Dritte Startbahn: Seehofer setzt auf Dialog

Berlin/München - Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) setzt in der Debatte um den Ausbau des Münchner Flughafens auf Dialog. Eine Alternative sehe er aber nicht.

Aus Protest gegen den geplanten Ausbau des Münchner Flughafens ist der CSU-Ortsverband Berglern mitsamt Bürgermeister und Vorstand aus der Partei ausgetreten. “Ich habe die Hoffnung aufgegeben, innerhalb der Partei etwas bewegen zu können, deshalb bin ich ausgetreten“ sagte Bürgermeister Herbert Knur am Samstag der Nachrichtenagentur dpa. Der Vorstand und ein Großteil des Ortsverbands seien ihm in dieser Entscheidung gefolgt.

Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Horst Seehofer verteidigte im Sommerinterview des “ARD-Berichtes aus Berlin“ die Entscheidung zum Bau der dritten Bahn. Eine Alternative zur dritten Start- und Landebahn sehe er nicht: “Wir wollen sie, weil Bayern nicht irgendeine Provinz ist, sondern wir sind eine der wirtschaftsstärksten Regionen in Deutschland“, sagte er und betonte, er wolle den Dialog mit den Anwohnern suchen. “Wir wollen den Dialog mit der Bevölkerung darüber. Ich habe sie eingeladen. Zunächst ist das abgelehnt worden, aber wir werden ins Gespräch kommen.“

Die Gemeinde Berglern mit rund 1300 Einwohnern liegt in der Nähe des Flughafens im Münchner Norden und wäre damit von der geplanten dritten Startbahn besonders betroffen. Wie mehrere Medien berichteten, hatte Seehofer Knur ein Gespräch vor der Entscheidung über den Bau der dritten Startbahn zugesichert. Dieses Treffen habe jedoch nie stattgefunden, die Entscheidung sei ohne Rücksprache gefällt worden. Bürgermeister Knur rechnet nicht mit einer Reaktion von Seehofer auf diesen Protest. “Wer sich so verhält, den interessiert das überhaupt nicht.“

Der CSU-Ortsverband Berglern wurde im Jahr 1955 gegründet hatte nach Angaben des ebenfalls zurückgetretenen Vorsitzenden Georg Wagner zuletzt rund 40 Mitglieder. Nach dem Rücktritt des Vorstandes erhalte er nun aber eine Kündigung nach der anderen. “Wenn ich gleich zum Briefkasten gehe, liegt vielleicht wieder eine darin“, sagte er am Sonntag der dpa. Er geht deshalb davon aus, dass sich der Verband in den nächsten Wochen auflöst.

Bürgermeister Kur plant nun gegen den geplanten Ausbau des Flughafens weitere Schritte: “Wir werden uns nicht abspeisen lassen“, sagte er. Sein Ort werde gegen den Bau klagen, außerdem seien Aktionen mit den Bürgern geplant. “Ich lasse mich doch nicht verarschen, ich bin doch auch nicht irgendeiner“, sagte er dem “Münchner Merkur“ (Samstag).

dpa

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