CSU-Fastenpredigt nach Guttenberg-Tsunami

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CSU-Chef Horst Seehofer will die Partei beim politischen Aschermittwoch auf die Zeit nach Guttenberg einstimmen.

München - Traumatisierte CSU: Zu Beginn der Fastenzeit will Parteichef Seehofer beim politischen Aschermittwoch der Basis die Botschaft bringen: Guttenberg fehlt - und es geht ohne ihn weiter.

Alles wie immer und alles anders am Aschermittwoch: “Das ist kein Tsunami, das ist nur eine Westerwelle“, spottete CSU-Chef Horst Seehofer bei der Passauer Kundgebung vor einem Jahr über seinen FDP-Kollegen Guido Westerwelle. Das ist in diesem Jahr ausgeschlossen - denn der Aschermittwoch fällt mit dem Beginn der heißen Wahlkampf-Schlussphase in vier Bundesländern zusammen. Union und FDP wollen und müssen gemeinsam gewinnen. Außerdem ist die CSU soeben selbst von einem Tsunami überrollt worden. Nach dem Rücktritt des Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg muss Seehofer in Passau therapeutisches Talent unter Beweis stellen: Die deprimierte Partei will aufgerichtet werden.

Der politische Aschermittwoch in seiner heutigen Form ist eine Erfindung der CSU - und das christsoziale Modell so erfolgreich, dass es eine Inflation ausgelöst hat. Alljährlich entsenden die Berliner Parteizentralen zum Auftakt der Fastensaison ihre besten Kräfte. SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier spricht in Vilshofen, Westerwelle in Straubing, Grünen-Chefin Claudia Roth in Landshut, während Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) fern von Bayern in Mecklenburg-Vorpommern aufzutreten pflegt. Die FDP lädt inzwischen in sechs Bundesländern zum politischen Aschermittwoch, die SPD allein in Bayern zu 56 Kundgebungen.

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Nach Jahren der Krise sprossen in der CSU in den vergangenen Monaten zarte Hoffnungen auf eine Wiedereroberung der absoluten Mehrheit in Bayern. Das führte ein Großteil der Mandatsträger auf einen Mann zurück: Guttenberg. Und eine beträchtliche Zahl von CSU-lern ist überzeugt, dass ohne Guttenberg die Rückkehr zu alter Größe nur schwer oder gar nicht gelingen kann.

Seehofer hat den Guttenberg-Faktor immer bestritten - und muss nun die Basis über den Verlust des Mannes hinweg trösten, der sein größter innerparteilicher Konkurrent war. “Die Leistungen von Karl-Theodor zu Guttenberg für die deutsche Politik werden selbstverständlich auch Thema sein, aber man muss auch respektieren, dass er in der jetzigen Situation Ruhe und Abstand vom politischen Betrieb sucht“, sagt CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt dazu.

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In Sack und Asche gehen will die CSU am Aschermittwoch nicht: “Ich werde beim Aschermittwoch deutlich machen, dass wir weiß Gott keine Nachhilfe in Sachen Glaubwürdigkeit von denen brauchen, die sich zu Wort gemeldet haben - Trittin, der die Leute gegeneinander aufwiegelt, oder Gysi mit seiner ungeklärten Stasi-Vergangenheit“, sagt der niederbayerische CSU-Bezirkschef Manfred Weber. “Der Aschermittwoch wird noch einmal ein starkes Signal der Unterstützung für Karl-Theodor zu Guttenberg werden.“

Ein bewährtes CSU-Rezept gegen Schmerzen aller Art: der Verweis auf die bayerische Spitzenstellung in Wirtschaftswachstum, Finanzkraft oder niedriger Arbeitslosigkeit. Seehofer werde in seiner Rede “eine Vision für die Zukunft Bayerns und ein Bild von Bayern zeichnen, das mit Selbstbewusstsein und Tatkraft seine Zukunft in die eigene Hand nimmt“, rührt Generalsekretär Dobrindt die Werbetrommel. “Bayern ist eben einfach ein Vorbild für Deutschland.“

Inhaltlich bewegen sich die Aschermittwochs-Kundgebungen seit den Zeiten von Franz Josef Strauß in vorhersehbar rustikalen Bahnen - das Ende des Faschings war noch nie ein Forum für die Anhänger schöngeistiger Feinrhetorik. “Eine echte Frischzellenkur für die konservative Seele“, nennt CSU-Generalsekretär Dobrindt die Kundgebung. So wird auch die neu entbrannte Islamdebatte eine Rolle spielen: “Zu den konservativen Themen gehört natürlich, dass wir eine christlich-abendländische Leitkultur in Deutschland haben und dass der Islam kein Teil der deutschen Leitkultur ist“, sagt Dobrindt.

dpa

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