Euro-Staat Montenegro will in die EU

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Das kleine Adrialand Montenegro will EU-Mitglied werden. Seit Jahren zahlt man hier schon mit dem Euro.

Pdgorica - Mit dem Euro wird dort schon seit neun Jahren bezahlt - dabei ist Montenegro gar kein EU-Mitglied. Das soll sich jetzt ändern. Doch auf dem Weg nach Brüssel türmen sich die Probleme.

Ende der 90er Jahre hatte das kleine Adrialand Montenegro die Deutsche Mark als Zahlungsmittel eingeführt. Im Jahr 2002 wurde ihm erlaubt, auch den Euro als offizielle Währung zu nutzen, obwohl keine einzige Voraussetzung dafür erfüllt war. Es war eine politische Entscheidung der Eurozone, um die Abnabelung der früheren jugoslawischen Teilrepublilk vom großen Bruder Serbien mit seiner nationalistischen Politik zu erleichtern.

Jetzt will das 2006 unabhängig gewordene Euroland diesen Vertrauensvorschuss einlösen und mit Riesenschritten in Richtung EU marschieren. Die EU-Kommission hat vorige Woche die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen empfohlen. Der endgültige Beschluss der EU-Mitglieder am 9. Dezember scheint reine Formsache. Damit rückt das Balkanland mit nur 620 000 Einwohnern näher an Brüssel als seine Nachbarn Serbien, Mazedonien, Bosnien, Albanien und Kosovo. Nur Kroatien ist schon weiter und wird 2013 beitreten.

“Im nächsten Jahr werden wir alle Maastrichtkriterien für den Euro erfüllen“, ist Regierungschef Igor Luksic stolz. Doch bei den im nächsten März beginnenden EU-Beitrittsverhandlungen türmen sich hohe Problemberge, die nur schwer beiseite zu räumen sind.

Dabei geht es nur am Rande um den Euro, obwohl viele ausländische Finanzexperten fürchten, dass russisches Schwarzgeld die Euro-Märkte überschwemmen könnte. Denn russische Oligarchen haben in den vergangenen Jahren mit Geld zweifelhafter Herkunft schwindelerregende Preise für Grundstücke, Wohnungen und Hotels an der pittoresken Adriaküste Montenegros gezahlt.

Mit Abstand an erster Stelle steht der Kampf gegen die alles beherrschende Korruption. Der Dachverband der Bürgerinitiativen MANS beklagt, dass nur die kleinen Fische verfolgt würden, die großen aber nach wie vor ungeschoren blieben. Die Lage wird erschwert durch Milo Djukanovic, der zwei Jahrzehnte lang entweder als Präsident oder als Regierungschef in Montenegro alle Strippen zog und heute noch Vorsitzender der DPS-Regierungspartei ist. Er soll nach Berichten seiner Kritiker in Medien und Opposition das Land auch heute noch “wie seinen Privatbesitz“ beherrschen.

Teil des Kapitels Korruption ist die von Regierungskritikern behauptete enge Verquickung der Organisierten Kriminalität mit den Geheimdiensten. Montenegro galt viele Jahre lang als eine Drehscheibe für den illegalen Umschlag von Zigaretten und Drogen. Gerade hat die EU Informationen über den mutmaßlichen serbischen Drogenboss Darko Saric angefordert, der seine Basis jahrelang in Montenegro hatte. Er soll nach Darstellung der serbischen Regierung eine Milliarde Euro jährlich verdient haben und war vor zwei Jahren in Südamerika mit dem Schmuggel von 2,7 Tonnen Kokain aufgeflogen.

Ein schwerer Brocken bei den Beitrittsverhandlungen sind auch die heimischen Medien. Die meisten stehen unter strenger Kontrolle der politischen Elite. Den wenigen kritischen Stimmen wird mit Serienklagen vor Gerichten das Leben schwer gemacht. In den vergangenen Monaten wurden immer wieder Anschläge auf Fahrzeuge der oppositionellen Tageszeitung “Vijesti“ verübt, ohne dass die Täter entdeckt wurden. Nicht selten wurden missliebige Journalisten verprügelt.

dpa

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