Ex-CSU-Chef im großen tz-Interview

Huber: "Wir werden den Euro retten!"

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Der Ex-CSU-Chef zählt die Gründe auf, warum der Euro gerettet werden muss.

München - Erwin Huber (65) ist ein Kämpfer. Vier Jahre nach der Wahlschlappe, die ihn den CSU-Parteivorsitz kostete, ist der Niederbayer wieder da. Das große tz-Interview:

Nicht mehr oben – sondern ganz unten in der Partei. Egal, ob’s um den Vortrag bei der Senioren-Union geht oder um die Einweihung des Trafo-Häusels im Nachbarort – Huber kommt! Er kann nicht anders: Politik und Stress sind sein Lebenselexier. Seine aktuelle Mission: der Euro. Im tz-Gespräch erklärt Huber, warum er Merkel bewundert, Gauweiler kritisiert und sich von den Bossen der bayerischen DAX-Unternehmen mehr Courage erwartet.

Herr Huber, Sie waren vor Kurzem bei der Senioren-Union in Ergolding, ging’s da auch um den Euro?

Huber: Natürlich. Jeder will ja wissen, wie sicher sein Geld ist.

Und was sagen Sie dann?

Huber: Habt keine Angst. Der Euro ist eine der bedeutensten Währungen der Welt. Wir werden die Rettung hinbringen.

Das heißt, Sie sind für Rettungsschirme und Fiskalpakt?

Huber: Der Fiskalpakt ist die Übertragung der Schuldenbremse auf 25 Länder Europas. Das ist uneingeschränkt sinnvoll. Wie man dagegen klagen kann, das verstehe ich nicht ...

Es gibt eben die Angst, dass wir Deutschen das alles bezahlen müssen ...

Huber: Manche glauben tatsächlich, die anderen leben in Saus und Braus und wir bezahlen für alles. Das ist Hilfe zur Selbsthilfe mit harten Auflagen. Aber uns muss klar sein, dass wir Rettungsaktionen vor allem mitmachen, um unsere eigene Währung zu sichern. Und damit unsere Ersparnisse und unsere Arbeitsplätze. Und das erreichen wir halt nur über den Umweg, die anderen zu stabilisieren.

Könnten wir das mit der D-Mark nicht viel besser?

Huber: Wir können die Zeit nicht zurückdrehen. Der Euro ist seit zwölf Jahren unsere Währung. Wenn wir jetzt den Euro zerlegen und zurück zur D-Mark switchen – weil uns die in den Zeiten des Aufschwungs so ans Herzen gewachsen ist – dann kann ich nur sagen: Das hätte katastrophale Folgen.

Erklären Sie’s uns.

Huber: Die D-Mark würde gewaltig aufwerten, so wie der Schweizer Franken. Man schätzt, um rund 20 Prozent.

Eine solch starke Währung würde vielen gefallen …

Huber: Wäre aber fatal für unseren Export. Alle unsere Güter würden im Ausland auf einen Schlag massiv teurer. Nicht nur unsere Industriegüter, sondern auch Erzeugnisses der Land- und Ernährungswirtschaft. Die Wirtschaftskraft bei uns würde um 20 Prozent einbrechen. Millionen Arbeitsplätze wären bedroht.

Aber alle paar Monate gibt es neue Hiobsbotschaften mit unfassbaren Zahlen.

Huber: Deutschland ist alles in allem mit einer Haftung von 300 Milliarden dabei. Das ist gigantisch viel, für viele Leute unvorstellbar viel. Aber wir gefährden damit nicht unsere Souveränität oder unsere Zahlungsfähigkeit. Unser Volkseinkommen liegt bei 2500 Milliarden – im Jahr! Wir haben jährlich Steuereinnahmen von 900 Milliarden. Ich halte die bisherigen Haftungssummen deshalb für verantwortbar.

Aber reicht das?

Huber: Man hätte auch einen riesigen Rettungsschirm mit einer, vielleicht sogar zwei Billionen Euro aufspannen können. Dann hätte man für alle Fälle vorgesorgt. Aber wir haben uns für den Weg entschieden „auf Sicht zu fahren“ – weil ein so großer Rettungsschirm möglicherweise eine Verführung für die verschuldeten Länger gewesen wäre, keine eigenen Anstrengungen zu unternehmen.

Peter Gauweiler klagt gegen den Fiskalpakt – er ist nicht der einzige Euro-Kritiker in der CSU ….

