"Widerstand macht sich breit"

Ex-Diplomat: Unzufriedenheit der Nordkoreaner wächst

Ältere Frauen bei der Feldarbeit vor den Toren Pjöngjangs. Foto: Franck Robichon/Archiv
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Ältere Frauen bei der Feldarbeit vor den Toren Pjöngjangs. Foto: Franck Robichon/Archiv
Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un bei der Beobachtung eines Militärmanövers. Foto: Rodong Sinmun/Archiv
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Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un bei der Beobachtung eines Militärmanövers. Foto: Rodong Sinmun/Archiv
Überlebensgroß: Menschen versammeln sich in Pjöngjang vor Bronzestatuen von Staatsgründer Kim Il Sung und seinem Sohn Kim Jong Il. Foto: Franck Robichon/Archiv
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Überlebensgroß: Menschen versammeln sich in Pjöngjang vor Bronzestatuen von Staatsgründer Kim Il Sung und seinem Sohn Kim Jong Il. Foto: Franck Robichon/Archiv
Junge Nordkoreaner vor einer Schule in Pjöngjang. Foto: Franck Robichon/Archiv
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Junge Nordkoreaner vor einer Schule in Pjöngjang. Foto: Franck Robichon/Archiv
Allgegenwärtig: Staatsgründer Kim Il Sung und sein Sohn Kim Jong Il grüßen von einem Wandbild. Foto: Franck Robichon/Archiv
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Allgegenwärtig: Staatsgründer Kim Il Sung und sein Sohn Kim Jong Il grüßen von einem Wandbild. Foto: Franck Robichon/Archiv
Nach Angaben des südkoreanischen Geheimdienstes wurden seit der Machtübernahme Kim Jong Uns Ende 2011 zahlreiche hochrangige Funktionäre Opfer politischer Säuberungen. Foto: KCNA/Archiv
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Nach Angaben des südkoreanischen Geheimdienstes wurden seit der Machtübernahme Kim Jong Uns Ende 2011 zahlreiche hochrangige Funktionäre Opfer politischer Säuberungen. Foto: KCNA/Archiv
Propagandaplakate in den Straßen von Pjöngjang. Foto: Franck Robichon/Archiv
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Propagandaplakate in den Straßen von Pjöngjang. Foto: Franck Robichon/Archiv
Protz-Architektur: Ein Radfahrer fährt über einen Versammlungsplatz in Pjöngjang. Foto: Franck Robichon/Archiv
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Protz-Architektur: Ein Radfahrer fährt über einen Versammlungsplatz in Pjöngjang. Foto: Franck Robichon/Archiv

Für den früheren nordkoreanischen Diplomaten Thae Yong Ho sind die Tage von Machthaber Kim Jong Un gezählt. In seiner Heimat machen sich nach seinen Worten immer mehr Menschen ihrer Unzufriedenheit Luft.

Seoul (dpa) - Im weitgehend abgeschotteten Nordkorea wächst nach Angaben eines geflüchteten früheren Diplomaten die Unzufriedenheit mit dem Regime von Kim Jong Un. Diese äußere sich "in abweichenden Meinungen oder in Kritik", die immer häufiger zu hören sei.

Das sagte der frühere stellvertretende Botschafter in London, Thae Yong Ho, in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul. Auch wenn dies noch auf niedrigem Niveau stattfinde, so sei das vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen. "Widerstand macht sich langsam breit."

Dabei äußert laut Thae nicht nur Pjöngjangs Elite offen Kritik. Der frühere Vertreter des kommunistischen Regimes deutete an, dass es auch auf den Märkten zivilen Ungehorsam gebe. Die älteren Verkäuferinnen etwa setzten sich immer mehr über die Anordungen der Behörden hinweg. Eine unabhängige Überprüfung dieser Angaben ist nicht möglich.   

Angsichts der nach wie vor schwierigen Versorgungslage versuchten immer Menschen, sich zu widersetzen, sagte Thae. Doch räumte er auch ein, dass es schwierig zu sagen sei, wann es zu einem offenen Aufruhr kommen könnte. Er selbst halte die Tage von Machthaber Kim Jong Un für gezählt.     

Das System könne vor allem durch immer mehr Informationen von außen unterhöhlt werden. Die Nordkoreaner hätten durch das Anschauen eingeschmuggelter Videos mit südkoreanischen TV-Serien und Filmen gelernt, dass Südkorea ein reiches Land sei. Selbst in der Schule werde den Kindern nicht mehr erzählt, dass Südkorea arm sei.    

Thae beschrieb seine Unzufriedenheit und die ungewisse Zukunft seiner beiden Söhne als Motive für seine "lange vorbereite" Flucht. Als Kim an die Macht gekommen sei, habe er noch gehofft, dass dieser "vernünftige Entscheidungen trifft, um die Nordkoreaner vor der Armut zu retten". Doch sei er schon bald danach angesichts der politischen Säuberungen von Funktionären enttäuscht worden.

Auch müsse die Weltgemeinschaft weiter Druck auf Pjöngjang ausüben, damit es sein Atomprogramm aufgebe, sagte Thae. Ein neuer Krieg zwischen beiden Koreas würde die gesamte koreanische Halbinsel in Asche legen. 

Thae hatte sich im vergangenen August gemeinsam mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen - 19 und 26 Jahre - nach Südkorea abgesetzt. Seit seiner Ankunft sprach er in zahlreichen Interviews von seinem Leben als Diplomat und die Realität in Nordkorea. Sein Ziel sei es, die Menschen im Norden der Halbinsel "zu befreien" und eine Katastrophe zu verhindern.    

Berichte über die Flucht von hochrangigen nordkoreanischen Regierungsbeamten sind selten. Südkoreanische Medien hatten allerdings zuletzt unter Berufung auf Regierungskreise berichtet, dass sich seit 2015 eine unbestimmte Zahl von Diplomaten nach Südkorea abgesetzt habe. 

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