Vier Tage lang auf dem ganzen Kontinent

England und Holland starten in Europawahl

+
In den kommenden vier Tagen werden die Sitze im Europaparlament neu verteilt.

Brüssel -  Am Donnerstag geht es los: Vier Tage lang können die Wähler in den 28 EU-Staaten von Donnerstag an über das neue EU-Parlament entscheiden.

Europa hat die Wahl: Bis zum Sonntag können in der EU mehr als 400 Millionen Wahlberechtigte über die Zusammensetzung des künftigen Europaparlaments entscheiden. Als erste starten am Donnerstag die Niederländer und Briten in den viertägigen Wahlmarathon. Das Gros der Unionsbürger wird erst am Sonntag abstimmen. In Europa wächst die Sorge, dass es zu einem Erstarken von rechtsextremen, populistischen und euroskeptischen Parteien kommen wird. Bei dieser Wahl gibt es ein Novum: Die Parteienfamilien haben erstmals für den wichtigen Posten des EU-Kommissionschefs europaweite Spitzenkandidaten ins Rennen geschickt.

Europawahl 2014: Alle Infos gibt es ab Donnerstag in unserem Live-Ticker!

Der Kandidat der Europäischen Volkspartei (EVP), Jean-Claude Juncker, will sich nicht mit Stimmen von Faschisten oder Rechtspopulisten zum EU-Kommissionspräsidenten wählen lassen. „Ich würde die Wahl nicht annehmen“, sagte der frühere luxemburgische Regierungschef am Dienstagabend in der ARD-„Wahlarena“. Der Spitzenkandidat der Sozialdemokraten, Martin Schulz, rief in der Sendung dazu auf, wählen zu gehen, um ein Erstarken rechter Kräfte zu vermeiden. Insgesamt interessierten sich nur 2,25 Millionen Zuschauer (Marktanteil: 8,6 Prozent) für dieses letzte TV-Duell vor der Wahl.

Europawahl 2014: Das sind die Spitzenkandidaten

Europawahl 2014: Das sind die Spitzenkandidaten

Erste EU-weite Prognosen werden am Sonntagabend von 22.00 Uhr an erwartet, offizielle Ergebnisse aus den Ländern nach 23.00 Uhr, wenn die letzten Wahllokale in Italien geschlossen sind. Prognosen aus einzelnen EU-Ländern soll es schon vorher geben. In Deutschland planen ARD und ZDF am Sonntag bereits kurz nach der Schließung der Wahllokale um 18.00 Uhr Prognosen und später auch Hochrechnungen.

Insgesamt wird das neue Parlament 751 Abgeordnete haben, derzeit sind es - nach dem Beitritt Kroatiens als 28. EU-Mitglied am 1. Juli 2013 - 766. Mit 96 Abgeordneten stellt Deutschland im neuen Parlament die meisten Parlamentarier aller Mitgliedsländer, gefolgt von Frankreich mit 74. Luxemburg, Estland, Zypern und Malta stellen mit je sechs die wenigsten Abgeordneten.

Das sind die wichtigsten Organe der EU

Das sind die wichtigsten Organe der EU

Derzeit gibt es sieben Fraktionen, nach den Wahlen könnte ein Verbund der Rechtsextremen hinzukommen. Zur Bildung einer Fraktion sind mindestens 25 Abgeordnete aus 7 EU-Ländern nötig. Umfragen sehen derzeit die EVP mit 217 (Pollwatch) bis 221 (TNS Opinion) Mandaten als stärkste Fraktion im Parlament, gefolgt von den Sozialdemokraten (S&D) mit 194 (TNS Opinion) bis 201 (Pollwatch) Abgeordneten.

Im traditionell europakritischen Großbritannien bestimmen die Wähler am Donnerstag 73 Europaabgeordnete. Die Demoskopen erwarten ein starkes Abschneiden der rechtsgerichteten Partei UKIP mit ihrem Vorsitzenden Nigel Farage. Die Rechtspopulisten, die vor allem mit dem Austritt aus der EU und dem Thema Zuwanderung Stimmung machen, könnten Umfragen zufolge auf bis zu 30 Prozent der Stimmen kommen und damit stärkste politische Kraft bei der Wahl auf der Insel werden.

Die Demoskopen sehen die regierenden Konservativen von Premierminister David Cameron auf Rang drei hinter der oppositionellen Labour-Partei. Zuletzt hatte Farage sich jedoch mit als ausländerfeindlich empfundenen Bemerkungen in einem Radio-Interview Sympathien bei gemäßigten Wählern verscherzt. Anders als zunächst angekündigt, wird es am Donnerstagabend aller Voraussicht nach keine Prognosen zum britischen Wahlausgang geben.

In den Niederlanden können am Donnerstag rund 12,5 Millionen Bürger 26 Abgeordnete für das Europaparlament wählen. Im Wahlkampf stand die Frage nach mehr oder weniger Europa im Mittelpunkt. Dabei dominierten die euroskeptischen Parteien, die weniger Einfluss von Brüssel auf die nationale Gesetzgebung fordern.

Umfragen sagen in den Niederlanden ein Kopf-an-Kopf-Rennen der Gegner und Freunde Europas voraus. Sowohl die linksliberale D66 mit einem ausdrücklich pro-europäischen Kurs als auch die Partei für die Freiheit (PVV) des Rechtspopulisten Geert Wilders könnten mit je 5 Mandaten stärkste Kraft werden. Auch die europakritische sozialistische Partei könnte zulegen. Dagegen drohen der sozialdemokratischen Koalitionspartei große Verluste. Wahlforscher rechnen mit einer Wahlbeteiligung von 37 Prozent, wie bereits 2009.

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

V-Mann soll Anschläge forciert haben - auch im Fall Amri? 
V-Mann soll Anschläge forciert haben - auch im Fall Amri? 
Kunst und Musik für Kinder: Bildung der Eltern entscheidend
Kunst und Musik für Kinder: Bildung der Eltern entscheidend
Steuerfahnder-Affäre: Schweizer könnte Bewährung bekommen
Steuerfahnder-Affäre: Schweizer könnte Bewährung bekommen
Steinmeier appelliert: RAF-Täter sollen ihr Schweigen brechen
Steinmeier appelliert: RAF-Täter sollen ihr Schweigen brechen

Kommentare