Die wichtigsten Fragen

Vor dem Start der Corona-Impfung: So rüstet sich das Land für den Gegenangriff auf das Coronavirus

Baden-Württembergs Sozialminister Manne Lucha (Grüne) lässt sich in einem künftigen Impfzentrum in Ulm den Ablauf einer Corona-Impfung demonstrieren. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (r./Grüne) und Innenminister Thomas Strobl (CDU) sehen zu.
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Probelauf auf Schwäbisch: Baden-Württembergs Sozialminister Manne Lucha (Grüne) lässt sich in einem künftigen Impfzentrum in Ulm den Ablauf einer Corona-Impfung demonstrieren. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (r./Grüne) und Innenminister Thomas Strobl (CDU) sehen zu.

Mitten im zähen Lockdown-Herbst scheint auf einmal alles schnell zu gehen. Beinahe täglich melden Impfstoff-Hersteller neue Erfolge. Immer lauter werden die Hoffnungen auf einen baldigen Impf-Startschuss. Unsere Zeitung klärt die wichtigsten Fragen.

  • Im Kampf gegen das Coronavirus* melden Impfstoff-Hersteller beinahe täglich neue Erfolge.
  • Mittlerweile wird damit gerechnet, dass die Impfungen schon bald beginnen können.
  • Der Münchner Merkur hat die wichtigsten Fragen und Antworten zum baldigen Impf-Startschuss zusammengefasst .

Mitten im zähen Lockdown-Herbst scheint auf einmal alles schnell zu gehen. Beinahe täglich melden Impfstoff-Hersteller neue Erfolge. Immer lauter werden die Hoffnungen auf einen baldigen Impf-Startschuss. Die wichtigsten Fragen:

Wann beginnen die Impfungen?

Der Startschuss fällt möglicherweise schon Ende dieses Jahres. „Wir dürfen damit rechnen, dass es im Dezember eine erste Zulassung gibt“, sagt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Aber, so Spahn: „Es kann auch passieren, dass es erst im Januar oder Februar zu einer Zulassung kommt.“

Wie viel Impfstoff wird es geben?

Deutschland hat Verträge mit mehreren Anbietern geschlossen. Wenn alle davon am Ende liefern, wären das mehr als 300 Millionen Impfdosen allein für Deutschland. Doch das ist keinesfalls sicher. „In der Impfstoffentwicklung kann es immer wieder Rückschläge geben“, sagt Spahn. Zudem ist noch gar nicht klar, welcher Impfstoff wie gut wirkt. „Und wir wissen noch nicht, wie lange die Immunität anhält.“ Als Erstes wird voraussichtlich der Impfstoff von Biontech und Pfizer zugelassen werden, von dem sich die EU 300 Millionen Dosen gesichert hat. 56 Millionen davon entfallen auf Deutschland. Dazu kommen laut Spahn 30 Millionenweitere Dosen, die sich Deutschland in nationalen Vorverhandlungen mit Biontech gesichert hat. Aber selbst im Idealfall werden auch diese Impfungen erst nach und nach zur Verfügung stehen. Dazu kommt: Der Biontech-Impfstoff muss zwei Mal verabreicht werden, um seine volle Wirksamkeit zu entfalten, und bleibt nur bei einer Lager-Temperatur von minus 70 Grad stabil.

Werden weitere Impfstoffe folgen?

Neben Biontech haben mit Moderna und AstraZeneca zwei weitere Unternehmen bereits die Wirksamkeit ihres Impfstoffes nachgewiesen. Bei vier weiteren Projekten –darunter auch das des deutschen Unternehmens Curevac – geht die Bundesregierung derzeit davon aus, dass ebenfalls absehbar eine Marktzulassung in der EU angestrebt wird.

Wie wird die Massen- impfung organisiert?

Die Bundesregierung unterteilt die Corona-Impfmaßnahmen in zwei Phasen. Weil zumindest der erste Impfstoff voraussichtlich aufwendig gekühlt werden muss und nicht von Anfang an in ausreichender Menge zur Verfügung steht, sollen die Impfungen zunächst in Impfzentren stattfinden. Zudem soll es mobile Teams geben, die Einrichtungen wie Pflegeheime durchimpfen. Für beide Einsätze sei man auf die Unterstützung von Ärzten und medizinischem Personal angewiesen. Sobald ein Impfstoff, der weniger stark gekühlt werden muss, in ausreichender Menge vorhanden ist, sollen die Impfungen für die gesamte Bevölkerung in einer zweiten Phase auch in Arztpraxen möglich sein.

Wie viele Impfzentren wird es in Bayern geben?

„Gemeinsam mit den zuständigen Kreisverwaltungsbehörden arbeiten wir mit Hochdruck am Aufbau der Impfzentren, die in allen 96 Landkreisen und kreisfreien Städten des Freistaats geplant sind“, sagt Gesundheits-Staatssekretär Klaus Holetschek (CSU) unserer Zeitung. Das Ziel sei, „Mitte Dezember startklar zu sein“. Die Landkreise, die sich in der Standortfrage bereits festgelegt haben, setzen vor allem auf Hallen und große Gebäude. In Ebersberg soll das alte Verwaltungsgebäude der Kreissparkasse zum Impfzentrum werden, in Wolfratshausen würde man es gerne an die Klinik andocken, in Mühldorf fällt die Wahl auf einen ehemaligen Drogeriemarkt.

Wer kommt zuerst dran?

