Sommerempfang: „Ein großes bayerisches Familienfest“

Fröhlich: Christine Haderthauer (r.) und Christa Kinshofer.

Schleißheim - Ein repräsentatives Schloss, festliche Roben, wichtige Menschen: Der Landtagsempfang in Schloss Schleißheim ist immer ein gesellschaftlicher Höhepunkt. Im Jahr 2012 sitzen hier Horst Seehofer und sein Konkurrent Christian Ude Tisch an Tisch.

Fangen wir mit der wichtigsten Nachricht an: Horst Seehofer mag viele Qualitäten haben, zum Trendsetter taugt er nicht. Im vergangenen Jahr erschien der Ministerpräsident im Schloss Schleißheim oben ohne. Naja, nicht ganz, aber zumindest ohne Krawatte. Jedenfalls tobte daraufhin tagelang eine Diskussion über Etikette durch den Münchner Blätterwald: Darf man das? Und vor allem: Darf der das? Ein Seehofer darf natürlich alles, aber er will gar nicht mehr.

Seltene Gäste: Christian Ude und Edith Welser-Ude.

Dienstagabend: Es tritt auf der Ministerpräsident nebst Gattin. Er trägt einen Trachtenjanker, der Kragen ist hochgestellt. Man schaut und schaut – ach: Da lugt doch tatsächlich ein schwarzer Knoten hervor, mit feinen roten Streifen. Am Vormittag habe sich das Kabinett mit der heiklen Frage befasst, vermeldet er sehr ernsthaft. Es erging der einstimmige Beschluss: Krawatte an. Nun ja, fast einstimmig: Seehofer selbst sagt, er habe als Hauptbetroffener nicht mitgestimmt, füge sich aber dem Diktat. „Die Bindungswirkung ist 24 Stunden. Darum binden wir heute alle.“

Stimmt. Der männliche Teil der gut 2000 Gäste in Schleißheim ist „oben mit“ erschienen. Landtagspräsidentin und Gastgeberin Barbara Stamm trägt natürlich keine Krawatte, dafür rot-braunes Kostüm. Sie hat in diesem Jahr nicht nur Politiker, Journalisten und Spitzenbeamte eingeladen, sondern viele „Helden des Alltags“ – Beschäftigte aus dem Alten-, Kranken- oder Behindertenbereich sowie der Hospiz. Auch etliche Ehrenamtliche wurden mit einer der äußerst begehrten Karten bedacht. „Heute Abend wollen wir Ihnen Dank sagen und großen Respekt zollen für das, was Sie Tag für Tag leisten“, sagt Stamm in ihrer denkbar kurzen Eröffnungsrede unter großem Beifall. Man feiere hier ein „großes bayerisches Familienfest“.

Bilder vom Sommerempfang des Bayerischen Landtags

Dann geht’s ans Buffet. Wildkräuterblütensalat mit hausgebeiztem Lammfilet, Tatar vom Sommergemüse mit Ziegenkäsepralinen und Dialog von Spanferkel und Entenleber. Dazu gibt es – weniger nahrhafte, dafür unterhaltsame – Dialoge von Landtagsabgeordneten und Staatsministern. Von Krankenpflegern und Schauspielern. Von Pressesprechern und Ministerialräten. Themen: der (nicht vorhandene) Sommer, die (wieder vorhandene) Krawatte und der überraschend vorhandene Christian Ude.

Jahrelang hatte der Münchner OB die Feierlichkeiten zu Schleißheim gemieden. Genau einmal war hier – da hieß der Ministerpräsident noch Edmund Stoiber. Jetzt sitzt Ude am SPD-Tisch mit Franz Maget und Markus Rinderspacher und freut sich über das stimmungsvolle Bild. Er fühle sich wie in eine „Zeitmaschine versetzt, um das höfische München noch mitzuerleben“. Da passt es, dass am nächsten Tisch Horst Seehofer und am übernächsten Fürstin Gloria von Thurn und Taxis sitzt. Generell ist die Promi-Dichte hoch: Günter Maria Halmer, Luise Kinseher, Charlotte Knobloch und Michael Ballhaus haben sich angesagt.

Es ist ein fürstliches Fest, das sich der Landtag vor allem deshalb leisten kann, weil viele Sponsoren die Bewirtung finanzieren. Der Wein zum Beispiel kommt aus Stamms Heimat Franken. Italienische Tropfen hätten auch nicht zu den Temperaturen gepasst. Immerhin: Es bleibt trocken, hinterm Schloss geht die Sonne unter, davor spielt die Big Band. Es ist ein ziemlich gutes bayerisches Familienfest.

Mike Schier

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