tz-Redakteur war vor Ort

Kommentar aus Idomeni: Anpacken vertreibt Angst und Neid

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Diese Flüchtlinge warten in Idomeni auf ihre Weiterreise.

München - tz-Redakteur Johannes Welte begleitete Helfer nach Idomeni, um sich vor Ort ein genaueres Bild von der Situation der Flüchtlinge zu machen. Dies ist sein Kommentar.

Der von Bellevue di Monaco organisierte Hilfstransport ins griechische Idomeni ist schon wieder Geschichte. Vier Tage lang bin ich mit Hans-Ulrich Pfaffmann vom Bayerischen Arbeiter-Samariter-Bund und seinem Team im Lkw nach Griechenland unterwegs gewesen - diese kurze Zeit wird noch lange nachwirken. Unser Ziel war zwar nur ein paar Hundert Kilometer entfernt und doch erlebten wir eine völlig andere Welt.

Johannes Welte in Idomeni.

Mein persönliches Fazit: Wir leben in unruhigen Zeiten. Ich habe gesehen, dass es Menschen gibt, denen es richtig dreckig geht. Menschen, die das Pech hatten, zur falschen Zeit am falschen Ort zu leben. Und die in Wirklichkeit nicht anders sind als wir. Auch wenn sie Gott mit einem anderen Namen ansprechen.

Mich hat diese unglaubliche Hilfsbereitschaft beeindruckt, die die Griechen an den Tag legen und die stets gut gelaunten und sich selbst organisierenden Helfer aus ganz Europa, die die europäische Idee leben, im Gegensatz zu den Politikern. Die haben einen neuen Eisernen Vorhang gezogen, der tatsächlich der ehemaligen DDR-Grenze - an deren Westseite ich unmittelbar aufgewachsen bin - in nichts nachsteht.

Ich habe am eigenen Leib gespürt: Anpacken und den Geflüchteten helfen ist das beste Mittel gegen die Angst und die Missgunst, die in Europa umgeht. So intensiv wie in den vergangenen vier Tagen habe ich schon lange nicht mehr gespürt, was Leben ist. Das schafft kein Oktoberfest, keine TV-Serie und kein Club.

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