In Bayern gibt es eine Impf-Hierarchie. Zuerst geimpft werden demnach klassische Risikopatienten – also alte Menschen, chronisch Kranke, Bewohner von Alten- und Pflegeheimen und Behinderteneinrichtungen. Außerdem sollen besonders ansteckungsgefährdete Berufsgruppen bei der ersten Impfwelle dabei sein – insbesondere medizinisches und pflegerisches Personal. Dasselbe gilt für diejenigen, die bei Polizei, Feuerwehr oder im Gesundheitswesen in sensiblen Bereichen der kritischen Infrastruktur arbeiten. Auch wer wegen beengter Wohnverhältnisse ein hohes Risiko trägt, soll zu den Ersten gehören, die geschützt werden. Darüber, ob mit einer bestimmten Altersgruppe begonnen werde, oder vielleicht auch mit Beschäftigten im Gesundheitswesen, gibt es laut Spahn derzeit noch „verschiedene Überlegungen“. Das hänge auch davon ab, welcher Impfstoff dann tatsächlich in welcher Menge zur Verfügung steht.

Welches Personal und Material wird eingesetzt?

In den Impfzentren werden mehrere mindestens fünfköpfige Teams aus Verwaltungskräften, einem Arzt und medizinischen Kräften die Impfungen durchführen. Dem bayerischen Gesundheitsministerium zufolge soll ein solches Team für die Impfung von 100 Personen vier Stunden benötigen. In jedem Impfzentrum sollen immer mindestens zwei Teams anwesend sein, die sich abwechseln können – gegebenenfalls auch mehr. Die mobilen Impfteams bestehen aus mindestens drei Personen. Für den Impf-Einsatz haben sich bei der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) bis gestern bereits 2586 Ärzte gemeldet. Zudem befinden sich bereits einige Kreise in Gesprächen mit externen Dienstleistern. Bayern hat für die Impfungen 34 Millionen Spritzen und 58 Millionen Kanülen bestellt oder auf Lager.

Wie kommt man an einen Termin?

Bund und Länder befinden sich derzeit im Gespräch darüber, ob die Terminvergabe über die bekannte Nummer 116 117 der Terminservicestelle laufen soll, oder über eine eigene Telefonnummer. Zudem ist ein Online-Portal für die Terminvergabe im Gespräch.

Wie lange dauert die Impfwelle?

Spahn zeigte sich optimistisch, dass es nicht bis Ende 2021 dauert, bis alle Bevölkerungsgruppen durchgeimpft sind. Gebe es erst einmal genügend Impfstoff, der auch in Arztpraxen gekühlt und gelagert werden kann, könne es schnell gehen: Die Ärzte schafften es schließlich auch „jedes Jahr 15 bis 20 Millionen Grippeimpfungen zu geben“. Experten gehen davon aus, dass zwei Drittel der Bevölkerung geimpft sein müssen, damit eine Herdenimmunität erreicht wird.

Wie sorgt der Staat dafür, dass sich genug Bürger impfen lassen?

„Es ist ein Impf-Angebot“, betont Spahn. Ein Schreiben von den Gesundheitsbehörden mit einem zugeteilten Impftermin werde es also nicht geben. Auch eine Impfpflicht sei nicht geplant. Er rechne nach Zulassung eines ersten Corona-Impfstoffs in Europa allerdings mit einer steigenden Impfbereitschaft in Deutschland. „Ich bin überzeugt, wenn wir gemeinsam diesen harten schwierigen Corona-Winter hinter uns gebracht haben, wird auch die Bereitschaft steigen, sich impfen zu lassen.“ Spahn kündigte den Aufbau einer Online-Plattform über die erreichten Impfquoten an, differenziert nach Alter und Regionen. „Wenn z.B. in bestimmten Bevölkerungsgruppen besonders geringe Impfquoten vorliegen oder große regionale Unterschiede zwischen Ländern bestehen, kann die Informationskampagne angepasst werden“, heißt es in der nationalen Impfstrategie.

Sollen Ungeimpfte Nachteile haben?

Von Nachteilen für Menschen, die sich nicht impfen lassen wollen, ist bisher offiziell nicht die Rede. Der CDU-Gesundheitspolitiker und Europaabgeordnete Peter Liese hat sich allerdings für eine Corona-Schutzimpfung als Voraussetzung für Besuche von Großveranstaltungen ausgesprochen. Die Veranstalter sollten nur Besucher mit Impfausweis einlassen, sobald im kommenden Jahr jeder die Möglichkeit habe, sich impfen zu lassen, sagte Liese laut „Westfalenpost“. Die australische Fluglinie Qantas hat bereits angekündigt, von ihren Passagieren eine Impfung zu verlangen.

Wird der Impfstoff bewacht?

„Natürlich spielen in diesem Zusammenhang auch Sicherheitsaspekte eine große Rolle“, bestätigt ein Sprecher des bayerischen Innenministeriums unserer Zeitung. Die örtlichen Verantwortlichen erhielten deshalb „im Rahmen kriminalpolizeilicher Fachberatungen“ Empfehlungen für „den Schutz und die Sicherheit der Impfzentren sowie auch die Transport- und Lagerlogistik“. Diese könnten „unter anderem technische Sicherungsmaßnahmen wie eine Videoüberwachung oder auch personelle Empfehlungen wie den Einsatz eines Sicherheitsdienstes umfassen“. Zudem prüfe die Polizei eigene „lageangepasste“ Schutzmaßnahmen.

Kostet der Impfstoff etwas?

Der Bund kauft den Impfstoff. Für die Patienten soll er kostenfrei sein. Die Kosten für den Betrieb der Impfzentren tragen laut Impfstrategie die Länder und die gesetzliche Krankenversicherung, sowie gegebenenfalls auch die private Krankenversicherung.

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