Keiner will mit der CSU feiern

"Fanatismus": Stoiber zieht über FJS-Gegner her

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Edmund Stoiber im Dialog mit der Strauß-Büste.

München - Franz Josef Strauß polarisiert – auch 27 Jahre nach seinem Tod. Beim CSU-Empfang zu dessen 100. Geburtstag trat Festredner Edmund Stoiber in einen denkwürdigen Dialog mit dessen Büste.

Bei den großen Feierlichkeiten zu seinem 100. Geburtstag, die am Freitag mit einem Festakt der Hanns-Seidel-Stiftung in der Allerheiligen-Hofkirche und einem Staatsempfang Horst Seehofers in der Residenz begannen, bleibt die CSU weitgehend unter sich.

Kanzlerin Angela Merkel brüskierte die CSU regelrecht: Obwohl sie am Freitag in München weilte und die TU in Garching besuchte (siehe S. 1), wollte sie nicht bei der Strauß-Weihestunde vorbeischauen. Auch sonst fand sich kein einziger führender CDU-Politiker unter den rund 550 Gästen, zu denen Alt-Bundespräsident Roman Herzog, Herzog Franz von Bayern und Fürstin Gloria gehörten.

International gab es „keine Zusage“, wie ein Sprecher der CSU-nahen Stiftung einräumte. Als vor knapp zwei Jahren der 100. Geburtstag von Willy Brandt begangen wurde, sprachen noch die Bundespräsidenten von Deutschland und Österreich, Joachim Gauck und Heinz Fischer…

Die Opposition boykottiert die Strauß-Feierlichkeiten geschlossen: Bayerns SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher hält die Serie von Gedenkveranstaltungen für „völlig unangemessen monumentalisiert“. Und Grünen-Landeschef Eike Hallitzky erinnerte an Strauß’ „respektloses Verhältnis gegenüber politischen Mitbewerbern, das einmalig in der deutschen Demokratie war“.

Horst Seehofer geht vor dem Festakt der Hanns-Seidel-Stiftung anlässlich des 100. Geburtstags von Franz Josef Strauß in der Allerheiligen-Hofkirche der Residenz an dessen Portrait vorbei.

Ministerpräsident Seehofer reagierte sauer: „Dass die bayerische Opposition es ablehnt, für diesen verdienstvollen Staatsmann hierherzukommen, ist schlichtweg schlechter Stil und spricht für sich“, so der CSU-Chef beim Empfang zu Ehren Strauß’ am Freitagabend im Antiquarium der Residenz.

Auch Festredner Edmund Stoiber empörte sich über den „beispiellosen, ungebrochenen Fanatismus“ der Strauß-Gegner. Stoiber trat in seiner Rede in einen fiktiven Dialog mit der Strauß-Büste in seinem Büro, die ihm sagte: „Edmund, grab nicht das blonde Fallbeil aus, nicht an meinem Geburtstag, tu mir den Gefallen.“ Aber ein bisschen ereifern musste sich Stoiber dann doch, trotz des weisen Rats der FJS-Büste – zu sehr nagt vor allem der Spiegel-Titel an FJS-Erbe Stoiber, in dem Strauß einmal mehr mit Korruptionsvorwürfen in Zusammenhang gebracht wurde, letztlich aber ohne konkrete Beweise. „Weil der Inhalt zu stark ist, greift man den Menschen an“, meinte dazu Stoiber – und ließ erneut den Strauß-Geist in der Büste reden: FJS habe nämlich „im Paradies“ Spiegel-Gründer Rudolf Augstein getroffen, der sich bei ihm entschuldigt habe über das Niveau seiner Kritiker zu diesem 100. Geburtstag. Strauß habe geantwortet: „Ist schon gut – du hast das größere Kreuz mit deinen Nachfolgern.“

Aber auch eine Spitze in Richtung FJS-Boykotteurin Merkel konnte sich Stoiber nicht verkneifen, indem er die heutige Politiker-Generation kritisierte. Die würden politische Gegner lieber „einschläfern“, statt mit „leidenschaftlichem Meinungsstreit mutig voranzugehen“, wie es Strauß einst getan habe.

Klaus Rimpel

Interaktive Landkarte: Stationen von Franz Josef Strauß

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