tz-Interview mit Emmi Zeulner (CSU)

In Guttenbergs Fußstapfen

+
Mit 26 Jahren in den Bundestag: Emmi Zeulner

München - Emmi Zeulner hat für die CSU in Karl-Theodor zu Guttenbergs Wahlkreis Kulmbach das Direktmandat für den Bundestag geholt. Die tz traf die 26-jährige Politikerin zum Interview.

Als Neuling im Bundestag bringt man sicherlich viel Elan mit. Wenn es nun zu der ungeliebten Großen Koalition kommt: Ernüchtert Sie dieses Zweckbündnis des möglichen Stillstands?

Emmi Zeulner, jüngste bayerische Bundestagsabgeordnete: Nein, und ich glaube nicht, dass es zu Stillstand kommt. Das wird auch keiner der Parteichefs zulassen, die jetzt die Koalitionsverhandlungen führen. Es war die Entscheidung der Wähler, und damit haben wir gut zu arbeiten. Als Politiker haben wir die Aufgabe, gute Politik für die Menschen in unserem Land zu machen.

Sie folgen in Ihrem Wahlkreis Karl-Theodor zu Guttenberg als Direktkandidatin nach. Befürchten Sie, dass seine Fußstapfen als ehemaliger Bundesminister zu groß sein könnten für Sie als Neuling?

Zeulner: Man kann das immer schwer vergleichen, weil wir ganz unterschiedliche Persönlichkeiten sind, andere Lebenswege haben und von anderen Menschen geprägt wurden. Was er zum Beispiel gut gemacht hat, war, dass er die Probleme und Nöte der Kommunalpolitiker angehört hat. Zum Beispiel hat er einmal im Jahr die ganzen Bürgermeister in seinem Wahlkreis besucht. Das nehme ich mit und möchte es auch so machen. Ich möchte mich auch weiterhin kommunalpolitisch engagieren, wie ich es seit 2008 mache. Auch, um zu sehen, wie sich Gesetze, die vom Bund gemacht werden, auf die kommunale Ebene auswirken.

Ihrem Vorgänger tat die Berliner Luft offenbar nicht gut, er wirkte für manche abgehoben. Sie gelten dagegen als sehr bodenständig. Wie wollen Sie sich vor dieser eigenen Welt des Berliner Politik­betriebs schützen?

Zeulner: Ich bin mir der Gefahr bewusst und weiß, dass man sehr gut aufpassen muss. Aber ich bin mir auch meiner starken CSU-Basis bewusst. Wenn da irgendwelche Tendenzen bei mir auftreten würden, dann würden mindestens zwölf Menschen aus meiner Partei aufstehen und mir sagen: Das passt so gar nicht! Die hätten dann keine Hemmungen, mich zurechtzurücken. Dafür bin ich Ihnen auch sehr dankbar.

Sie studieren ja noch VWL. Wie geht das mit Ihrer Abgeordnetentätigkeit zusammen?

Zeulner: Das Studium lasse ich ruhen. Ich wüsste nicht, wie ich das zeitlich hinbekommen sollte, um dem Amt noch gerecht zu werden.

Wo wollen Sie sich denn einbringen in den nächsten vier Jahren?

Zeulner: Ich sehe mich als gelernte Krankenschwester als Sprecherin für die Pflege. Deshalb möchte ich gerne in den Gesundheitsausschuss und mich dort unter anderem für weniger Dokumentationspflichten einsetzen, damit Ärzten und Pflegepersonal mehr Zeit für die Patienten bleibt. Im ländlichen Raum haben wir zudem einen immer stärker werdenden Ärztemangel, da brauchen wir auch neue, kluge Konzepte. Ich erhoffe mir da eine unkomplizierte Zusammenarbeit und Synergie-Effekte mit der neuen bayerischen Gesundheitsministerin Melanie Huml, die ja auch aus Oberfranken stammt, die ich sehr schätze und mit der ich auch schon im Wahlkampf eng zusammengearbeitet habe.

Eröffnungs-Sitzung des Bundestages: Porträts einiger "Frischlinge"

Eröffnungs-Sitzung des Bundestages: Porträts einiger "Frischlinge"

Interview: Marcel Görmann

Auch interessant

Meistgelesen

AfD-Politiker wünscht sich islamistische Anschläge in Deutschland
AfD-Politiker wünscht sich islamistische Anschläge in Deutschland
SPD-Parteizentrale evakuiert - Polizei gibt Entwarnung
SPD-Parteizentrale evakuiert - Polizei gibt Entwarnung
Serdar Somuncu gegen den IS: „Was muss das für ein elender Gott sein“
Serdar Somuncu gegen den IS: „Was muss das für ein elender Gott sein“
Hilfsorganisation: In Kabul getötete Deutsche war sehr erfahren
Hilfsorganisation: In Kabul getötete Deutsche war sehr erfahren

Kommentare