Nach zweijähriger Amtszeit

Petr Bystron gibt AfD-Landesvorsitz in Bayern ab

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Petr Bystron.

Der Richtungsstreit in der bayerischen AfD gipfelt in einem Schlagabtausch beim Parteitag. Es geht um persönliche Konflikte, vor allem aber um die Ausrichtung der Partei: Rechts kämpft gegen Rechtsaußen.

Greding – Die letzte Wahlschlacht von Greding ist erst ein paar Monate her. Nahe der A9 trifft sich die AfD immer für ihre richtungsweisenden Entscheidungen, oder anders gesagt: Hier, nahezu genau in der Mitte Bayerns, prallen die grundverschiedenen Strömungen der Partei immer wieder aufeinander. Im März bekam das Petr Bystron zu spüren, als der Landeschef vom ersten Listenplatz für den Bundestag geputscht wurde. Die Attacke damals war für alle überraschend. Der Eklat beim kommenden Parteitag in zehn Tagen erfolgt mit Ansage.

Wieder steht Bystron (44) im Mittelpunkt, diesmal aber in anderer Form. Er kündigt an, nach zwei Jahren im Amt nicht mehr für den Vorsitz zu kandidieren. Er wolle „120 Prozent in Berlin“ arbeiten, sich in der Außenpolitik einbringen. „Da kann ich nicht auch noch operativ den Laden in Bayern führen.“ Unter ihm stieg die Mitgliederzahl von 2200 auf knapp 4000, es gab aber auch Kritik: Etwa, weil Bystron vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Mit seinem Rückzug wolle er auch vermeiden, dass die gesamte Partei in den Fokus der Behörde rückt, sagt er.

Die schwierige Suche nach einem Nachfolger für Bystron

Einen Nachfolger zu finden, ist in der AfD mit ihren zerstrittenen Funktionären, den Seilschaften und Intrigen kompliziert. Die Mitglieder erwartet am 25./26. November eine Wahl, in der um jedes Amt bis hin zu den Beisitzern gekämpft wird. Es kommt auch zu einem Richtungswettstreit zwischen der liberal-konservativen „Alternativen Mitte“ (AM) und dem national-konservativen „Flügel“, zwischen Rechts und Rechtsaußen. Entscheidend wird die Wahl des Ersten Vorsitzenden, die einen Dominoeffekt auslösen könnte. Es gewinnt wohl das Lager, dem es gelingt, mehr Mitglieder zu mobilisieren.

Martin Hebner (58) aus dem Kreis Starnberg ist so schon mal ein Karrieresprung gelungen, als er Bystron die Spitzenkandidatur wegschnappte. Diesmal will er den Vorsitz, heißt es aus Parteikreisen. Florian Jäger (Kreis Fürstenfeldbruck), schon angekündigter Kandidat, signalisiert Zustimmung. Er würde sich „nicht in den Weg stellen“, falls Hebner kandidiere, sagt er. Ihm sei bloß wichtig, „die fruchtlose Zeit mit Bystron“ zu beenden. Jäger hat wohl auch persönliche Interessen: Sollte Hebner als Landesvorsitzender in den Landtag wechseln wollen, würde Jäger in den Bundestag nachrücken.

Die Strömungen innerhalb der Bayern-AfD

Martin Hebner, Abgeordneter aus Starnberg

Um die Siegchancen in Greding einzuschätzen, ist ein Blick auf die Strömungen der AfD hilfreich. Hebner wird Nähe zum national-konservativen „Flügel“ nachgesagt, der auch den umstrittenen Thüringer Rechtsaußen Björn Höcke sympathisch findet. Er selbst ordnet sich dort nicht ein, für die Mehrheitsbildung wäre der Parteiteil aber unabkömmlich. Problematisch: Martin Sichert (37) aus Nürnberg, ebenfalls mit unbestätigter Nähe zum „Flügel“, kandidiert auch für den Vorsitz. „Nicht gegen die anderen, sondern für die AfD“, sagt er. Damit könnten sich die beiden aber gegenseitig Stimmen abjagen. Es soll deshalb zwischen Sichert und Hebner schon Abstimmungen gegeben haben, auf eine Zusammenarbeit konnte man sich bislang aber nicht einigen, heißt es.

Das könnte die Chance von Gerold Otten (61) sein. Der ehemalige Pilot der Luftwaffe aus dem Kreis München kündigt ebenfalls seine Kandidatur an. Otten gilt als liberal-konservativ, sozusagen Gegenspieler von Hebner/Sichert. Strukturiert, besonnen, rhetorisch fit. „Ich möchte verhindern, dass die Partei in eine bestimmte Richtung driftet“, sagt er. Er wolle die AfD einen. Das kann auch als Signal an den „Flügel“ gewertet werden, der der AM immer wieder Spaltungsabsichten unterstellt.

Otten hat aber das Problem, dass er recht unbekannt ist. Bis vor ein paar Tagen hatte er zwar viele Stimmen aus Oberbayern und Niederbayern sicher, zudem die Unterstützung von Teilen der AM. Die Zustimmung bröckelt aber wegen seines persönlichen AfD-Netzwerks. Einige Mitglieder daraus werden gerade mit Diffamierungen und Gerüchten aus der Partei heraus massiv attackiert. Diese Angriffe schaden Otten, er kann sich davon aber nicht lösen.

Bystron empfiehlt einen Nachfolger, „der die Bürgerlichkeit der Partei widerspiegelt“. „Wir brauchen Teamplayer, keine Egomanen.“ Er favorisiert wohl Otten, äußert sich aber nicht näher. Ebenso nicht zu dem Gerücht, er wolle im Dezember für einen Platz im Bundesvorstand kandidieren. Seinen Befürwortern würde das gefallen, seine Feinde würden intervenieren – auch wenn diese Schlacht nicht in Greding, sondern in Hannover ausgefochten würde.

Lesen Sie hier den Kommentar von Politik-Redakteur Sebastian Dorn zu dem Thema.

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