Doku spürt ihn in Kenia auf

Obamas Halbbruder im Slum: Das hält er vom Präsidenten

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Auf einer Parkbank in einem Slum in Nairobi (Kenia) befragt D'Souza (links) George Obama nach dessen Verhältnis zu seinem Bruder, dem US-Präsidenten Barack Obama.

Nairobi - Eine Doku hat den Halbbruder von US-Präsident Barack Obama in einem afrikanischen Slum aufgespürt. Vor der Kamera verrät George Obama, was er von Barack hält. Dann äußert er eine ziemlich kontroverse Meinung.

Ganz Amerika diskutiert derzeit über diese Doku: In "2016: Obama's America" zeichnet der konservative Intellektuelle Dinesh D'Souza ein kritisches Bild des amtierenden US-Präsidenten. D'Souzas Film wurde vom oscarprämierten Produzenten Gerald Robert Molen ("Schindlers Liste") finanziert. Auf dem Filmposter ist neben dem Porträt des Mannes im Weißen Haus dieser Werbeslogan zu lesen: "Egal ob Sie ihn lieben oder hassen: Sie kennen ihn nicht!"

Seine filmische Spurensuche in Barack Obamas Vergangenheit führt Dinesh D'Souza auch in einen Slum in der kenianischen Hauptstadt Nairobi. "In einem Haus, das aussieht, als ob es aus dem Film Slumdog Millionaire stammt" (Zitat D'Souza), findet er George Obama den Halbbruder des Präsidenten.

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Auf einer Parkbank befragt D'Souza George Obama nach dessen Verhältnis zum US-Präsidenten."

D'Souza: "Während des Wahlkampfs 2008 haben einige Zeitungsartikel und TV-Sendungen über sie berichtet. In manchen Artikeln wurde die Meinung vertreten, dass Obama nichts getan habe, um Ihnen zu helfen. Stimmt das?"  

Obama: "Ich denke, er hat seine eigene Familie. Er sollte seiner eigenen Familie helfen."

D'Souza: "Richtig. Aber denken Sie nicht, dass Sie auch ein Teil seiner Familie sind?"

Obama: "Ja, aber ich bin da schon rausgewachsen. Ich kann mir selbst helfen."

D'Souza: "Vor kurzem hat sich Präsident Obama in einer Rede auf die Bibelgeschichte von Kain und Abel berufen und jeden Amerikaner aufgefordert, 'seines Bruders Hüter' zu sein. Jetzt stelle ich fest, dass sie sein Bruder sind. Ist er auch ihr Hüter gewesen?"

Obama "Gehen Sie zu ihm und fragen Sie ihn. Der ist mit anderen Angelegenheiten beschäftigt."

D'Souza:"Okay, dann kümmert er sich um die Welt. Aber sollte man da nicht besser erst zu Hause anfangen?"

Obama: "Ach, er kümmert sich um die ganze Welt. Und somit kümmert er sich ja auch um mich. Ich bin ja ein Teil dieser Welt."

D'Souza:"Also Sie meinen, wenn er zum Beispiel die globale Erwärmung bekämpft, dann hilft das auch Ihnen?"

Obama: "Ja."

D'Souza: "Denn dann gibt es weniger Kohlendioxid in der Welt und Sie können auch besser atmen?"

Obama :"Ja."

D'Souza "Also meinen Sie, dass er Ihnen gar keine direkte Hilfe zukommen lassen muss."

Obama: "Nein."

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"2016: Obama's America" beleuchtet Obamas Laufbahn vor den Präsidentschaftswahlen 2008 und will aufzeigen, inwieweit seine frühere Vergangenheit, eine zweite Amtszeit des US-Präsidenten beeinflussen würde.

Im Gegensatz zu radikalen Republikanern, die der Tea-Party-Bewegung nahestehen, hält der gebürtige Inder D'Souza, der unter Präsident Ronald Reagan selbst im Weißen Haus gearbeitet hat und derzeit Präsident des elitären King's College in New York ist, Obama keineswegs für einen Kommunisten oder Sozialisten.

Vielmehr vertritt D'Souza die These, dass Obama von den antikolonialistischen Ideen seines kenianischen Vaters beeinflusst wurde - was er nicht zuletzt daran festmacht, dass der Präsident seine Erinnerungen ausgerechnet "Dreams From My Father" (deutsch: "Träume, die ich von meinem Vater habe") nannte.

Heißt konkret: Obama gehe davon aus, dass die großen westlichen Nationen die Dritte Welt ausplündern und die USA von korrupten Finanz- und Industrie-Eliten geleitet werden. Deswegen gängele Obama die Industrie im eigenen Land und vernachlässige die Zusammenarbeit mit den westlichen Großmächten.

Filmmacher Dinesh D'Souza dürfte es freuen, dass er ausgerechnet Barack Obamas Halbbruder Aussagen entlockt, die dem vermeintlichen Weltbild seines Bruders absolut widersprechen. So meint George Obama, dass Kenias Armut und Unterentwicklung keineswegs von dessen kolonialer Vergangenheit komme. Südafrika und Südkorea seien doch auch ehemalige Kolonialreiche, betont er. Trotzdem gehe es ihnen heute viel besser als Kenia.

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Dann hört der Zuschauer noch ein ziemlich ungewöhnliches Zitat des Präsidenten-Halbbruders: "Schauen Sie sich Südafrika an. Die wurden noch bis in die 90er-Jahre von den Weißen regiert. Und schauen Sie sich an, wo die heute stehen. Südafrika ist praktisch ein Staat der Ersten Welt. Wem geht es also besser? Uns, die wir die Briten aus dem Land gejagt haben? Oder den Südafrikanern? Wenn wir die Weißen länger im Land gelassen hätten, dann würden wir heute vielleicht auch da stehen, wo Südafrika längst ist."

Seit Ende Juli wird "2016: Obama's America" in den US-Kinos gezeigt. Der Film könnte ein großer finanzieller Erfolg werden. Bei ersten Aufführungen an einem einzigen Wochenende Mitte Juli in ausgewählten Kinos in Texas spielte die Doku 31.750 Dollar ein - und landete damit knapp hinter Blockbuster-Filmen wie "Ice Age 4" und "The Amazing Spider-Man".

Natürlich ist es Berechnung, dass "2016: Obama's America" ausgerechnet in der heißen Phase des US-Wahlkampfes in die Kinos kommt. Trotzdem ist es für viele Kenner der Filmindustrie eine Riesen-Überraschung, dass ausgerechnet eine Politik-Doku derart viele Zuschauer anzieht.

fro

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