CSU: Massive Kritik an Seehofers Führungsstil

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Interims-Bundesoräsident Horst Seehofer bekommt Gegenwind aus der eigenen Partei.

München - Als Interims-Bundespräsident muss sich Horst Seehofer derzeit in Zurückhaltung und Diplomatie üben. Er will deshalb auf deftige Aschermittwochs-Attacken auf den politischen Gegner verzichten.

Der Zeitpunkt - zwischen der Übernahme der Amtsgeschäfte als Interims-Bundespräsident und dem Aschermittwoch in Passau - dürfte Horst Seehofer etwas ungelegen kommen. Doch nach dem Krach zwischen dem CSU-Chef und der CSU-Europagruppe vergangene Woche gibt es in der Partei teils massive Kritik an den Führungsqualitäten des Vorsitzenden. Ein führendes Vorstandsmitglied der Christsozialen warf Seehofer nun einen “höchst autokratischen, diktatorischen Führungsstil“ vor. Es sei “nur Show“, dass Seehofer die CSU als Mitmachpartei propagiere.

Der Hintergrund ist, dass die CSU-Europagruppe um ihren Chef Markus Ferber sich vergangene Woche gegen den Vorstoß Seehofers gestellt hatte, Volksabstimmungen auch in Sachen Euro-Rettung zu ermöglichen. Seehofer hatte Ferber daraufhin ungewöhnlich harsch in die Schranken gewiesen und gesagt: “Das bestimmt ganz gewiss nicht der Herr Ferber, wie der Kurs der Partei ist.“ Am Wochenende legte er im “Münchner Merkur“ nach: “Diese Befindlichkeiten bei Markus Ferber registrieren wir seit Jahren. Da ging es um die Frage, wer aufs Wahlplakat darf. Oder wer den Europa-Leitantrag für den Parteitag formuliert“, sagte Seehofer. Er wolle keinen Konflikt mit der Europagruppe, “aber ich kann jetzt nicht zwei Jahre über Befindlichkeiten diskutieren“.

“Dieser Ton im Umgang und dieses öffentliche Abwatschen ist kein Umgang“, hieß es dazu aus dem CSU-Vorstand. Diese “zu oft völlig ungebremste Emotionalität“ Seehofers könne zu einer Belastung werden. Der Parteichef müsse seine Emotionen in den Griff bekommen und dürfe nach sachlicher Kritik nicht umgehend ins Persönliche abgleiten.

Mehrere CSU-Vorstandsmitglieder berichten, dass Seehofer den Kurs der Christsozialen eigenmächtig vorgeben wolle. “Er macht im Grunde, was er will - und wir haben dann zu folgen“, hieß es.

Bereits unmittelbar nach Ausbruch des Euro-Krachs vergangene Woche hatte ein CSU-Vorstand kritisiert, dass Seehofer eine Mitmachpartei propagiere, das dann aber nicht praktiziere: “Es kann aber nicht sein, dass jemand abgestraft wird, nur weil er seine Meinung sagt.“

Andere CSU-Politiker nahmen Seehofer allerdings in Schutz. Der Parteivorsitzende müsse eben nun mal führen. “Und das heißt dann nicht nur Kuschelkurs“, betonte ein CSU-Landtagsabgeordneter.

Neu ist Seehofers Art und Weise, wie er politische Initiativen publikumswirksam vermarktet, ohnehin nicht. “Mit provokanten Thesen vorpreschen und die Stimmung in der Wählerschaft testen - niemand kostet das lustvoller aus als Seehofer“, schrieb kürzlich die “Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Und weiter hieß es: “Er wirft die Bälle selbst, apportiert sie selbst und applaudiert sich selbst.“

dpa

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