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Corona: Virologe Drosten nennt Bedingung für baldiges Pandemie-Ende

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Von: Sandra Kathe

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Christian Drosten
Christian Drosten, Virologe an der Charité in Berlin. © Emmanuele Contini/Imago Images

Der Virologe Christian Drosten wertet die Omikron-Variante des Coronavirus als eindeutigen Vorteil für das Erreichen einer Herdenimmunität. Darauf müsse man nun aufbauen.

Berlin – Der Chefvirologe der Berliner Charité, Christian Drosten*, ist optimistisch, dass das Coronavirus den Status einer Pandemie verlässt und eine endemische Situation beginnt, in der die Gesellschaft mit dem Coronavirus ohne größere Einschränkungen wieder so leben kann wie vor der Pandemie: „Ja, absolut. Da bin ich mir komplett sicher“, sagte Drosten dem Tagesspiegel am Sonntag in einem Interview.

Deutschland sei jetzt „in dem Prozess“, die Corona-Pandemie* für beendet erklären und die endemische Phase ausrufen zu können: Bedingung dafür sei aber nach wie vor ein breiter Impfschutz. Denn früher oder später müssten sich, so Drosten, alle Menschen mit dem Virus infizieren*, um einen langfristigen Schutz für die Gesellschaft zu erreichen. Die abgeschwächte Infektion auf dem Boden der Impfung, „das ist so etwas wie ein fahrender Zug, auf den man aufspringt“. Dieser sinnbildliche Sprung müsste irgendwann passieren, „sonst kommt man nicht weiter.“

Virologe Christian Drosten: Herdenimmunität mit Schutz für Ungeimpfte ist nicht möglich

Die abgeschwächte Omikron-Variante* sieht Drosten dabei als Chance: „breite Immunität vorausgesetzt“. Denn der hohe Anteil Älterer in der Bevölkerung sorge dafür, dass nach wie vor viele Menschen nach natürlichen Infektionen sterben. Deutschland habe schon „ein ganzes Stück dieses Weges geschafft über Impfungen“, müsse ihn jetzt aber „zu Ende gehen“, so Drosten. Eine „Herdenimmunität“ zu erreichen, über die auch Ungeimpfte geschützt wären*, sei nicht möglich: „Dafür gibt es wissenschaftliche Evidenz“, sagte Drosten dem „Tagesspiegel“.

Ungeeignet findet Drosten jedoch die Strategie „auf Dauer alle paar Monate über eine Booster-Impfung den Immunschutz der ganzen Bevölkerung“ zu erhalten. Das müsse das Virus machen. „Es ist Impfung versus Virus, nicht Impfung versus keine Impfung.“ Und als Virologe könne er sagen, „dass man bei der Impfung einfach besser wegkommt“.

Virologe Drosten zu den Corona-Maßnahmen der Zukunft: Masken und ein Lebend-Impfstoff

Seine Voraussage für den weiteren Verlauf des Virus nach heutigem Stand sei, dass in bestimmten Situationen noch für einige Zeit Masken getragen werden müssten – „weil der Übertragungsschutz noch einmal ein wenig sinken wird und die Vulnerablen in der Bevölkerung geschützt werden müssen“. Auch im nächsten Winter könne es noch einmal zu hohen Inzidenzen kommen. Die Gefahr, die durch das Virus ausgeht, die sei jedoch durch die Impfungen mehr und mehr gebannt.

Als „nächsten Meilenstein“ in der Bekämpfung des Virus sieht Drosten die Forschung an einer „Lebend-Impfung“* mit einem abgeschwächten Virus oder einer modernen Variante davon: „Die müsste man in die Nase geben und so dann Schleimhaut-Immunität auslösen. Das wäre ein viel besserer Übertragungsschutz.“

Corona: Christian Drosten fordert neue Qualitätsstandards für die Wissenschaft

Was Drosten im Gespräch mit dem Tagesspiegel kritisierte, sind fehlende Standards zur Qualitätskontrolle der Kommunikation von Wissenschaftlern mit der Öffentlichkeit. „Ich wünsche mir, dass innerhalb der Wissenschaft eine Diskussion angestoßen wird, wie solche Standards für die Wissenschaftskommunikation definiert werden können und für die Wissenschaftler verbindlich werden“, sagte der Virologe.

So gebe es zwar „ernsthafte Probleme“ für Wissenschaftler:innen, die Daten fälschten, nicht jedoch für offenes Fehlverhalten in der Wissenschaftskommunikation. Forschende müssten öffentlich „erkennbar differenzieren zwischen unüberprüften Meinungsäußerungen und Ausführungen, die für sich Anspruch nehmen, auf validen wissenschaftlichen Fakten zu beruhen“. (ska/dpa) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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