Mark Zuckerberg bezieht Stellung

Nach Boykott: Facebook will stärker gegen Hass und Rassismus vorgehen - mit möglichen Folgen für Trump

Nach Boykotten zahlreicher Konzerne will Facebook stärker gegen Hass im Netz und Rassismus vorgehen. Damit könnten auch Donald Trumps Postings eingeschränkt werden.

  • Facebook war erneut in Kritik geraten, zu wenig gegen Hass im Netz zu tun.
  • Mark Zuckerberg kündigte weitreichende Reformen an.
  • Auch Donald Trump* könnte durch die Maßnahmen eingeschränkt werden.
Mark Zuckerberg kündigte an, stärker gegen Hass und Rassismus auf Facebook vorzugehen.

Menlo Park/Kalifornien - Der Social-Media-Riese Facebook reagiert auf Kritik und Anzeigenboykott. Das Netzwerk will sein Vorgehen gegen Hassbotschaften ausbauen und plant problematische Posts von Politikern in Zukunft markieren. Mark Zuckerberg, Gründer und Vorstandsvorsitzender von Facebook, kündigte am Freitag (26. Juni) an, fortan werde eine größere Bandbreite von bezahlten Anzeigen, darunter auch Wahlwerbung, untersagt.

Politische Wahlwerbung stellt ein besonders sensibles Thema dar. Facebook hatte 2018 mit schweren Vorwürfen zu kämpfen, als der Verdacht aufkam, die Firma Cambridge Analytica könnte durch Datendiebstahl auf Facebook Einfluss auf die US-Wahl* genommen haben.

Die aktuelle Reaktion Facebooks bezieht sich auf die jetzigen Anzeigenboykotte großer Firmen. Unternehmen wie Coca-Cola und Unilever verzichten derzeit auf Anzeigen bei Facebook, um gegen Rassismus und H ass im Netz Stellung zu nehmen.

Mark Zuckerberg: Facebook will stärker gegen Hassbotschaften vorgehen

Verboten werden laut Zuckerberg Behauptungen, wonach Menschen einer bestimmten „Rasse, Ethnie, nationalen Herkunft, Religion, Kaste, sexuellen Orientierung, Geschlechtsidentität oder eines bestimmten Einwanderungsstatuts eine Bedrohung für körperliche Sicherheit, Gesundheit oder das Überleben anderer darstellen“. Auch sollten „Einwanderer, Migranten, Flüchtlinge und Asylsuchende“ vor Anzeigen geschützt werden, die sie als minderwertig oder verachtenswert darstellen.

Facebook will außerdem in bestimmten Fällen Botschaften von Politikern markieren, wenn sie gegen die Regeln des Netzwerkes verstoßen, wie Zuckerberg schreibt. „Einige Male pro Jahr lassen wir Inhalte stehen, die ansonsten gegen unsere Regeln verstoßen würden, wenn das öffentliche Interesse größer ist als das Risiko eines Schadens.“

Facebook-Maßnahmen könnten Donald Trump einschränken

Das sei beispielsweise bei Politiker-Reden der Fall, die einen Nachrichtenwert hätten. Künftig solle darauf hingewiesen werden, wenn solche Inhalte gegen die Facebook-Regeln verstoßen. Die Inhalte werden entsprechend markiert, aber nicht entfernt. Keine Ausnahmen gebe es, wenn Botschaften zu Gewalt oder einer Unterdrückung des Wahlrechts führen könnten, betonte Zuckerberg. Solche Inhalte würden gelöscht. Der Facebook-Chef verwies auf den Wahlkampf für die US-Präsidentschaftswahl* im November, der besonders „hitzig“ werden dürfte.

In den vergangenen Wochen haben wiederholt Posts von US-Präsident Donald Trump für Wirbel gesorgt. Der Kurzbotschaftendienst Twitter verbarg zuletzt wiederholt Tweets des Rechtspopulisten hinter einem Warnhinweis wegen „Gewaltverherrlichung“ oder „missbräuchlichem Verhalten“. Twitter unterzog Äußerungen des Präsidenten, dessen Nichte ein Enthüllungsbuch über den „gefährlichsten Mann der Welt“ veröffentlichen will, zudem einem Faktencheck.

Facebook dagegen ergriff keine solchen Maßnahmen - und wurde dafür viel kritisiert. Eine Reihe von Unternehmen will im Wahljahr keine Wahlwerbung mehr bei Facebook schalten. Der britisch-niederländische Konsumgüterriese Unilever kündigte am Freitag an, wegen der „polarisierten“ Wahlkampf-Atmosphäre ab sofort bis zum Jahresende in den USA keine Werbung mehr auf Facebook, Instagram und Twitter schalten zu wollen. Immer mehr Firmen sehen von Anzeigen bei Facebook ab, weil der Internetriese aus ihrer Sicht zu wenig gegen Hasskommentare und Aufrufe zur Gewalt unternimmt.

Anzeigen-Boykott: Coca-Cola, Unilever, Patagonia und North Face pausierten Facebook-Werbung

Am Donnerstag kündigte der US-Telekommunikationskonzern Verizon an, dass er seine Werbung auf Facebook aussetze. Die Sportartikelhersteller Patagonia und North Face folgten. Vorausgegangen war ein Boykottaufruf der Organisation Anti-Defamation League im Rahmen einer Kampagne unter dem Motto „Stoppt den Hass aus Profit“. Als Zeichen gegen Rassismus setzt Coca-Cola für mindestens 30 Tage jegliche Werbung in allen Online-Netzwerken aus. „Es gibt keinen Platz für Rassismus in der Welt und es gibt keinen Platz für Rassismus in den sozialen Netzwerken“, teilte Konzernchef James Quincey mit.

Online-Netzwerke sollten mehr „Transparenz und Verantwortung“ an den Tag legen, forderte er. Seine Entscheidung habe aber nichts mit der Kampagne der Anti-Defamation League zu tun. In der Zwischenzeit werde Coca-Cola seine Werbestrategie überprüfen und „schauen, ob Korrekturen nötig sind“, erklärte er. Coca-Cola ist eine der bekanntesten Marken der Welt und gibt enorme Summen für Werbung aus. In den USA finden am 3. November Präsidentschaftswahlen statt. Die Anhänger von Amtsinhaber Donald Trump und seine Gegner stehen sich vielfach unversöhnlich gegenüber. Die tiefe Spaltung der US-Gesellschaft wurde auch im Zuge der jüngsten landesweiten Proteste gegen Rassismus* deutlich. (lb mit AFP) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Freiwillig vorerst aus Facebook zurückgezogen hat sich eine österreichische Brauerei - Anlass ist ein Rassismus-Shitstorm. Mit einem Surf-Schnappschuss auf Hawaii sorgte Zuckerberg kürzlich für irre Vergleiche im Netz.

Rubriklistenbild: © AFP / ANDREW CABALLERO-REYNOLDS

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