Renitenter Abgeordneter: tz-Interview

"Eine Geliebte würde toleriert"

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Eberhard Rotter

München - Ein CSU-Abgeordneter zeigt sich ganz besonders stur gegenüber Horst Seehofers Aufforderung, die als Mitarbeiterin angestellte Ehefrau zu entlassen. Die tz sprach mit ihm.

Der Lindauer Eberhard Rotter will so lange wie möglich seine Frau Elisabeth weiter als Angestellte behalten, die sein Stimmkreisbüro in Lindau seit November 1990 leitet. Die tz sprach mit dem renitenten Abgeordneten.

Die Kritik an der Beschäftigung von Ehefrauen als Abgeordneten-Mitarbeiter ist massiv. Sie sehen trotzdem nicht ein, dass Sie Ihre Frau jetzt entlassen sollen. Warum?

Eberhard Rotter: Diese Beschäftigung ist legal und legitim. Meine Frau macht seit 23 Jahren sehr gute Arbeit in meinem Büro. Sie hat einen 25-Stunden-Arbeitsvertrag, arbeitet in Wahrheit aber viel mehr, sogar an den Wochenenden. Sie hat eine Top-Position im Weltbildverlag als Chefsekretärin aufgegeben, um für mich zu arbeiten – da hat sie sogar Gehaltseinbußen in Kauf genommen.

Werden Sie jetzt Ihre Frau entlassen?

Rotter: Ich warte jetzt erst einmal ab, was die gesetzliche Neuregelung bringt. In jedem Fall hat meine Frau eine gesetzliche Kündigungsfrist, nach 23 Jahren sind das mindestens sechs Monate. Das einzuhalten, bin ich meiner Arbeitnehmerin schuldig – ob Ehefrau oder nicht.

Verstehen Sie die massive Kritik der Öffentlichkeit?

Rotter: Nein, die Pauschalkritik geht überhaupt nicht auf den Einzelfall ein. Dabei wird viel zu wenig auf die Kompetenz der Mitarbeiter abgehoben. Im übrigen: Wäre meine Frau nur meine Geliebte, wäre alles in Ordnung. So etwas wird bei uns toleriert.

Haben Sie das alles Horst Seehofer auch schon gesagt?

Rotter: Nein, wir haben noch nicht darüber gesprochen. Ich würde es aber Horst Seehofer ganz genau so erklären wie jetzt Ihnen.

Interview: Klaus Rimpel

 

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