User-Stimmen zur Europawahl

Streitpunkt AfD: Alternative oder heiße Luft?

+
AfD-Spitzenkandidat Bernd Lucke (r) und AfD-Kandidatin Beatrix von Storch feiern am 25.05.2014 bei der Wahlparty der Alternative für Deutschland zur Europawahl in Berlin.

München - Schuss vor den Bug oder alles halb so wild? Die Erfolge der rechtspopulistischen Parteien bei der Europawahl sorgen für heftige Diskussionen bei unseren Usern. Hauptstreitpunkt: Die AfD.

Die Europawahl bewegt unsere User. Viel mehr als die Frage, wer der neue Kommissionspräsident wird, diskutieren sie aber das zweite große Thema dieser Wahl: Das in vielen Ländern erfolgreiche Abschneiden der rechtspopulistischen und EU-kritischen Gruppierungen. Vor allem eine Partei polarisiert dabei auch nach der Wahl: die AfD.

Und hier sind unsere User sehr gespalten. Ist die AfD wirklich eine rechtspopulistische Partei? Oder steht sie für ein besseres Europa ohne den Euro? Die wahre Identität der "Alternative für Deutschland" ist nach wie vor umstritten. Und damit auch die Frage, ob sie wirklich eine ernstzunehmende Alternative ist oder doch nur heiße Luft.

Echte Alternative oder nur heiße Luft?

Von letzterem ist Merkur-User "KeineMachtDenBraunen" überzeugt: "Die Geschichte mit der AfD wird sich schnell wieder relativieren: Heiße Luft bleibt eben heiße Luft. Und sieben Prozent als "volksparteiähnliches" Ergebnis zu feiern, ist ebenso lächerlich wie die Partei an sich." "Störtebekker" hält dagegen: "Die Blockflöten haben einen Schuss vor den Bug bekommen. Das ist aber erst der Anfang, von einem gerechten, entlobbysierten Europa. Die Deutschen waren wie immer die Dauerschläfer Europas, aber auch dort ändert sich ganz allmählich was."

Ein anderer Wind im EU-Parlament?

Harte Zeiten für die etablierten Parteien im EU-Parlament sehen einige User durch die Erfolge der EU-kritischen Gruppierungen heraufziehen. "Ja, liebe Union, SPD und Co. - klatscht nochmal kräftig - angesichts der Stärke der Europakritiker weht Euch nämlich ab sofort ein eiskalter Wind entgegen. Wird etwas ungemütlicher in Brüssel und Straßburg..." schreibt zum Beispiel Merkur-User "Reichersbeurer". "da_Jogi" stimmt ihm zu: "Ein guter Tag für Deutschland, Alternativlos war gestern! Ich freue mich für die AfD und Deutschland, es ist noch nicht alles verloren."

Diese Hoffnung kann User "A= nti f= ür D= agegen" nicht nachvollziehen. Stattdessen befürchtet er, dass auch die frisch gewählten EU-Parlamentarier ihre Überzeugung schnell wieder vergessen werden: "Es wird mir ein Fest sein, zuzusehen, wie Bernd Lucke, Olaf Henkel und fünf andere in Europa sich am Futtertroge drängeln und ihre Herkunft und Ihren Auftrag hinten anstellen werden."

Rechtspopulismus als geschickter Stimmenfang?

Neben den Folgen der AfD für Europa beschäftigt unsere User aber auch das Phänomen "Rechtspopulismus" an sich. "Es ist schon eine schöne Tradition geworden, alles rechts von Mitte-Liberal mit dem Prädikat "Populistisch" zu adeln. Versuchen denn nicht alle Politiker sich populistisch zu geben um das Stimmenpotential für sich zu gewinnen?", gibt "WatschnLeo Grünwalder" zu bedenken.

User "ichsachmal Tucker" wirft der AfD dagegen geschickten Stimmenfang vor. So sei die "Alternative für Deutschland" eine reine Wirtschaftspartei. Dass man alleine damit nicht überleben könne, zeige die FDP. "Also sucht man sich etwas, mit dem man auf Stimmenfang gehen kann. Und das ist die "böse" EU... und das ist der populistische Teil."

Rechtsruck als Folge der EU-Politik der vergangenen Jahre

Die Ursache für den "Rechtsruck" will dagegen "Ser_Joe KaterRamirez" ausgemacht zu haben: "Dieser ist nichts anderes als der Ausdruck der Angst vor einem nicht mehr kontrollierbaren, diktatorischen Kraken! Der Großteil der Menschen dürfte wohl für ein einiges Europa sein. Aber für ein Europa, das zusammenwächst und nicht gewaltsam zusammengeschustert wird."

Das sieht Merkur-User "Kirsche" ähnlich: "Diese Wahl ist lediglich das Ergebnis der Europolitik der letzten Jahre. Hier in Deutschland ist das Ergebnis der AfD nur so gering ausgefallen, weil die Auswirkungen der fatalen Politik der letzten Jahre noch nicht zu spüren sind." Es sei eine gute Nachricht, "dass die Eurokraten ihre Banken, Fiskal- und Transferunion nicht ganz ohne Widerstand der Völker der Vaterländer heimlich einführen können".

Klarer Auftrag an die Politik

Was aber bedeutet diese Tendenz für die Europäische Union? User "wolfibaerli" sieht hier einen klaren Auftrag an die EU: "Brüssel hat nun fünf Jahre Zeit, darauf zu reagieren. Aber auf nationaler Ebene ist die Zeit erheblich kürzer." Sollten die Regierungen keine geeignete Antwort auf die offenen Fragen der EU-Kritiker finden, sei die Entwicklung klar: "Dann wird der Wähler bei den kommenden nationalen Wahlen noch deutlicher und evtl. unkritischer werden."

Egal ob pro oder kontra AfD - eines zeigt die Diskussion unserer User in jedem Fall: Das Interesse an Europa ist da, es gibt aber noch jede Menge Redebedarf. Und das kann durchaus als Auftrag an alle Parteien verstanden werden.

auch interessant

Meistgelesen

Trump liebt Deutschland - und warnt BMW
Trump liebt Deutschland - und warnt BMW
US-Presse sagt Donald Trump den Kampf an
US-Presse sagt Donald Trump den Kampf an
Verfassungsgericht hat entschieden: NPD wird nicht verboten
Verfassungsgericht hat entschieden: NPD wird nicht verboten
Wegen Verleumdung: Mutmaßliches Opfer verklagt Donald Trump 
Wegen Verleumdung: Mutmaßliches Opfer verklagt Donald Trump 

Kommentare