Und raus bist du!

CSU-Eklat in München: Partei-Vize Wittmann demontiert

Bitterer Moment: Mechthilde Wittmann flog aus dem CSU-Vorstand.

München - Der Machtkampf in der Münchner CSU eskaliert: Der Parteitag wirft die Landtagsabgeordnete Mechthilde Wittmann krachend aus dem Vorstand.

Eine Dreiviertelstunde lang schwärmt Ministerpräsident Horst Seehofer im Hofbräukeller in den höchsten Tönen von der Münchner CSU. Die „stärkste politische Kraft“ in der Stadt sei sie, eine moderne Großstadtpartei. Bezirkschef Ludwig Spaenle einer der „Leistungsträger“ im Kabinett. Eine nett verpackte Warnung hat Polit-Profi Seehofer für die Delegierten dann aber doch auch im Gepäck. „Wenn es um die Außendarstellung der politischen Familie geht, ist Geschlossenheit wichtig.“ Die CSU könne sich nur selbst im Weg stehen. Im Saal wissen da schon viele, dass sich die CSU an diesem Abend selbst im Weg stehen wird. Der Kampf um Macht zwischen den starken Männern an der Spitze der Münchner CSU und der Landtagsabgeordneten Mechthilde Wittmann wird eskalieren.

Und das tut er auch. Nicht offen. Parteichef Ludwig Spaenle spricht ihren Namen nicht einmal aus. Aber Wittmann wird dermaßen krachend abgewählt, dass altgediente CSUler überlegen müssen, wann sie so ein Ergebnis schonmal erlebt haben - und dann feststellen, dass es das überhaupt noch nie gegeben hat.

Spaenle selbst wird als Münchner CSU-Chef bestätigt. Sein Ergebnis von 86 Prozent bleibt hinter dem von vor zwei Jahren zurück, als der Kultusminister noch 91,4 Prozent eingefahren hatte - und das auf dem Höhepunkt der Verwandtenaffäre. Als Stellvertreter wiedergewählt werden Staatssekretär Georg Eisenreich (76,5 Prozent) und Bürgermeister Josef Schmid (86 Prozent). Beide Spaenle-Vertraute, beides ebenfalls magere Ergebnisse. Lediglich Friederike Steinberger bescheren die Delegierten einen achtbaren Erfolg (92 Prozent).

Dann geht es um die spannendste Entscheidung des Abends, den vierten Stellvertreterposten, den die Landtagsabgeordnete Mechthilde Wittmann besetzt. Spaenle hatte sich geweigert, sie vorzuschlagen - anders als bei den anderen Stellvertreter-Posten. Der Landtagsabgeordnete Joachim Unterländer aus Wittmanns Kreisverband schlägt sie vor. Als Wahlleiter Hans Podiuk das Ergebnis verliest, geht ein Raunen durch den Saal: 42 Prozent für Wittmann - eine schallende Ohrfeige für Wittmann, die keine Miene verzieht und den ganzen Abend über wie angewurzelt an ihrem Tisch sitzen bleibt. Es wirkt, als wollte sie keinem ihrer Gegner in die Arme laufen. Und Gegner hat Wittmann in der CSU inzwischen viele.

In Parteikreisen war man schon Tage vor der Sitzung von eben diesem Verlauf ausgegangen: einem katastrophalen Ergebnis für Wittmann, aber auch verhältnismäßig geringer Zustimmung für Spanele und Schmid. Wittmann selbst war vorbereitet auf den Ausgang der Wahl. „Delegierte haben mich darauf hingewiesen, dass die Wahl so ausgehen wird. Das ist alles gezielt eingefädelt worden“, sagt sie im Gespräch mit de Münchner Merkur. „In einigen Ortsverbänden wurde offen gegen mich gearbeitet. Aber ich nehme das sportlich. Mal ist man oben, mal unten.“

Als Strippenzieher bei der Abwahl Wittmanns werden CSU-intern Georg Eisenreich und Josef Schmid genannt, auch Spaenle soll sich von Wittmann distanziert haben, obwohl beide lange ein freundschaftliches Verhältnis gepflegt haben. Der Kultusminister verdächtigt Wittmann, Insider-Informationen über die Stimmmanipulationen in den Kreisverbänden an die Presse durchgestochen zu haben - und auch falsche Geschichten, um Konkurrenten zu schaden.

Auf den Wahlabend angesprochen, sagt Spaenle am Tag danach: „Ich bin mit dem Parteitag zufrieden. Das Wahlergebnis von Frau Wittmann spricht für sich. Das war die Entscheidung des Parteitags.“ Über Ursachen des Zerwürfnisses zwischen der mächtigen Herrenriege auf der einen und Mechthilde Wittmann auf der anderen Seite will sich niemand aus der CSU offiziell äußern.

auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Altbundespräsident Roman Herzog gestorben
Altbundespräsident Roman Herzog gestorben
Trump liebt Deutschland - und warnt BMW
Trump liebt Deutschland - und warnt BMW
Von der Leyen organisiert Sex-Seminar bei der Bundeswehr
Von der Leyen organisiert Sex-Seminar bei der Bundeswehr
Verfassungsgericht hat entschieden: NPD wird nicht verboten
Verfassungsgericht hat entschieden: NPD wird nicht verboten

Kommentare