Elfenbeinküste: Gegner stürmen Gbagbos Residenz

Abidjan - Der Machtkampf in der Elfenbeinküste steht offenbar vor der Entscheidung: Anhänger des demokratisch gewählten Präsidenten Alassane Outtara stürmten am Mittwoch in Abidjan das Gelände, auf dem sich dessen Rivale Laurent Gbagbo verschanzt hielt.

Ziel sei es, Gbagbo gefangen zu nehmen, erklärte eine Sprecherin Outtaras.

“Im Moment haben sie Gbagbo noch nicht gefasst, aber das wird bald geschehen“, sagte die Sprecherin Affoussy Bamba telefonisch aus Abidjan dem französischen Fernsehsender France-24. Die Kämpfer seien auf das Gelände vorgedrungen. Gbagbo befand sich nach Angaben von Korrespondenten in einem Bunker in der Wirtschaftsmetropole Abidjan, eingekesselt von Truppen Ouattaras.

Gbagbo sagte unterdessen dem französischen Radiosender RFI in einem Interview, das am Mittwoch ausgestrahlt wurde, er habe die Wahl im vergangenen November gewonnen. Für ihn stelle sich die Frage nicht, das Präsidentenamt aufzugeben. “Wir sind nicht in einer Verhandlungsphase“, erklärte er.

Am Dienstag hatte Gbagbo einen Gesandten ausgeschickt, um mit ausländischen Botschaftern über Bedingungen für seinen Rücktritt zu verhandeln. Aus Diplomatenkreisen verlautete jedoch, Gbagbo habe damit offenbar nur Zeit gewinnen wollen.

Frankreich bestreitet Beteiligung

Sein Sprecher in Europa bemühte sich am Mittwoch, den Angriff auf Gbagbos Residenz in Abidjan als eine ausländische Intervention darzustellen. Er erklärte, französische Soldaten hätten das Haus Gbagbos gestürmt. Frankreich müsse zur Verantwortung gezogen werden, falls Gbagbo, dessen Ehefrau und Angehörige und andere im Inneren des Gebäudes zu Tode kommen sollten. Diese Gefahr bestehe.

Der französische Militärsprecher Thierry Burkhard wies die Angaben entschieden zurück. Frankreich sei an dem Angriff auf das Gelände nicht beteiligt gewesen. Diplomaten unterstützten diese Angaben.

Soldaten legen Waffen nieder

Angehörige Gbagbos eigener Miliz legen immer häufiger die Waffen nieder. Augenzeugen sagten, dass Soldaten aus seinen Einheiten in der Nacht zu Mittwoch in eine Kirche in Abidjan gegangen seien und dort Uniformen ausgezogen und die Gewehre abgelegt hätten. Nach Angaben der Vereinten Nationen haben drei ranghohe Generäle des abgewählten Präsidenten die eigenen Milizionäre aufgefordert, das Feuer einzustellen.

dapd

Rubriklistenbild: © Screenshot: merkurtz.tv

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