Wer ist wie beteiligt?

Edward Snowden: Die tz erklärt den Krimi

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München - Der Spionage-Krimi um den amerikanischen Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden hält seit Wochen die Welt in Atem. Die tz stellt die Mitwirkenden vor.

Täglich hat die Serie um Edward Snowden, deren Handlung an den Thriller Staatsfeind Nr. 1 erinnert, neue Überraschungen bereit: Die Amerikaner – und auch die Briten – zapfen sämtliche Kommunikationskanäle in Europa im großen Stil an! Während die britische Zeitung Guardian und der Spiegel sukzessive die Aspekte des streng geheimen NSA-Spitzelprogramms veröffentlichen, ist der junge Informant auf der Flucht. Er fürchtet um sein Leben. Seit Tagen weiß man nicht, ob er sich noch im Transitbereich des Moskauer Flughafens aufhält – dorthin hatte er sich am 23. Juni von Hongkong aus abgesetzt. In 21 Ländern hat Snowden um Asyl gebeten, die meisten haben bereits abgelehnt, darunter auch Deutschland. Jüngste Episode des Thrillers: Das Flugzeug des bolivianischen Präsident Evo Morales wurde auf dem Heimweg von Moskau zu einer Zwischenlandung in Wien gezwungen, doch Snowden war nicht an Bord. Die tz stellt die bisherigen freiwilligen und unfreiwilligen Mitwirkenden des Thrillers vor.

Barbara Wimmer

Gejagter Snowden

Der Datennetzwerk-Spezialist hat seinen 30. Geburtstag auf dem Moskauer Flughafen „gefeiert“, ohne Freunde oder Familie und mit trüben Zukunftsaussichten. Er habe Europa einen Dienst erwiesen, das sagen anerkennend die Grünen in Brüssel und in Berlin, aber über seinen Asyl-Antrag durften sie ja nicht entscheiden. Wie Deutschland haben auch andere Länder bereits abgewunken. „Scheinheilig“ finden die Grünen Kanzlerin und Regierung. „Man gibt sich empört, unternimmt aber nichts.“

Die Schweigende: Angela Merkel

Die Kanzlerin hätte im Krimi eine Hauptrolle – wird doch ihr Land ausgespäht wie kaum ein anderes und gilt sogar als „Angriffsziel“. Trotzdem schweigt Angela Merkel. Kein Wort über den Informanten, dem die Erkenntnisse zu verdanken sind. Das Aushorchprogramm ließ Merkel aber kritisieren: „Freunde auszuspionieren, das geht gar nicht.“ Das kühle Nein zu Snowdens Asylantrag empört Grünen-MdB Ströbele. Die Bundesregierung müsse Snowden nicht nur Asyl, sondern möglicherweise sogar Zeugenschutz anbieten.

Der Jäger: Barack Obama

Für den US-Präsidenten ist Snowden ein Spion und ein Dieb, der Regierungseigentum weitergegeben hat. Es gibt einen internationalen Haftbefehl gegen den flüchtigen Computerexperten, sein Reisepass wurde annulliert, seine Auslieferung beantragt. Schon vor einer Woche stellte Obama aber klar, er werde keine Kampfjets schicken, um „einen 29-jährigen Hacker abzufangen“. Die spektakulären NSA-Enthüllungen des Informanten, über die ganz Europa entrüstet ist, kommentierte er nur knapp. Man werde die Angelegenheit prüfen.

Hardliner Friedrich

Ein Asylantrag hat nach deutschem Recht bei einem Aufenthaltsortes des Antragstellers außerhalb Deutschlands nur dann Aussicht auf Erfolg, „wenn dies aus völkerrechtlichen oder dringenden humanitären Gründen oder zur Wahrung der politischen Interessen der Bundesrepublik Deutschland erforderlich erscheint“. Dies ist im Fall von „Herrn Snowden“ laut Hardliner Innenminister Hans-Peter Friedrich nicht der Fall. Das findet übrigens auch die SPD.

Fragwürdiger Correa

Julian Assange, der unter dem Schutz der Ecuadorianer lebt, hat seinen Helfer Rafael Correa, den Präsidenten des Landes, ins Spiel gebracht. Man prüfe den Asylantrag Snowdens, tönte der Regierungschef, der zuhause wenig demokratisch regiert. Snowden bekam ein Reisepapier aus Ecuador, das ihm die Flucht aus Hongkong erlaubte. Dem Druck der USA hielt Correa zunächst stand, er nahm höhere Zölle in Kauf. Inzwischen ist aber sein Eifer, dem US-Informanten zu helfen, erheblich abgekühlt.

„Beschützer“ Putin

Der russische Präsident Wladimir Putin räumt schnell ein, dass sich der Gesuchte im Transitbereich des Moskauer Flughafens Scheremetjewo aufhält, weist aber darauf hin, dass das ja strenggenommen nicht russisches Staatsgebiet sei. Eine Auslieferung des inzwischen staatenlosen Snowden an die USA werde nicht stattfinden. Stattdessen bietet Putin ihm nach einigen Tagen Asyl an. Die Auflagen des Präsidenten, er dürfe den USA durch weitere Enthüllungen nicht noch mehr Schaden zufügen, lehnt Snowden ab. Welche Gespräche er mit Putins Leuten geführt hat, weiß man nicht.

Entführt: Morales

Der bolivianische Präsident Evo Morales, der in Moskau eine Konferenz besucht hatte und nun mit seiner Regierungsmaschine heimfliegen wollte, musste in Wien zwischenlanden. Der völlig unbeteiligte Politiker sieht sich als Entführungsopfer an: Mehrere europäische Staaten hatten dem Präsidenten die Überflugrechte verweigert – offenbar wurde vermutet, Snowden befinde sich an Bord. Nach 12-stündigem Aufenthalt im VIP-Bereich des Airports durfte der empörte Präsident weiterreisen. Mit Snowden hat er nichts zu tun: „Ich kannte nicht mal seinen Namen.“

Helfer Julian Assange

Seit mehr als einem Jahr sitzt WikiLeaks-Gründer Julian Assange in der ecuadorianischen Botschaft in London fest. Die Affäre Snowden ermöglichte ihm ein Comeback in der Öffentlichkeit. Mit Hilfe seiner Freundin Sarah Harrison schaffte er es, den Amerikaner von Hongkong nach Moskau zu schaffen. Assange sieht sich als geistiger Bruder des Whistleblowers, und verhandelte mit dem dem Präsidenten von Ecuador über eine Aufnahme Snowdens in dem mittelamerikanischen Staat.

Vermittler Heinz Fischer

Österreichs Bundespräsident Heinz Fischer hatte am Mittwoch einen übrraschenden Termin: Er musste am Flughafen vermitteln. Bei einer Pressekonferenz mit Morales erklärte Fischer, alle Voraussetzungen für einen Weiterflug des bolivianischen Präsidenten seien erfüllt. Zuvor war Morales’ Flieger mit seiner Einwilligung durchsucht worden. Argentiniens Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner will eine Sondersitzung südamerikanischer Staaten und twitterte „Die sind definitiv alle verrückt“.

Spionageopfer Chinesen

Obwohl Hongkong ein Auslieferungsabkommen mit den USA hat – anders als China – floh Snowden im Mai in die autonome Sicherheitszone. Journalisten berichtete er dort von der NSA-Überwachung chinesischer und Hongkonger Server. Gerade noch war der chinesische Staatschef Xi Jinping von Obama wegen der Cyber-Spionage gemaßregelt worden – nun konnte er den Spieß umdrehen!

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