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ESC-Act der Ukraine: Sänger richtet emotionale Botschaft an die Zuschauer - Veranstalter äußern sich

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Von: Hannes Niemeyer

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Auch der ESC steht unter dem Einfluss des Ukraine-Kriegs. Der ukrainische Act Kalush Orchestra geht als Favorit ins Rennen. Nach dem Auftritt folgt eine deutliche Botschaft.

Update vom 14. Mai, 22.13 Uhr: Der ukrainische ESC-Act Kalush Orchestra galt auch wegen des anhaltenden Krieges schon vorab als Favorit auf den Sieg. Mit Spannung war allerdings erwartet worden, wie deutlich man sich in Turin zur politischen Lage äußern würde. Schon das Lied an sich „Stefania“ von Kalush Orchestra enthält dabei einen bitterlich aktuellen Satz: „Ich werde immer zu dir zurückkehren“, schrieb die Gruppe einst und wandte sich damit eigentlich an die Mutter eines der Sänger - fügte dann aber an: „Auch wenn alle Straßen zerstört sein werden“.

Nach dem Auftritt der Hip-Hop-Gruppe in Turin ertönt tosender Applaus. In diesen hinein ergreift dann ein Sänger aus der Gruppe das Wort und sagt in das Mikrofon: „Bitte: Helft der Ukraine und Mariupol. Helft Asowstahl - jetzt!“. Das Stahlwerk in Mariupol steht zurzeit unter russischem Beschuss. In einer kämpferischen Geste schlug Psjuk dann mit der Faust seiner rechten Hand auf seine Brust.

Laut Regelwerk sind „Texte, Ansprachen und Gesten politischer Natur“ auf der ESC-Bühne explizit verboten. Die Veranstalter äußerten jedoch Verständnis. „Wir verstehen die starken Gefühle, wenn es dieser Tage um die Ukraine geht, und betrachten die Äußerungen des Kalush Orchestra und anderer Künstler zur Unterstützung des ukrainischen Volks eher als humanitäre Geste und weniger als politisch“, sagte ein Sprecher der Europäischen Rundfunkunion EBU auf dpa-Anfrage.

Die ESC-Moderatoren reagierten verblüfft und mit ernster Miene. Das Publikum bekundete der Ukraine derweil laut Solidarität. Die Zuschauer applaudierten stehend dem Kalush Orchestra mit ihrem Lied „Stefania“. 

Die Gruppe Kalush Orchestra aus der Ukraine mit dem Song «Stefania» zieht in die Halle ein zu Beginn des Finale des Eurovision Song Contest (ESC).
Die Gruppe Kalush Orchestra aus der Ukraine mit dem Song «Stefania» zieht in die Halle ein zu Beginn des Finale des Eurovision Song Contest (ESC). © Jens Büttner/dpa

ESC im Kriegs-Fokus: Putins Schergen setzen offenbar zur Sabotage an

Ursprungsmeldung: Turin - Inmitten des aktuellen Leids in Europa rund um den Ukraine-Krieg soll er eigentlich ein Fest der guten Laune und Völkerverständigung werden: der Eurovision Song Contest. Am Samstagabend (14. Mai) startet die bunte Party mit Vertretern aus 25 Nationen in Turin. Nicht mit dabei: Russland, das wegen des grausamen Einmarsches in die Ukraine vom Wettbewerb ausgeschlossen wurde.

Selbstredend wird ein derartig großes, internationales Fest, auf das am Samstagabend ganz Europa schauen wird, auch nicht ganz ohne politische Statements auskommen. Spätestens beim Auftritt der ukrainischen ESC-Vertreter, dem Kalush Orchestra. Die Gruppe gilt als ganz klarer Favorit auf den Sieg in diesem Jahr. „Man versucht gerade, die ukrainische Kultur zu zerstören. Wir wollen zeigen, dass sie lebendig ist und beim ESC gewinnen“, erzählte Frontmann Oleh Psiuk der Bild. Deutschlands Vertreter, Malik Harris aus dem bayerischen Landsberg, hat derweil Los-Pech und muss an Stelle 13 direkt nach dem Ukraine-Act auf die Bühne.

ESC 2022: Ukraine-Act ist Favorit - Putin-Hacker setzen deshalb zur Sabotage an

Dass das Kalush Orchestra mit dem Song „Stefania“ bei einem derartig großen, auf Völkerverständigung abzielenden Event so hoch im Kurs steht, scheint allerdings nicht alle zu freuen. Unter anderem scheint der Kreml um Wladimir Putin ein Problem mit der Situation zu haben. Deshalb werden nun Befürchtungen laut, dass sich die Schergen des Russland-Despoten auch beim ESC gehörig einmischen könnten. Russische Hacker planen wohl, den ESC zu sabotieren, um den Siegeszug der Ukraine auf großer europäischer Bühne zu unterbinden.

Das „Kalush Orchestra“ aus der Ukraine gilt als ESC-Favorit. Wegen des Ukraine-Krieges wollen Putins Hacker nun zur Sabotage greifen.
Das „Kalush Orchestra“ aus der Ukraine gilt als ESC-Favorit. Wegen des Ukraine-Krieges wollen Putins Hacker nun zur Sabotage greifen. © Jens Büttner / dpa

So kündigte „Killnet“, eine Putin-nahe Gruppe von Cyberkriminellen, via Telegram an, man wolle die Server zur Online-Abstimmung beim ESC lahmlegen. „Ihr könnt nicht online abstimmen“, hieß es dort. Funktionieren könne dies durch „gezielte Überlastung“, wie Rüdiger Trost, Chef der Internet-Sicherheitsabteilung bei „WithSecure“ gegenüber der Bild erklärt. Hierfür würde der Server mit Anfragen geflutet, weshalb die eigentlich gewünschen Anfragen keine Antwort mehr erhielten.

Russische Hacker nehmen ESC 2022 ins Visier: Wie real ist die Bedrohung?

Aber wie real ist die Bedrohung, dass Russland sich auf diese kriminelle Art in den Wettbewerb einmischt? Zum einen scheint das System der Hacker durchaus nicht ganz ausgereift zu sein. Bereits Anfang Mai soll „Killnet“ laut der Bild mit demselben Vorgehen wie für den ESC geplant versucht haben, mehrere deutsche Behörden lahmzulegen. Das „Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik“ gab hierzu an, dass die Aktion technisch allerdings nicht sonderlich ausgereift gewesen sein soll. Zum anderen gibt sich die „Europäische Rundfunkunion“ gegenüber der Bild sicher, dass die „breite Palette von Sicherheitsmaßnahmen“ beim Abstimmungssystem vor Einflüssen von außen schützen werde.

Der ESC 2022 wird so oder so ein Riesen-Event. IPPEN.MEDIA ist live vor Ort in Berlin - und berichtete auch bereits vom ESC-Halbfinale.

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