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Energiekrise: Welche Energieunternehmen die Gasumlage nutzen wollen

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Von: Moritz Serif, Constantin Hoppe, Jan Oeftger

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Die Energiekrise könnte zu einem regionalen Gasmangel kommen. Jedoch werde dieser nur temporär sein, wie Klaus Müller von der Bundesnetzagentur einschätzt.

+++ 20.45 Uhr: Eine Reihe weiterer Energieunternehmen haben ihre Teilnahme am System der Gasumlage beantragt. Die österreichische OMV, das Schweizer Energiehandelsunternehmen Axpo sowie Sefe, ehemals Gazprom Germania, bestätigten dies dem Handelsblatt, wie die Zeitung am Donnerstag berichtete. Zuvor war bereits bekannt geworden, dass Uniper, die EnBW-Tochter VNG und der Versorger EWE die Gasumlage nutzen wollen. Der Konzern RWE hingegen teilte mit, er wolle dies nicht tun.

Die Chefin des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Ramona Pop, warnte davor, die falschen Firmen zu stützen. „Die Bundesregierung hat eindeutig formuliert, dass sie mit der Gasumlage Insolvenzen verhindern will, die Absicherung von Gewinnen auf Kosten der Verbraucher aber ausgeschlossen werden soll“, sagte sie. Weiter sagte sie, dass man keine Unternehmen unterstützen sollte, die trotz hoher Gewinne von der Gasumlage profitieren wollten.

Energiekrise-Gasspeicher
Das Ziel, 85 Prozent der Gasspeicher zu füllen, ist laut Klaus Müller „sehr ambitioniert“. © Uwe Anspach/dpa

Energiekrise: Habeck fordert Steuersenkung an Verbraucher weiterzugeben

+++ 16.10 Uhr: Um Verbraucherinnen und Verbraucher in der Gas-Krise zu entlasten, möchte die Bundesregierung die Mehrwertsteuer auf Erdgas für einen befristeten Zeitraum verringern. Diese Maßnahme soll aber auch bei den Menschen ankommen. „Ich erwarte von den Unternehmen, dass sie diese Senkung 1:1 an die Verbraucherinnen und Verbraucher weitergeben“, sagte Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne).

Anstatt mit 19 Prozent soll Erdgas künftig nur noch mit sieben Prozent besteuert werden. Durch die Steuersenkung wolle man auch die Gas-Umlage ausgleichen, die Kunden und Kundinnen wegen höherer Beschaffungskosten bezahlen müssen. Für die Gas-Umlage muss die Mehrwertsteuer gezahlt werden. „Wir wollen nicht, dass die Menschen noch zusätzlich durch die Mehrwertsteuer auf die Gas-Umlagen belastet werden. Da eine direkte Steuerbefreiung europarechtlich nicht möglich ist, ist eine vorübergehende Senkung der Mehrwertsteuer auf Gas folgerichtig“, sagte Habeck dazu.

Energiekrise: „Viele Menschen sind verzweifelt“

Update vom Donnerstag, 18. August, 12.00 Uhr: Wegen der Energiepreiskrise machen sich einige Verbraucherinnen und Verbraucher Sorgen. „Viele Menschen sind verzweifelt“, sagte die Vorsitzende der Verbraucherzentrale Bundesverband, Ramona Pop, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „Sie fragen: Wie soll man tatsächlich über diesen Herbst und Winter kommen?“
Viel mehr Anfragen als vor der Krise gebe es in der Energieberatung der Verbraucherzentralen. Beschwerden im Bereich Gas hätten sich im Vergleich zum Vorjahr versiebenfacht, beim Strom verdreifacht, teilte Pop mit.

Energiekrise: Gasmangel in Deutschland möglich

Erstmeldung vom Donnerstag, 18. August: Berlin – Im kommenden Winter könnte es in Deutschland zumindest regional zu Gasmangel kommen. Dies ist die Einschätzung der Bundesnetzagentur zur Energiekrise. Behördenchef Klaus Müller sagte dem Nachrichtenportal t-online dazu in einem Interview, das am Donnerstag (18. August) veröffentlicht wurde: „Vermutlich wären die Einschränkungen erst einmal temporär und können auch wieder enden oder mehrfach auftreten.“ Sollte es so kommen, müsse man das Gas durch das ganze Land transportieren.

Dass es zu einem regionalen Gasmangel kommt, hält Müller für wahrscheinlich. „Womöglich aber läuft es sogar etwas besser“, hat der Experte Hoffnung. Dafür müsste es im kommenden Jahr aber mehr Gasimporte geben. Diese könnten aus zwei privaten Flüssigterminals kommen, die frühestmöglich fertiggestellt werden sollen. Außerdem solle zusätzliches Gas aus Frankreich kommen.

Energiekrise: Speicher werden vor dem Winter nicht vollständig aufgefüllt sein

„Dann könnten wir davon ausgehen, dass wir unsere Speicher nächsten Sommer wieder schneller füllen können.“ Dass man vor dem Winter alle Speicher vollständig füllen könnte, glaubt Müller nicht. „Einen durchschnittlichen Füllstand von 95 Prozent zum 1. November verfehlen wir in all unseren Szenarien. Das werden wir kaum hinkriegen, weil einzelne Speicher von einem sehr niedrigen Füllstand gestartet sind.“

Das 85-Prozent-Ziel zu erreichen, hält Müller für „nicht unmöglich, aber schon sehr ambitioniert“. Das erste Ziel hatte man sogar vorzeitig erreicht. Es lautete, bis September einen Füllstand von 75 Prozent zu erreichen. Dies ist bereits am vergangenen Wochenende (13./14. August) geschehen.

Energiekrise: Deutlich mehr Strom aus Gaskraftwerken

Die deutschen Gaskraftwerke haben im diesjährigen Juli deutlich mehr Strom produziert als vor einem Jahr und damit auf die Energiekrise reagiert. Wie dem Strommarktdatenportal Smard der Bundesnetzagentur zu entnehmen ist, liegt diese Steigerung bei 13,5 Prozent. (jo/dpa)

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