohen und was sie machen, wenn sie in ihren gebuchten Urlaubsunterkünften abgewiesen werden." Ratschläge erteilen unter anderem die Verbraucherzentralen.

So skurril das Szenario allerdings auch wirken mag: Experten könnten es womöglich durchaus goutieren. Als im März die Grenzen in Europa geschlossen wurden, attestierten einige von ihnen angesichts von mehreren Herden innerhalb Deutschlands einen Fehler. Als sinnvoller erachtete der Virologe Martin Stürmer es, bei Bedarf Bundesländer abzuschirmen. 

Offen ist unterdessen auch die Frage, wie nach den Corona-Ausbrüchen mit den Problemen der Fleischindustrie zu verfahren ist - die Opposition warnt vor einem Fehler. (fn/AFP)

In seinem Podcast spricht Christian Drosten über die Gefahr eine baldigen Verschärfung der Situation in Deutschland.

*Merkur.de und owl24.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

** Ursprünglich stand hier, dass Österreich auch bei der Einreise von Nordrhein-Westfalen eine Immunitätsbescheinigung fordert. Diese Information stimmt nicht und wurde korrigiert.

Rubriklistenbild: © AFP / TOBIAS SCHWARZ

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