Wie Deutsche von Asylbewerbern profitieren

Das lukrative Geschäft mit Flüchtlingen

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Kommunen beklagen Milliardenkosten durch die steigende Zahl an Asylbewerbern. Private Anbieter wittern

München - Länder und Kommunen beklagen Milliardenkosten durch die rasant steigende Zahl an Asylbewerbern. Doch es gibt auch Profiteure in Deutschland, die Geld mit den Hilfesuchenden verdienen - viel Geld.

Täglich erreichen Flüchtlinge Deutschland. Sie suchen Schutz und träumen von einem besseren Leben. Mit der steigenden Zahl an Asylbewerbern in Deutschland steigen auch die Kosten für deren Unterbringung, Versorgung und Verwaltung. Allerdings steigt auch die Anzahl derjenigen die von der Flüchtlingsproblematik profitieren: Sie verdienen Geld mit Asylbewerbern.

Geld verdienen mit Flüchtlingen

Ein lukratives Geschäftsfeld ist die Unterbringung von Asylbewerbern. Viele Städte und Kommunen haben schlicht nicht mehr Kapazitäten um alle Flüchtlinge aufzunehmen. Die Lösung: Staatlich bezahlte Unterkünfte in Hotels und Pensionen.

179.037 Asylanträge zählte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, kurz BAMF, in den ersten sechs Monaten des Jahres 2015. Eine Zunahme von 132,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Demnach müssen mehr als doppelt so viele Asylbewerber wie im Vergleichszeitraum versorgt und untergebracht werden. Davon profitieren vor allem Hotels und Pensionen, die mäßig gebucht sind. Sie erfreuen sich an der neuen Geldquelle. Denn die Flüchtlinge bleiben nicht nur über Nacht, die Zimmer werden von Städten und Kommunen für längere Zeiträume gebucht.

Damit werden die Asylbewerber bei privaten Anbietern untergebracht, bei denen überspitzt formuliert nur wenige sonst übernachten wollen. Meist liegen die Unterkünfte außerhalb der Stadt oder in Regionen, in denen Ämter, öffentliche Verkehrsmittel oder Arbeit kaum vorhanden sind.

Einen fixen Festpreis gibt es dabei nicht. Die Tagespauschale ist Verhandlungssache. Daher ist unklar, wie viel Geld staatliche Institutionen für private Unterkünfte ausgeben. Doch es könnte eine beträchtliche Menge sein. Aufschluss hierüber gibt die Forderung nach finanzieller Unterstützung der Länder an den Bund: 5,6 Milliarden Euro fordern sie für die Versorgung der vom Bund geschätzten 450.000 Asylbewerber im Jahr 2015. 

Ein Gutteil des Geldes wenden Länder und Kommunen für die Unterbringungskosten von Asylbewerbern auf. Ein Umstand, der private Investoren anlockt, die in Zeiten von niedrigen Zinsen ein lukratives Geschäft wittern. Da der Bau von staatlichen Flüchtlingsunterkünften unter anderem durch öffentliche Ausschreibungen, Baugenehmigungen und Bauzeit sich oftmals langwierig gestalten kann, sind private Anbieter eine schnelle Alternative. Sie vermieten leerstehende Zimmer und Gebäude oder bauen mit Geld zu günstigen Konditionen neue Unterkünfte.

Private Unternehmen betreuen tausende Flüchtlinge

So profitieren nicht nur Hotels und Pensionen von einer dauerhaften Auslastung offener Kapazitäten, sondern auch Großinvestoren. Sie vermieten Unterkünfte für Tausende von Asylbewerbern. Der nach eigenen Angaben größte Betreiber von privaten Flüchtlingsheimen in Deutschland ist das mittelständisches Familienunternehmen European Homecare.

European Homecare: "Wir sind der Aldi in diesem Markt“

Der Anbieter macht mit der Masse an Flüchtlingen Geld. Laut der "FAZ" betreut das Unternehmen 90 Flüchtlingsheime mit 15.000 Asylbewerbern und verdient damit angeblich pro Flüchtling elf Euro am Tag. Das Geld kommt vom Staat, der sich fast immer für den günstigsten Anbieter entscheidet.

„Wir sind der Aldi in diesem Markt“, vergleicht ein Sprecher von European Homecare das Geschäftsmodell mit dem Discounter. Der Mensch als Ware, dessen Rendite mit zunehmender Anzahl steigt.

Mit Sicherheit Geld verdienen

Geldverdienen lässt sich aber auch mit den Verpflichtungen, die bei der Unterbringung von Asylbewerbern anfallen. So müssen Flüchtlingsheime von privaten Sicherheitsfirmen bewacht, von privaten Subunternehmen gewartet und verwaltet werden. Es ergibt sich eine Vielzahl an unternehmerischen Möglichkeiten, mit der Not anderer Geld zu verdienen.

Dabei stehen vor allem private Sicherheitsdienste in der Kritik. Immer wieder gibt es Bericht über Übergriffe von Wachleuten auf Flüchtlinge, wie im vergangenen Oktober in der Bayernkaserne.

Aber auch mit Hygieneartikeln, der Reinigung der Sanitären Einrichtungen und der medizinischen Versorgung der Asylbewerber lässt sich Geld verdienen.

Private Anbieter: eine notwendiges Übel?

Natürlich kann man die Frage stellen, ob es moralisch verwerflich ist, dass sich private Akteure an der Flüchtlingswelle bereichern. Tatsache ist aber, das der Staat den massiven Zustrom ohne die privaten Betreiber überhaupt nicht bewältigen kann.

FG

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