Flüchtlinge zurück in die Türkei, 32 landen legal in Hannover

Flüchtlingsaustausch: Die tz erklärt die wichtigsten Fragen

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Mit einer Tasche und einem Beamten am Arm betreten die Flüchtlinge das Schiff in Richtung Türkei.

München - Der Austausch von Kriegsflüchtlingen auf Grundlage des umstrittenen Abkommens zwischen der EU und der Türkei hat begonnen. Die tz erklärt, wie es in den kommenden Wochen weitergehen soll.

Aus Griechenland sind 202 Menschen zurück in die Türkei gebracht worden. Dafür wurden in zwei Linienmaschinen aus Istanbul sechs syrische Familien nach Hannover geflogen.

Die tz erklärt, wie der Flüchtlingsaustausch am ersten Tag funktioniert hat und wie es in den kommenden Wochen weitergehen soll:

Wie verlief die Rückführung von Flüchtlingen aus Griechenland in die Türkei? Erstaunlich reibungslos. In aller Herrgottsfrühe sind die Flüchtlinge von ihren Internierungslagern ­– Moria auf Lesbos und Vial auf Chios – zum Hafen gebracht worden. Sie waren an Bord von Schlauchbooten eingetroffen und hatten, anders als die 366 Menschen, die seit Jahresbeginn auf der Überfahrt von der Türkei in der Ostägäis ums Leben kamen, die rettende griechische Küste erreicht. Jetzt mussten sie auf einem von insgesamt drei Schiffen wieder in Richtung türkisches Festland ablegen.

Woher kamen die Abgeschobenen? Die meisten stammten aus Pakistan (130) und Afghanistan (42). Andere kamen aus dem Iran (10), aus dem Kongo (5), Sri Lanka (4), Indien und Bangladesch (jeweils 3), aus dem Irak, Somalia und der Elfenbeinküste (jeweils 1). Auch zwei Syrer waren darunter. Diese hätten erklärt, dass sie freiwillig zurückgehen wollten.

Sind schon weitere Abschiebungen geplant? Grundsätzlich schon, schließlich kamen allein am Montag fast genauso viele Flüchtlinge, vor allem Syrer und Iraker, aus der Türkei neu auf Lesbos an, die in die Türkei zurückgeschickt worden waren. Allerdings ist derzeit nicht klar, wann es so weit sein soll.

Sie dürfen legal nach Deutschland einreisen: 32 syrische Flüchtlinge ziehen jetzt ins Durchganglager Friedland ein.

Woran liegt das? Im Abkommen mit der Türkei ist vereinbart worden, dass nur die Flüchtlinge zurückgeschickt werden, die sich weigern, einen Asylantrag zu stellen oder deren Antrag abgelehnt worden ist. Deshalb haben Flüchtlinge auf Lesbos gestern massenhaft Asylanträge gestellt. Von nun an gelte es, Asylanträge zu bearbeiten, bevor weitere Migranten in die Türkei zurückgeschickt werden könnten, sagte die Chefin der für Migration zuständigen Abteilung der griechischen Polizei. Aus Kreisen der europäischen Grenzschutzagentur Frontex auf Lesbos hieß es, wegen der Antragsflut sei es nun umso wichtiger, dass zügig Asylexperten aus anderen europäischen Ländern nach Griechenland entsandt würden.

Bekommen die griechischen Behörden denn keine EU-Unterstützung? Doch, allerdings ist die Zahl der Helfer recht überschaubar. Bisher seien 120 zusätzliche Experten vor Ort, davon zwölf deutsche Mitarbeiter des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Das Europäische Unterstützungsbüro für Asylfragen hatte zusätzlich 400 Asylbeamte, 400 Dolmetscher und 30 Richter angefragt. Außerdem seien am Montag 30 Polizisten aus Deutschland in Griechenland im Einsatz gewesen. Deutschland will insgesamt 100 BAMF-Mitarbeiter und 200 Bundespolizisten nach Griechenland schicken.

Sind auch Flüchtlinge nach Deutschland gekommen? Ja, und zwar nahezu zeitgleich. In Hannover landeten 32 Frauen, Männer und Kinder. Sie waren vom UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) als besonders hilfsbedürftig ausgewählt worden. Die Kriegsflüchtlinge wurden mit Bussen ins Grenzdurchgangslager Friedland bei Göttingen gebracht, von wo aus sie später auf Städte und Gemeinden in Niedersachsen verteilt werden sollen. Insgesamt sollen im Rahmen des Flüchtlingsaustausches 15 000 Syrer aus der Türkei nach Deutschland kommen.

Haben andere EU-Staaten auch Syrien-Flüchtlinge aus der Türkei aufgenommen? Ja. Elf weitere Syrer wurden nach Finnland geflogen. Weitere syrische Kriegsflüchtlinge werden heute in den Niederlanden erwartet.

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