Umstrittenes Marketing

Edeka und Smoothie-Hersteller True Fruits geraten wegen AfD-Flaschen aneinander

Während des Bundestagswahlkampfs liefern sich Edeka und True Fruits einen Schlagabtausch. Der Safthersteller will Flaschen mit AfD-Aufdruck in die Läden bringen.

Frankfurt – Inmitten des Bundestagswahlkampfs sorgen Smoothie-Flaschen für Aufregung in der politischen Diskussion und im Einzelhandel. Der Grund: Edeka, Deutschlands größter Lebensmittelhändler, will Aktionsflaschen des Herstellers True Fruits mit Aufdrucken der rechtspopulistischen Partei AfD* nicht in seinen Supermärkten sehen.

True Fruits hatte anlässlich der Bundestagswahl 2021* eine Sonderedition seiner Smoothies auf den Markt gebracht, die groß mit den Namen der Parteien CDU*, SPD*, Grünen*, FDP*, Linke* oder AfD sowie Auszügen aus dem jeweiligen Parteiprogramm etikettiert waren. Nicht alle vermeintlichen Forderungen, die auf der Rückseite der Flaschen stehen, stammen tatsächlich von den jeweiligen Parteien. Manche hat sich das Unternehmen nur ausgedacht. Um herauszufinden, was wahr und was falsch ist, müssen Kund:innen auf die Webseite des Herstellers gehen – dieser bezeichnet die Aktion als „true-oder-false-Spielchen“.

Edeka gegen True Fruits: AfD-Flaschen sorgen inmitten des Bundestagswahlkampfs für Ärger

Dass auf den Flaschen auch die AfD vertreten ist, kam bei Edeka allerdings nicht gut an. Auf Facebook postete der Lebensmittelriese ein Foto von der AfD-Flasche und dazu den Spruch „Rechts ist bei uns kein Platz im Regal.“ In einer Erklärung ergänzte das Unternehmen: „Der Edeka-Verbund steht für Vielfalt, Toleranz und die Förderung einer offenen Gesellschaft. Edeka hat die ‚AfD-Flaschen‘ von True Fruits nicht bestellt und wird sie an den Hersteller zurücksenden.“

Der Smoothie-Hersteller ließ das allerdings nicht auf sich sitzen. „Liebe Edeka, ja, wir finden die AfD auch scheiße. Aber Aufklärung ist wichtiger als peinliches Social Signaling, wie ihr es hier versucht“, postete True Fruits auf Instagram. Deshalb habe das Unternehmen bewusst alle sechs großen Parteien des Deutschen Bundestages dargestellt.

Edeka verbannt AfD-Flaschen des Smoothie-Herstellers True Fruits. (Symbolbild)

Edeka will AfD-Flaschen von True Fruits nicht haben: Gemischtes Echo im Netz

True Fruits warf Edeka vor, polemisch zu sein und stellte die Intention des Flaschenrauswurfs infrage. „Ein Schelm, wer bei eurer Aktion an Populismus denkt! Wir hoffen, dass euer unüberlegter Angriff jetzt wenigstens dazu führt, dass möglichst viele Leute sich mit den Parteien auseinandersetzen und eine überlegte Wahl treffen“, schrieb das Unternehmen.

In den sozialen Medien stieß das Vorgehen beider Seiten auf ein gemischtes Echo. Edeka bekam für sein Agieren sowohl Zuspruch („Daumen hoch für diese Aktion“), als auch Kritik („Sorry Edeka, das ist undemokratisch“). Doch auch True Fruits bekam sowohl Unterstützung („Bitte nicht einknicken True Fruits“), als auch Schelte („Mich habt ihr als Kunden verloren.“).

Für seine polarisierende Werbung ist True Fruits* bekannt. Zwar gibt es oftmals negative Berichterstattung nach den Marketingaktionen, das Unternehmen scheint damit aber zu spielen. Ganz nach dem Motto „Auch negative Werbung ist Werbung“.

True Fruits macht nicht nur Werbung mit der AfD

2015 wurden gegen True Fruits Sexismusvorwürfe laut, weil sich auf einer Flasche folgender Aufdruck befand: „Hast du schon mal einer hässlichen Freundin, die aber totaaal lieb ist, ein Date besorgt? So fühlen wir uns gerade mit dem white, unserem wohl leckersten Smoothie, der aufgrund seiner blassen und unfruchtigen Optik leider viel zu selten in den Genuss eines knisternden Rendezvous mit dir kommt. Was blieb uns also anderes übrig, als das Licht auszuknipsen, damit du dich einzig und alleine auf seine inneren Werte konzentrieren kannst?“

Weitere Werbebotschaften des Smoothie-Herstellers waren unter anderem: „Unser Quotenschwarzer“, „Schafft es nur selten über die Grenze“ oder „Noch mehr Flaschen aus dem Ausland“. (tvd/dpa) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Michael Gstettenbauer/Imago

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