Huber: Die CSU hat zurecht alle bisherigen Rettungsaktionen mit großer Mehrheit mitgetragen. Es trifft aber zu, dass wir auch Parteifreunde haben, die sagen: Das ist alles vergeblich und vergeudetes Geld.

Da trifft in der Diskussion wohl Beton auf Beton?

Huber (lacht): Beton ist dagegen ein sehr elastischer Baustoff ... Das sind fast Glaubenskriege geworden.

Gab’s mal ein Gespräch mit Gauweiler?

Huber: Ich glaube nicht, dass er in dieser Sache das Gespräch mit mir sucht. Aber ich werfe ihm vor, dass er nicht den Dialog mit der Bundeskanzlerin führt. Er hätte dazu ja in den Sitzungen der Bundestagsfraktion reichlich Gelegenheit. Aber das tut er leider nicht. Entweder ist er nicht da oder er sagt nichts. Auf Franz Josef Strauß kann sich jedenfalls kein Gegner berufen, weil der ein Europäer war.

Die Kanzlerin ist durch ihre Politik in halb Europa zum Feindbild geworden ...

Huber: Ihre Standfestigkeit ist bemerkenswert. Ich habe da großen Respekt. Wenn sie in Europa zur Buhfrau gemacht wird, dann doch nur, weil sie auf Stabilität und Disziplin achtet und damit den Kurs bestimmt.

Geht die Europäische Idee dabei den Bach runter?

Huber: Die Kanzlerin hat recht mit der Aussage: Scheitert der Euro, dann scheitert Europa. Ein Scheitern des Euro würde Europa um Jahrzehnte zurückwerfen. Es gäbe auf lange Sicht keine großen gemeinsamen Projekte mehr, weil das Vertrauen weg wäre.

Mehr als 170 Wirtschaftswissenschaftler sagen trotzdem: Es ist falsch, was Frau Merkel macht ...

Huber: Dass es in der Wirtschaftswissenschaft unterschiedliche Meinungen gibt, gehört zum Wesen der wissenschaftlichen Forschung. Trotzdem muss man die Bedenken ernst nehmen. Andererseits hat die Volkswirtschaftslehre leider auch keine Rezepte, nach denen wir verfahren könnten.

Deutschlands Bosse halten sich bedeckt ...

Huber: Kein Wunder, dass alle verunsichert sind: Die Wissenschaft sendet nur gegensätzliche Signale, zur Politik fehlt das Vertrauen, und unsere Wirtschaftsführer melden sich nicht zu Wort. Ich würde mir wünschen, dass die Chefs der acht bayerischen DAX-Unternehmen eine Pressekonferenz einberufen und mal sagen, wo sie ihr Geschäft machen und wie sie zum Euro stehen. Das würde einen gewaltigen Eindruck machen.

Brauchen wir eine Volksabstimmung zum Euro?

Huber: Was Euro und Rettungsschirm angeht, glaube ich nicht, dass uns eine Volksabstimmung weiterbringt. Es kann nicht 60 Millionen Euro-Experten geben. Damit würde Vorurteilen und Ängsten Tür und Tor geöffnet. Ich bin sicher: Wir werden den Euro retten!

Wie lange wird die Krise noch dauern?

Huber: Das hängt von der Stabilisierung der Weltwirtschaft ab. Wenn die gelingt, dann müssten wir das in vier, fünf Jahren schaffen. Diese Geduld müssen wir haben.

Was ist für Sie auffällig bei der Euro-Diskussion?

Huber: Ich denke, das ist auch eine Generationenfrage. Jüngere Leute haben mit dem Euro überhaupt keine Problem, sind auch sehr offen, was Rettungsaktionen angeht. Ältere, die vielleicht auch mehr Ersparnisse haben, andere Lebenserfahrungen, sind da zurückhaltender.

Das heißt, ein Termin bei der Senioren-Union ist im Moment härter als ein Abend in der Disco?

Huber: Ja, das ist absolut richtig. Und wie Sie sehen, ich bin jung geblieben!

Interessiert das Thema auch Ihre Frau?

Huber (lacht): Sie vertraut mir. Und meine Kinder, die heute 28 und 31 und beide beruflich in München erfolgreich sind. Die haben überhaupt kein Problem mit dem Euro.

Wie soll man sein Geld anlegen?

Huber: Ich bin kein Anlageberater. Aber ich kauf’ kein Gold, ich vertraue dem Euro! Eigentlich müsste man dem Konsumenten in Deutschland ein Denkmal setzen. Die Leut’ verhalten sich sehr vernünftig – da könnten sich die Finanzmärkte ein Beispiel nehmen.

tz

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