Proteste gehen weiter

Demonstrationen in Ägypten: Mindestens ein Toter

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Demonstranten vor dem Präsidentenpalast in Kairo

Kairo - Nach einer blutigen Woche in Ägypten gehen die Proteste gegen die islamistische Regierung weiter. Die Demonstranten fordern, dass Präsident Mursi die Notstandsmaßnahmen beendet und abtritt.

Ägypten kommt nicht zur Ruhe. Bei neuen Protesten von Zehntausenden Ägyptern gegen die islamistische Regierung von Präsident Mohammed Mursi wurde am Freitagabend mindestens ein Mensch getötet. Etwa 80 Menschen wurden nach Angaben des Innenministeriums, die ägyptische Medien zitierten, bei Zusammenstößen von Polizei und Protestierenden verletzt. Demonstranten forderten unter anderem den Rücktritt Mursis, einen Sturz seines Regimes sowie ein Ende des ausgerufenen 30-tägigen Notstandes am Suez-Kanal. Die Wut von Demonstranten richtete sich auch gegen die islamistische Muslimbruderschaft, aus der Mursi stammt. Oppositionsführer hatten die Menschen aufgerufen, bei ihren Protesten friedlich zu bleiben.

Die Nachrichtensender Al-Dschasira und Al-Arabija berichteten von Auseinandersetzungen am Präsidentenpalast in Kairo. Der Amtssitz von Mohammed Mursi sei mit Brandsätzen und Feuerwerkskörpern angegriffen worden, hieß es. Im Garten des Palastes habe es kurzzeitig ein kleines Feuer gegeben. Die Sicherheitskräfte gingen mit Wasserwerfern und Tränengas gegen Hunderte Demonstranten vor. Die Demonstranten warfen die Tränengaskanister über die Mauer zurück in Mursis Garten. Al-Arabija berichtete zudem von Zusammenstößen von Aktivisten und der Polizei vor der britischen Botschaft in der Nähe des Tahrir-Platzes im Zentrum der Stadt.

In Kairo gab es zuvor Protestmärsche in der ganzen Stadt, die zum zentralen Tahrir-Platz oder zum Präsidentenpalast führten. Großdemonstrationen wurden trotz stürmischen Wetters auch in den Städten Alexandria, Port Said und der Industriestadt Mahalla al-Kubra veranstaltet.

In Alexandria forderten Tausende Aktivisten in der Innenstadt die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit, während ein Sturm die Proteste in Staubwolken versinken ließ. In Mahalla al-Kubra verlangten die Demonstranten, dass der derzeit geltende 30-tägige Notstand am Suez-Kanal aufgehoben wird. Selbst in Sagasig, dem Heimatbezirk des Präsidenten, gingen Hunderte wütende Demonstranten gegen die Muslimbruderschaft auf die Straße.

In Port Said, wo am vergangenen Wochenende Dutzende Menschen bei Krawallen gestorben sind, protestierten schon am Mittag Tausende Menschen. Bei strömendem Regen forderten sie den „Sturz des Regimes“ und Mursi zum Rückzug auf. „Wir wollen Port Said befreien“, riefen sie mit Blick auf die Ausnahmeregelungen, die der Präsident nach den tödlichen Ausschreitungen über ihre sowie zwei weitere Städte am Suez-Kanal verhängt hat.

Die Demonstranten gedachten zugleich der Opfer der Fußball-Katastrophe in der Stadt - vor genau einem Jahr am 1. Februar 2012. Damals hatten nach Abpfiff im Stadion Fans der Heimmannschaft Al-Masri das Spielfeld gestürmt und waren mit Brechstangen, Messern und Schusswaffen auf die Unterstützer des rivalisierenden Al-Ahli-Klubs losgegangen. 74 Menschen starben. Ein Richterspruch mit 21 Todesstrafen gegen Fans aus Port Said war wiederum der Anlass für die jüngsten tödlichen Ausschreitungen.

Das Gesundheitsministerium gab derweil weitere Zahlen über die Opfer bekannt. Demnach sind seit dem zweiten Jahrestag der Revolution, am Freitag vor einer Woche, rund 60 Menschen bei Krawallen ums Leben gekommen.

dpa

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