Minister Fahrenschon vor Ausstieg aus der Politik?

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Georg Fahrenschon (CSU).

München – Es sind nicht die besten Monate für Georg Fahrenschon. Vorsitzender der CSU Oberbayern wollte er werden und durfte nicht. Jetzt machen Meldungen die Runde, wonach der Finanzminister aus der Politik austeigen will.

Ein großes Steuerkonzept für den Bund wollte er durchsetzen und durfte nicht. Bundesminister hätte er werden können, und seine Frau teilte mit, er dürfe nicht. Gut möglich, sagen Vertraute, dass der so nette CSU-Politiker jetzt die Nase gestrichen voll hat: Fahrenschon erwägt, aus der Politik auf einen gut dotierten Verbandsposten zu wechseln.

Bis zum 3. November läuft die Bewerbungsfrist als Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands. Der Chefposten beim DSGV wird frei, weil der 66-jährige Heinrich Haasis im Mai aus Altersgründen aufhören will. Zwei Herren galten bisher als aussichtsreiche Bewerber: der westfälische Sparkassenpräsident Rolf Gerlach und Steffen Kampeter (CDU), Staatssekretär im Bundesfinanzministerium. Kampeter aber zog gestern zurück: „Ich stehe für eine DSGV-Kandidatur nicht zur Verfügung“, teilte er überraschend mit. Und über den parteilosen Gerlach heißt es, er sei wegen seines forschen Auftretens recht unbeliebt im Verband und bei der Politik.

Jetzt steht Fahrenschon, dem schon seit Wochen Außenseiterchancen eingeräumt wurden, plötzlich im Mittelpunkt der Personalspekulationen vor der Wahl am 30. November. Die bayerischen Sparkassenvertreter fördern ihn. „Unrealistisch ist das nicht. Bundesweit gäbe es eine Mehrheit für ihn“, sagt einer, der mit der Materie vertraut ist. „Wenn er sagt: Ich will – dann ist er bald Präsident.“ Und bei der persönlichen Entscheidung dürfte ein Jahresgehalt, das Branchenkenner auf 700 000 bis eine Million Euro schätzen, hilfreich sein. Als Minister verdient er trotz des zwischenzeitlich gesicherten Landtagsmandats bisher nicht mal ein Fünftel. 348 500 Mitarbeiter, die der Verband vertritt, sind auch was.

Fahrenschon dementiert mit keinem Wort. Nachfragen seiner Ministerialen wimmelt er ab. Erkundigungen von Parteifreunden beantwortet er lakonisch. „Jawoll“, soll er nur knapp gesagt haben, als ihn Ministerpräsident Horst Seehofer fragte, er werde doch wohl an Bord bleiben. Seehofer selbst sagte unserer Zeitung: „Er ist unverzichtbar mit seinem Fachwissen und seiner Kollegialität. Er ist ein absoluter Leistungsträger und erhält keine Freigabe.“

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Tatsächlich wäre Fahrenschons Flucht für Seehofer bitter. Es wäre der dritte Frust-Abgang im dritten Jahr der Regentschaft. Ein Staatssekretär, der sich gedemütigt fühlte, warf hin; Staatskanzleichef Schneider verließ die Politik. Jetzt auch der Finanzminister? Auch fachlich würde das eine Lücke reißen. Der 43-Jährige gilt bundesweit als Experte, selbst die Kanzlerin hält große Stücke auf ihn.

In der CSU wundern sie sich nur manchmal über Fahrenschons geringen Macht-Instinkt. In seinem Ministerium versäumte er, ein Team aus guten Beratern zu installieren, die ihm auch mal über den Finanz-Alltag hinaus einen Tipp geben könnten. Auf der Partei-Ebene verlor er das Rennen um den Bezirksvorsitz gegen die beherzt zupackende Ilse Aigner. Für den Kreis der Seehofer-Kronprinzen hat ihn seither nicht mehr jeder auf der Rechnung.

Und mit Seehofer selbst hat er noch eine Rechnung offen. Der Ministerpräsident war es, der Journalisten von der Szene erzählte, wie Fahrenschons Frau in der Staatskanzlei eine Berufung ihres Mannes nach Berlin verhinderte – was den Finanzminister nicht gerade als starken Machtpolitiker dastehen ließ.

„Vielleicht will er den Chef provozieren“, hoffen Kollegen. Der ist auch aktuell auf ihn angewiesen: Fahrenschon soll in diesen Tagen Seehofers Konzept für die Soli-Senkung durchrechnen.

Christian Deutschländer, Andreas Zomniok, Mike Schier

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