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Corona und Weihnachten: Müssen Ungeimpfte im Gottesdienst draußen bleiben? Verwirrung um Regeln

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Von: Bedrettin Bölükbasi

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Eine Frau hat sich beim Gottesdienst im Dom hingesetzt. Dicht gedrängte Menschenmengen, die aus voller Kehle Kirchenlieder singen wird es in diesem Jahr wohl nicht mehr geben können. Die Kirchen stellen sich auf einen Advent und ein Weihnachtsfest unter Corona-Bedingungen ein.
Zu Weihnachten fallen die Corona-Regeln für Gottesdienste je nach Standort stark unterschiedlich aus. © picture alliance/dpa

Die Corona-Pandemie wird Weihnachten erneut stark beeinflussen. Es herrscht Verwirrung um Regeln für Gottesdienste, denn die sind von Ort zu Ort ziemlich unterschiedlich.

München - Auch dieses Jahr wird Weihnachten im Schatten der Corona*-Pandemie gefeiert. Das tödliche Virus macht strenge Regelungen und Vorschriften unumgänglich - eben auch zur Festzeit. Besonders bei Gottesdiensten ist höchste Vorsicht aufgrund der Pandemie* geboten. Die Regeln hierfür sind jedoch alles andere als einheitlich.

Während manche Kirchen nur Genesenen und Geimpften den Eintritt zum Gottesdienst erlauben wollen, gibt es bei anderen nur mildere Beschränkungen. Es gibt daneben auch Kirchen, die keinerlei Beschränkungen setzen und allen Gläubigen den Eintritt ermöglichen wollen.

Corona-Regeln an Weihnachten: Hamburger Kirche setzt 2G-Regelung - Theologe widerspricht

Zu den Kirchen, die auf strenge Vorschriften setzen, gehört auch die Hauptkirche St. Michaelis in Hamburg. Hier gilt für Gottesdienste an Weihnachten die 2G-Regel. So können nur Geimpfte und Genesene teilnehmen. Die gleiche Entscheidung kam auch vom Erzbistum in Berlin. Dort gilt ebenfalls die 2G-Regel für Weihnachtsmessen. Ungeimpften will man dennoch eine Möglichkeit für Gottesdienste bieten.

Jede Pfarrei solle demnach mindestens einen Gottesdienst anbieten, zu dem auch Getestete gehen dürfen, sagte Erzbischof Heiner Koch gegenüber der Bild. „Weihnachten ist das Fest, wo Jesus und seine Familie ausgesperrt wurden. Das ist ein ganz schlechter Weg“, führte der Erzbischof an.

Die 2G-Regel wird von vielen nicht begrüßt, so auch vom renommierten Theologe Helmut Hoping. Er warf den 2G-Gemeinden vor, „Nichtgeimpfte auszugrenzen und moralisch zu diskreditieren“. Dies sei „Spaltung“. „Weder Staat noch Bischöfe dürfen Gläubige an Weihnachten aussperren“, betonte Hoping und fügte hinzu, die Regelung sei ein Angriff auf die freie Religionsausübung.

Corona-Regeln an Weihnachten: EKD will Gottesdienste für alle - „jeder wird Möglichkeit haben“

Zu der Debatte hat auch die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) Stellung bezogen. „Jeder, der Weihnachten an einem Gottesdienst teilnehmen möchte, wird dazu in seiner Region die Möglichkeit haben“, sagte ein Sprecher von EKD-Chefin Annette Kurschus gegenüber der Bild. Für sie steht fest: Allen Gläubigen soll an Weihnachten ein Angebot gemacht werden.

Dieselbe Meinung vertreten offenbar mehrere Kirchen und wollen dafür sorgen. Im Magdeburger Dom gibt es sogar gar keine Beschränkungen - es gilt null G. Jeder, egal ob geimpft, genesen oder getestet oder nicht, hat Zutritt. Ein Mundschutz* muss jedoch getragen werden. Zudem sind auch in Freiburg im Breisgau die Weihnachtsgottesdienste für alle offen. In der Leipziger Thomaskirche gilt für die Christvesper die 3G-Regel - so dürfen Menschen mit einem Test* ebenfalls teilnehmen.

Corona-Regeln an Weihnachten: Mediziner sind sich uneinig - widersprüchliche Meinungen

Über das Infektionsrisiko bei Weihnachtgottesdiensten sind Mediziner im Streit. Ähnlich wie die Regelungen der Kirchen gehen hier die Meinungen der Fachleute auseinander. Der Präsident der Gesellschaft für Labormedizin, Prof. Harald Renz warnt vor laschen Regelungen: „Weihrauch hat keine antivirale Wirkung. Daher ist 3G – und noch besser 2G – sowie die Einhaltung von Abstandsregeln und ein Singverbot dringend erforderlich!“

Die Meinung von Renz teilt der Chefarzt Thomas Voshaar nicht. In Kirchen kenne er kein größeres Infektionsgeschehen. Seine Begründung: In Kirchen sei „viel Fläche und meist ein hohes Gewölbe“. So bestehe „nur geringes Risiko, wenn nicht gesungen wird“, unterstrich der Chefarzt. (bb) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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