CSU-Experte Oberreuter im Interview

Wer wird Seehofers Nachfolger? Der tz-Kandidatencheck

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Horst Seehofer geht 2017 in Rente - wer wird sein Nachfolger?
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Markus Söder (48): Keiner werkelt deutlicher an seinem Ziel – Ministerpräsident – als Söder. 42 % der Bayern sehen ihn vorn, so eine Umfrage im Februar. Er wurde mit 98 % im Amt des Bezirkschefs in Franken bestätigt.
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Alexander Dobrindt (45): Der Oberbayer stieg nach vier Jahren als Generalsekretär 2014 zum Bundesverkehrsminister auf. In dieser Eigenschaft bemüht er sich um den CSU-Wahlkampfschlager „Ausländer-Maut“. Schwierig.
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Ilse Aigner (50): 2013 holte Seehofer Aigner aus dem Amt der Agrarministerin von Berlin nach München, als vermeintliche Kronprinzessin. Am 27. Juni kandidiert sie wieder als Chefin des Bezirks Oberbayern (2013: 99,7%).
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Hans-Peter Friedrich (58): Er war Bundesinnenminister und sein Verhalten in der Edathy-Affäre kostete ihn später 2014 das Amt des Agrarministers. Als CSU-Chef in Unterfranken ist er völlig unangefochten: 100% am Samstag!
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Manfred Weber (42): EU-Abgeordneter Weber wird im November in die Riege der CSU-Vizes aufgenommen und muss den Vorsitz des Bezirks Niederbayern abgeben.
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Joachim Herrmann (58): Herrmann ist seit 2007 Innenminister und bereits seit 2001 Vorsitzender des Bezirks Mittelfranken. Er erhieltbeim Parteitag am Samstag 102 von 104 Stimmen, das sind 96 Prozent.

München - 2017 endet die Amtszeit von Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer. Die möglichen Nachfolger scharren schon mit den Hufen. Gemeinsam mit dem CSU-Experten Prof. Heinrich Oberreuther machen wir den Kandidatencheck:

„Jedes Ergebnis über 90 Prozent reiht einen in die Reihe der Prinzregenten ein“, so sprach CSU-Chef Horst Seehofer und stupste damit am Samstag wieder einmal kräftig das Namens-Karussell seiner Nachfolgekandidaten 2017 an. Konkret meinte er Joachim Herrmann – Seehofers Worte fielen nach dessen Wiederwahl zum Bezirkschef in Mittelfranken (97 Prozent). Am gleichen Tag erzielte Hans-Peter Friedrich 100 Prozent in Oberfranken. Die tz bat CSU-Experten Prof. Oberreuter um einen Check der gehandelten Kandidaten - klicken Sie sich oben durch die Fotostrecke!

Wochenlang sah es so aus, als liefe bei der Seehofer-Nachfolge alles auf Markus Söder zu. Ist das vorbei?

Prof. Heinrich Oberreuter, CSU-Experte: Horst Seehofer hat ein seit Langem nachgewiesenes Interesse daran, dass vielfältige potenzielle Bewerber auftauchen und sich gegenseitig in Schach halten. Was er nicht will – und was sich zu einer Herausforderung für seine Rest-Amtszeit entwickeln könnte – ist die Herausbildung eines eindeutigen Kronprinzen bzw. einer -prinzessin.

Wie kommt der Eindruck zustande, Söder habe die Nase vorn?

Oberreuter: Söder hat sehr geschickt Aktivitäten an den Tag gelegt, um die Öffentlichkeit zu beeinflussen und damit alle anderen in den Schatten gestellt. Das ist aber nicht der einzige Nachweis einer Amtseignung.

Innenminister Joachim Herrmann wird von Seehofer für sein Sicherheitskonzept beim G7-Gipfel gepriesen. Ist das eine Empfehlung für ihn als Spitzenkandidat?

Oberreuter: Herrmann galt zu allen Zeiten als potenzieller Mitspieler – ich will das Wort Reservekandidat vermeiden. Er bekam 2013 bei der Ressortzuschneidung fürs neue Kabinett zusätzliche Aufgabenbereiche. Das hat ihn öfter in die Öffentlichkeit gebracht als beispielsweise Frau Aigner. Auch hat Herrmann schon bei der letzten Kandidatenauswahl – 2008, als dann Seehofer zum Zug kam – schon eine Rolle gespielt. Seine Aussichten wären damals größer gewesen, hätten nicht Georg Schmid und Thomas Goppel damals ihren Hut in den Ring geworfen.

Dass Herrmann sagte, er habe kein Interesse an einer Spitzenkandidatur, muss man nicht so ernst nehmen?

Oberreuter: Das heißt nicht, dass man ablehnt, wenn es auf einen zukommt. Herrmann hat sich nie nach Ämtern gedrängt. Er ist aber ein ernstzunehmender Kandidat.

Hans-Peter Friedrich hat am Samstag in Oberfranken 100 Prozent erreicht. Macht das auch ihn zum potenziellen Nachfolgekandidaten?

Oberreuter: Friedrich spielt auf dem Bundestagsfeld. Ich glaube nicht, dass er sich sehr für die Landespolitik interessiert. Wenn man ihn aber riefe – wofür ich aber keinerlei Zeichen sehe – würde er sich sicher nicht weigern.

Kronprinzessin Ilse Aigner ist mit ihrer Trassenplanung fast in der Versenkung verschwunden.

Oberreuter: Sie drängt sich nicht auf. Sie konzentriert sich auf die Energiewende, ist aber da weitgehend an der Leine von Seehofer. Falsch wäre es, würde sie sich auf ihre oberbayerische Hausmacht verlassen. Konkurrent Söder ist dabei, seine Basis in der Fraktion zu stärken. Frau Aigner muss in den nächsten Monaten aus der Deckung kommen.

Wie steht Alexander Dobrindt nach dem vorläufigen Scheitern seiner Maut da? Seehofer hat ihm gerade den Rücken gestärkt. 

Oberreuter: Es ist genauso das Debakel von Seehofer. Deshalb sehe ich auch keinen Karriereknick für Dobrindt voraus. Allerdings auch keinen Weg zum Ministerpräsidentenamt. Dobrindt wird und muss als Verkehrsminister die ganze europarechtliche Auseinandersetzung über die Legalität der Maut bestreiten. Das wird wohl das Ende dieser Wahlperiode überdauern. Ein Rückzug von Dobrindt würde sofort als ein Weichen in der Sache interpretiert werden.

Manfred Weber, noch niederbayerischer Bezirkschef, soll laut Seehofer Partei-Vize werden. Was heißt das in der Kronprinzenfrage?

Oberreuter: Die Tatsache, dass Angelika Niebler, die ebenfalls Europaabgeordnete ist, auch in die Reihe der Stellvertreter aufgenommen werden soll, bedeutet zunächst einmal einen europapolitischen Schwenk. Webers Rolle im Europaparlament, er ist Vorsitzender der EVP, ist für ihn bei weitem interessanter als eine Zukunft in der Landespolitik. Ich erwarte auch innerhalb der Partei keine Rufe.

Generalsekretär Andreas Scheuer gilt als einer der möglichen Nachfolger von Weber als niederbayerischer Bezirksvorsitzender.

Oberreuter: Das halte ich für durchaus möglich. Aber ich denke, auch Bernd Sibler wird seinen Hut in den Ring werfen. Das ist eine relativ offene Angelegenheit.

Der Sprung für Scheuer zum Spitzenkandidaten wäre wohl zu weit?

Oberreuter: Zum jetzigen Zeitpunkt auf jeden Fall.

Interview: Barbara Wimmer

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