Fastnacht in Franken

Welcher Politiker gibt hier die Marilyn?

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Bayerns Finanzminister Markus Söder hat sich am Freitag bei der Fastnacht in Franken als Hollywood-Sexbombe Marilyn Monroe verkleidet?

Veitshöchheim - Welcher bayerische CSU-Spitzenmann hat sich denn da als Hollywood-Sexbombe Marilyn Monroe verkleidet? Bei der Fastnacht in Franken maskierten sich am Freitag zahlreiche bayerische Politiker bis zur Unkenntlichkeit.

Update vom 5. Februar 2015: Wir verraten erste Details zur "Fastnacht in Franken" 2015 aus Veitshöchheim. Lesen Sie, auf welche bekannten Gesichter Sie sich freuen dürfen, welche Newcomer erwartet werden und was dieses Jahr sonst noch alles neu ist.

Finanzminister Markus Söder (CSU), der schon im vergangenen Jahr als Punk begeisterte, schritt diesmal als Marilyn Monroe über den roten Teppich.

So war die Fastnacht in Franken heuer

Wenn Finanzminister Markus Söder (CSU) zur „Wandlampe“ wird, der „Schmusekater Seehofer“ einen Fresskorb mit Katzenfutter geschenkt bekommt und das Landtagskabinett zur „Geisterbahn“ mutiert - dann ist „Fastnacht in Franken“. Die 10 000-Einwohner-Gemeinde Veitshöchheim ist am Freitagabend wieder zur Hochburg der Faschingsfreunde geworden - und fast die gesamte Prominenz der bayerischen Politik, Wirtschaft und Kirche ist dem Ruf der Narren gefolgt. Die Promis mussten dann auch viel Lästerei aushalten - und sie lachten tapfer über die Witze auf ihre Kosten.

Zuvor aber lieferten sie selbst auf dem Roten Teppich eine kleine Show ab - und zwar aufgrund ihrer Kostüme. Allen voran Söder. Er kam als Marilyn Monroe, um die „CSU weiblicher zu machen“. Von einigen Gästen wurde der groß gewachsene Politiker auf den ersten Blick mit Dragqueen Olivia Jones verwechselt. Nichtsdestotrotz: ein echter Hingucker. Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) verkleidete sich als Druide Miraculix, die CSU-Generalsekretäre Dorothee Bär und Alexander Dobrindt als die Schöne und das Biest und die FDP-Riege lief als Fußballmannschaft in gelb-blauen Trikots auf. Horst Seehofer (CSU) hatte sich immerhin eine neue fliederfarbene Fliege mit schwarzen Punkten zum schwarzen Anzug zugelegt.

Sitzungspräsident Bernd Händel wollte die Sendung eigentlich mit einem Gag über die Verspätungen beim Bau des neuen Berliner Flughafens eröffnen. Der Witz sei jedoch nicht rechtzeitig fertig geworden. Stattdessen begrüßte er „den ersten schnurrenden bayerischen Ministerpräsidenten“ mit einem „kräftigen Miau, Miau, Schnurrrrr“.

Auch die Sexismus-Debatte - ausgelöst durch einen Artikel über FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle - haben die Kabarettisten nicht ausgelassen. „Die Lehman Brothers, mainfränkische Söhne von einem Viehhändler. Das waren noch richtige Brüder. Anders als dieses Brüderle heute. Die wussten noch, wie man dicke Schecks ausfüllt, während der sich nur fragt, wie man Dirndl ausfüllt“, stellte Oliver Tissot fest.

Und Peter Kuhn, Meister der anspruchsvollen Bütt, reimte als Obdachloser Bitterböses über Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD): „Er macht sich immer unbeliebter, sogar den Rücktritt, den verschiebt er. Als Aufsichtsrat inkompetent, hat Wowereit ja nur gepennt. Drum bringen wir's auf einen Nenner, im Grunde ist auch er ein Penner.“

Einen wesentlichen höheren Stellenwert nahm während der etwa dreieinhalb Stunden bei den Komikern in den Mainfrankensälen jedoch die Landespolitik ein. Zum Fall des in der Psychiatrie sitzenden Nürnbergers Gustl Mollath fragte Tissot: „Mal ganz ehrlich: Wenn man jeden, der auf Missstände hinweisen möchte und dabei ein bisschen wirres Zeug redet, wegsperrt, warum sitzen die Politiker dann hier und nicht auch in Bayreuth?“

Ein beliebtes Ziel für Verbalattacken war Münchens OB, „der inzwischen sogar ohne Navi von München nach Veitshöchheim findet“, sagte Sitzungspräsident Händel. Große Hoffnungen auf einen Wahlsieg bei der Landtagswahl machte er dem Seehofer-Herausforderer jedoch nicht. „Wahlforscher sagen, dass, bevor Sie Ministerpräsident werden, der Berliner Flughafen von einem Kanzler Rösler eröffnet wird.“

Einen möglichen Grund dafür, dass fast das gesamte Kabinett die „Fastnacht in Franken“ immer wieder über sich ergehen lässt, brachte die „Altneihauser Feierwehrkapell'n“ auf den Punkt: „CSU, SPD, grünes Volk staut sich im Saal; FDP, Freie Wähler - und alles bloß wegen der Wahl.“

Fastnacht in Franken: So haben Sie Bayerns Politiker noch nie gesehen

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Seehofer hält dagegen:„Wir kommen aus Verbundenheit. Es lenkt uns mal ab - das gilt für alle Parteien. In erster Linie kommt man, weil man Spaß hat“, so der Ministerpräsident am Abend der Sendung. Ihm hätten die Teile am besten gefallen, bei denen nicht er, sondern die anderen, Zielscheibe für die Komiker waren.

Die Franken teilten aber nicht nur fleißig aus, sie mussten auch kräftig einstecken. Die Oberpfälzer Kapelle stieg dafür „hinab in Frankens Schweineschmalz“ und dichtete süffisant und von Buh-Rufen begleitet: „Die Franken sind in Masse, nur Bayern zweiter Klasse. (..) Zu viele Franken in der Regierung, versauen in Bayern die Führung. Man muss des Franken Anspruchsdenken, auf eine Weinkönigin beschränken.“ Erstmals konterten die Nordbayern diese Angriffe übrigens mit einer eigenen Kapelle - den „Erlabrunner Narrekröpf“.

Die Prunksitzung des Fastnacht-Verbandes Franken wird seit 26 Jahren live im Bayerischen Fernsehen übertragen und ist mittlerweile zur Kultsendung aufgestiegen. Am Freitag sahen die „Fastnacht“ nach BR-Angaben bundesweit 3,82 Millionen Menschen. Allein in Bayern waren es 2,13 Millionen Zuschauer. Das entspricht einem Marktanteil von 45,1 Prozent. Damit hat fast jeder zweite Fernsehzuschauer im Freistaat am Freitag die Prunksitzung aus Veitshöchheim verfolgt.

Christiane Gläser, dpa

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