Beunruhigendes Ergebnis

Sicherheitsmängel bei fast allen Atommeilern

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Kontrolleure haben Stresstests in den Atomkraftwerken der EU durchgeführt.

Brüssel - Fast alle europäischen Atommeiler weisen Sicherheitsmängel auf und müssen nachgerüstet werden. Das ist das beunruhigende Ergebnis von Stresstests in den 145 Kraftwerken in der EU.

Schlechte Noten gibt es laut der "Welt" auch für viele deutsche AKW. So würden aus Sicht der von Brüssel geschickten Kontrolleure die selbst installierten Erdbebenwarnsysteme nicht ausreichen, um die Sicherheit zu garantieren.

„Praktisch alle Anlagen bedürfen verbesserter Sicherheitsmaßnahmen“, zitierte die „Welt“ aus dem Abschlussbericht über die Stresstests. Die EU-Kommission wollte die Meldung auf Nachfrage weder bestätigen noch dementieren. Die Ergebnisse der Sicherheitschecks, mit denen Energiekommissar Günther Oettinger auf die Atomkatastrophe in Fukushima reagierte, würden am kommenden Mittwoch vom Kommissarskollegium besprochen, hieß es. Vermutlich noch in dieser Woche werde der Bericht veröffentlicht. Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) lehnte zunächst jeden Kommentar ab.

„Echte Sicherheit nur durch Abschalten“

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) reagierte aber bereits und forderte eine „deutliche Beschleunigung der Energiewende“ in der Bundesrepublik. Nach „Welt“-Informationen beziffert die EU-Kommission den Investitionsbedarf auf bis zu 25 Milliarden Euro. Das zeige, dass es „auch ökonomisch unsinnig ist, Atomkraftwerke am Netz zu lassen“, sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. „Nachrüstungen sind teuer und ihr Effekt auf die Sicherheit ist fragwürdig. Echte Sicherheit kann nur die Abschaltung bringen.“

Die Kommission wird den Regierungschefs auf dem Gipfel am 18. Oktober ihre konkreten Mängellisten vorlegen und Nachbesserungen verlangen. Ob in Einzelfällen auch gefordert werde, Meiler sofort herunterzufahren, ließ Oettingers Sprecherin Marlene Holzner am Montag offen. Eine gesetzliche Handhabe dafür hat Brüssel noch nicht. Allerdings will die Kommission den Ländern bei der Beseitigung der Mängel auf die Finger schauen und auch publik machen, wenn Sicherheitsrisiken nicht behoben werden. Geplant ist außerdem, in der EU strenge Standards einzuführen.

Mängelliste für französische Meiler besonders lang

Oettinger selbst begegnete am Montag Kritik von Atomgegnern, die Sicherheitschecks seien nicht streng genug ausgefallen. „Unsere Stresstests waren strikt, ernsthaft und transparent“, sagte er. „Sie zeigen objektiv, wo wir gut sind und wo es Verbesserungsbedarf gibt.“ Grundsätzlich sei die Situation zwar zufriedenstellend, doch gebe es keinen Raum für Nachlässigkeit. Der Kommissar verwies insbesondere auf die Messung von Erdbebenrisiken.

Die Messlatten bei den Prüfungen waren vor allem die Auflagen der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA). Und die schreiben etwa vor, dass für die Kalkulation des Erdbebenrisikos Berechnungen und Modelle über die zurückliegenden 100.000 Jahre berücksichtigt werden. Gerade in diesem Punkt seien viele Meiler durchgefallen, verlautete aus Kommissionskreisen, weil das Kriterium nicht umgesetzt worden sei. Besonders viele Mängel fanden die Experten laut „Welt“ bei den Meilern in Frankreich.

dapd

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